04.10.2005 Die Reformlüge - 40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren
In dem Buch werden viele Fragen und Zusammenhänge angesprochen um deren
Aufdeckung wir uns als interessierte BürgerInnen mit
Informationsveranstaltungen und in Diskussionen im kleinen Kreis immer
bemüht haben.
1. Auflage: Droemer Verlag 2004, Autor: Albrecht Müller
2. überarbeitete Auflage als Taschenbuch im Knauer-Verlag 2005
Den Titel finde ich eigentlich etwas zu reißerisch – der Schreibstil
ist aber sehr moderat und vor allem ist der Text mit vielen Belegen und
Zahlen versehen.
Das Buch ist in drei Teile aufgegliedert.
Im ersten Teil (ca. 50 Seiten) wird eine Übersicht über die
Hintergründe und die Dynamik der Reformdebatte gegeben, die seit etwa
10 Jahren die politische Debatte dominiert. Es ist eine knappe
Beschreibung wie die vielen Argument, die in den letzten Jahren wie
Mantras von Politikern, Lobbyisten und Journalisten rezitiert werden,
zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen.
Im zweiten Teil, der den Hauptteil des Buches ausmacht (ca. 300
Seiten), sind in 40 Kapiteln 40 Argumente bzw. Behauptungen
aufgegriffen, die die politischen Diskussionen dominieren. Beispielhaft
seien hier mal folgende genannt:
Arbeit muss billiger werden. Wir müssen länger Arbeiten. Wir sind überschuldet. Der Staat ist zu fett geworden. Wir werden immer älter. Der Generationenvertrag hält nicht mehr. Wir leben über unsere Verhältnisse. Konjunkturprogramme sind Strohfeuer. Steuersenkungen schaffen Investitionen und Arbeitsplätze.
u.s.w.
Innerhalb dieser Kapitel, die in der Regel 5 –10 Seiten umfassen,
werden diese Argumente relativiert und die ihnen zugrundeliegenden
Denkfehler entlarvt. Die einzelnen Kapitel lasse sich unabhängig von
einander lesen, so dass das Buch sich hervorragend auch als
Nachschlagwerk eignet.
Im dritten Teil (ca. 20 Seiten) werden die lautstarken Akteure der
Reformpropaganda ins Visier genommen und deren Motive untersucht. Es
wird deutlich, dass die verschiedenen Akteure aus ganz
unterschiedlichen Gründen in das Reformhornblasen, häufig auch aus
falschem Verständnis der Zusammenhänge.
Schon nach der Lektüre diesen Teils bekommt man das eigenartige Gefühl
Sehender unter lauter Verblendeten zu werden. Es ist wirklich
eigenartig den Eindruck zu bekommen, dass tatsächlich diejenigen, die
es eigentlich wissen sollten, hochrangige
Wirtschaftswissenschaftler, Professoren der Politikwissenschaft,
Politiker und Journalisten, die sich ebenfalls aus Berufsgründen „den
ganzen Tag“ mit diesen Fragen beschäftigen, Unsinn daher reden. Es
scheint wie in einem Altraum, wo alle jemanden für eine Tat
beschuldigen und man ganz deutlich sieht, dass er es nicht war...
Nun das sollte auch zum nachdenken Anlass geben. Die Argumentation, die
Albrecht Müller in den vielen Kapiteln anführt, ist nicht immer
stichhaltig und weist auch schwächen auf. Dennoch bringt er die Themen
hervorragend auf den Punkt. Ich finde, dass sich jedes Kapitel als
Ausgangspunkt für eine lebhafte Diskussion eignet, in deren Rahmen man
sich dann das Thema auf der Basis von Zusätzlichen Fakten erarbeiten
kann.
Viel Spaß kann man eigentlich für die Lektüre nicht wünschen, ich neige
immer dazu mich über die Trottel, die ich selbst gewählt habe zu
ärgern, aber vielleicht viele erhabene Momente, da sich nun lang
unverstandene Zusammenhänge beinahe wie von selbst erklären.