Dienstag, 13.05.2008
Die andere Schuld
Der israelische Historiker Ilan Pappé und die Vertreibung der Palästinenser
Von Martina Sabra
Mit der Staatsgründung Israels vor 60 Jahren und dem einhergehenden Krieg
von 1948 verloren etwa 750.000 Palästinenser ihre Heimat. Flucht oder
Vertreibung? Dieser Frage haben sich die sogenannten "neuen israelischen
Historiker" wie zum Beispiel Benny Morris oder Tom Segev schon seit
längerem gestellt. Ihr Kollege Ilan Pappé geht weiter. Er spricht von
geplanter und generalstabsmäßig durchgeführter ethnischer Säuberung. In
Israel ist der Sohn deutscher Juden, die in den 30er Jahren aus Nazi
Deutschland nach Palästina geflüchtet waren, wegen seiner
zionismuskritischen Forschungen unter heftigen Beschuss geraten. Die
Universität Haifa wollte ihm sogar die Lehrbefugnis entziehen. Aus diesem
Grund hat Ilan Pappé seiner Heimat nun den Rücken gekehrt. Zur Zeit lebt er
mit seiner Familie in Großbritannien, wo er an der Universität Exeter eine
Professur für Geschichte inne hat. Autorin Martina Sabra hat ihn dort
besucht.
Mittwoch, 14.05.2008
Gewalttätig durch Verwöhnung
Über jugendliche Aggression
Almut Engelien im Gespräch mit dem Psychologen Wolfgang Bergmann
Entgegen der weit verbreiteten Meinung, aggressive Jugendliche kämen aus
gewalttätigen Elternhäusern, beobachtet der Kinder- und Jugendpsychologe
Wolfgang Bergmann: "Auffällige Jungen sind häufig maßlos verwöhnt und zu
kleinen Prinzen gemacht worden". Ihre Erziehung habe bei den Jungen zu
einem völlig unrealistischen Selbst- und Weltbild geführt, in der Regel
trauten sie sich nichts wirklich zu und hätten keine Frustrationstoleranz
entwickelt. In seiner Arbeit hat Bergmann die Erfahrung gemacht, dass viele
Jugendliche, die zuhause mit Samthandschuhen angefasst werden, mit ihm
kämpfen, seine körperliche Stärke spüren und von ihm bezwungen werden
wollen. Wolfgang Bergmann gilt bundesweit als Koryphäe in der Arbeit mit
problematischen Jugendlichen. Er hat zahlreiche Bücher geschrieben. Sein
Ratgeber "Erziehen im Informationszeitalter" wurde zum Bestseller. Er ist
Vater von drei Kindern und betreibt ein eigenes Institut.
Donnerstag, 15.05.2008
"Mein Kampf" - druckfrisch auf den Büchertisch?
Wie sinnvoll sind Tabus bei der deutschen Vergangenheitsbewältigung?
Von Ulrich Panzer
Seit im vergangenen Jahr angebliche Konzeptpapiere zu Hitlers "Mein Kampf"
entdeckt wurden, ist erneut eine Diskussion darüber entbrannt, ob die
nationalsozialistische Programmschrift neu aufgelegt werden darf. Bislang
ist das in Deutschland nicht möglich, weil der Freistaat Bayern, der nach
dem Krieg das Vermögen des Diktators eingezogen hat und damit auch die
Nutzungsrechte an seinem Buch besitzt, dies untersagt. Dagegen regt sich
Widerstand. Das Argument der Kritiker: Wer sich mit der Nazi-Ideologie
auseinandersetzt, sollte ihre Schlüsseldokumente kennen. Die Debatte um
"Mein Kampf" lenkt den Blick auf den Umgang mit der nationalsozialistischen
Vergangenheit insgesamt: Welche Tabus sind heute noch sinnvoll und wo
richten Verbote und Restriktionen mehr Schaden an als Nutzen?
Freitag, 16.05.2008
Kindergarten und Altenheim unter einem Dach
Ein Projekt mit Zukunft?
Von Julia Camerer
Alte brauchen Ruhe und ihren geregelten Tagesablauf, Kinder sind laut und
wild - davon gehen wir im Allgemeinen aus. Deshalb, so könnte man vermuten,
passen Alte und Junge auf Dauer nicht zusammen. Dennoch verbringen in
Brandenburg 15 Kinder zwischen vier und sechs Jahren und 44 Senioren den
Alltag unter einem Dach. Mit dem einzigen Unterschied, dass die Senioren
dort leben und die Kinder morgens von ihren Eltern gebracht werden.
Entstanden ist das Projekt zunächst aus der Not heraus: Die
Arbeiterwohlfahrt Brandenburg musste sparen. Deshalb hat sie in den Räumen
des Pflegeheims einen Kindergarten eröffnet. Doch: Das Projekt ist nicht
nur finanziell erfolgreich. Julia Camerer hat erstaunliche
zwischenmenschliche Beobachtungen gemacht.