Mo., 12.05.2008
Kein Forum
Di., 13.05.2008
Die Produktion von Parias -
Ist das Ziel einer gerechten Gesellschaft zur Illusion geworden?
Gesprächsleitung: Eggert Blum
Es diskutieren:
Prof. Dr. Heinz Bude, Soziologe, Universität Kassel;
Dr. Dierk Hirschel, Chefökonom beim Bundesvorstand des Deutschen
Gewerkschaftsbundes;
Sascha Lobo, Werbetexter, Buchautor, Betreiber eines Internet-Blogs
Die alte Bundesrepublik lebte - trotz aller Verteilungskämpfe der
Zwei-Drittel-Gesellschaft - im sicheren Gefühl, dass es Arbeit für
alle gebe, niemand durchs soziale Netz falle und eine gerechte
Sozialpolitik alle Benachteiligungen ausgleichen könne. Heute ist
die Wirklichkeit anders: Arbeitslosigkeit und Zukunftsangst treffen
nicht wenige, sondern viele. Unter ihnen findet sich die ungelernte
Aushilfskraft ebenso wie der hoch qualifizierte Wissenschaftler. In
seinem Buch "Die Ausgeschlossenen: Das Ende vom Traum einer
gerechten Gesellschaft" beschreibt der Soziologe Heinz Bude eine
neue Trennlinie: Der Gegensatz zwischen Oben und Unten, so Bude,
werde überlagert von der Spaltung zwischen denen, die dazugehören,
und denen, die ausgeschlossen sind - egal, zu welcher
Gesellschaftsschicht sie gehören. Stimmt die Annahme des Autors,
dass auch eine kluge Wirtschaftspolitik und die Rückkehr zur
Vollbeschäftigung an dieser Lage nichts ändern würden?
Lese-Tipps:
Heinz Bude: "Die Ausgeschlossenen - das Ende vom Traum einer
gerechten Gesellschaft", Carl-Hanser-Verlag (März 2008), 14,90 ?
Holm Friebe, Sascha Lobo: "Wir nennen es Arbeit", Heyne-Verlag (Juni
2008), 8,95 ?
Mi., 14.05.2008
Der Körper als Baustelle -
Was steckt hinter dem Boom der Schönheitschirurgie?
Gesprächsleitung: Stephanie Dötzer
Es diskutieren:
Prof. Dr. Ada Borkenhagen, Psychoanalytikerin, Humboldt Universität
Berlin;
Prof. Dr. Paula-Irene Villa, Soziologin, Ludwig-Maximilians-
Universität München;
Prof. Dr. Bernd Guggenberger, Politikwissenschaftler und bildender
Künstler, Rektor der Lessing-Hochschule zu Berlin
Der Markt der Schönheitschirurgie lebt von der Sehnsucht nach dem
perfekten Körper. Längst beschränken sich die Eingriffe nicht mehr
darauf, schiefe Nasen gerade zu rücken und Segelohren anzulegen.
Fast alles scheint machbar: Da werden Augenlider gestrafft, Zehen in
Form gespritzt und sogar Schamlippen verkleinert. Was mit dem Körper
geschieht, hat mit Mode zu tun. Und meistens auch mit Schmerz.
Schätzungsweise eine halbe Million Deutsche pro Jahr entscheiden
sich für eine Schönheitsoperation. Darunter so viele Jugendliche,
dass der Deutsche Bundestag diskutierte, ob Schönheitsoperationen
für Minderjährige verboten werden sollten. Was treibt so viele
Frauen - und auch immer mehr Männer - dazu, das Risiko einer
Operation auf sich zu nehmen? Wie verändert sich das Verhältnis zum
eigenen Körper, seit man ihn derart manipulieren kann? Und wie geht
die Gesellschaft hier und anderswo damit um?
Lese-Tipps:
Paula-Irene Villa (Hrsg.): "Schön normal - Manipulationen am Körper
als Technologien des Selbst", Transcript Verlag (Juni 2008)
Bernd Guggenberger: "Einfach schön - Schönheit als soziale Macht",
Deutscher Taschenbuch Verlag (März 2002)
Do., 15.05.2008
Soja gegen Kolibri -
Der Konflikt zwischen Landwirtschaft und Artenschutz
Gesprächsleitung: Eggert Blum
Es diskutieren:
Martin Kaiser, Waldexperte bei Greenpeace Deutschland;
Prof. Dr. Josef Reichholf, Leiter der Abteilung Wirbeltiere der
Zoologischen Staatssammlung München;
Dr. Heidi Wittmer, Agrarwissenschaftlerin am Helmholtz-Zentrum für
Umweltforschung, Leipzig
Über anderthalb Millionen Tier- und Pflanzenarten bevölkern die
Erde. Diese scheinbar unerschöpfliche Vielfalt des Lebens nimmt
jedoch ab, 15.000 Arten gelten weltweit als vom Aussterben bedroht.
Den Eisbären schmilzt der Boden unter den Füßen weg, die sibirischen
Tiger werden von Wilderern gejagt. Neben dem Klimawandel und der
gezielten Ausrottung steht vor allem die Landwirtschaft im Focus der
Naturschützer. Wildnis wird zerstört, um Weiden, Äcker und Plantagen
anzulegen, denn weltweit steigt die Nachfrage nach Lebensmitteln.
Die Vereinten Nationen haben sich verpflichtet, die Artenvielfalt zu
schützen - aber sie wollen auch den Hunger auf der Welt reduzieren.
Lassen sich beide Ziele miteinander vereinbaren?
Lese-Tipp:
Josef Reichholf: "Die Zukunft der Arten", Verlag C.H.Beck (März
2005), 19,90 ?
Fr., 16.05.2008
Der linke Kontinent -
Lateinamerika und die Globalisierung
Gesprächsleitung: Ursula Nusser
Es diskutieren:
Hans-Hartwig Blomeier, Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin;
Prof. Dr. Constantin von Barloewen, Kulturwissenschaftler,
Université Européenne de la Recherche, Paris;
Dr. Susanne Gratius, Lateinamerika-Expertin, Madrid
Lateinamerikas politische Landkarte färbt sich rot. Soeben hat der
ehemalige Bischof Fernando Lugo die Präsidentschaftswahl in Paraguay
gewonnen. Mit dem Sieg des Befreiungstheologen hat sich der Links-
Trend auf dem Subkontinent fortgesetzt. Argentinien, Bolivien,
Brasilien, Chile, Cuba, Ecuador, Nicaragua, Peru, Uruguay, Venezuela
- überall regieren linke Präsidenten. Die einen sind Populisten mit
revolutionärer Rhetorik, die anderen verfolgen einen pragmatisch-
sozialdemokratischen Kurs: Lateinamerika auf der Suche nach
Alternativen zum Neoliberalismus, mit dem der Kontinent in den 90er
Jahren gescheitert ist. Sind die neuen politischen Bewegungen ein
Anachronismus oder ein Hoffnungszeichen? Darüber diskutieren wir im
SWR2 Forum aus Anlaß des EU-Lateinamerika-Gipfels in Lima.