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02.05.2008
SWR2 - Wissen
05.-11.05.2008



Montag bis Sonntag, 8.30 Uhr bis 9 Uhr in SWR 2. Skripte und Sendungen nach Ausstrahlung online unter www.swr2.de/wissen.

Montag, 5. Mai, 8.30 Uhr

Physik der letzten Kommastelle

Von Falk Fischer


Eine physikalische Größe statt auf 12 nun auf 15 Stellen

genau messen zu können, scheint auf den ersten Blick

relativ uninteressant. In Wirklichkeit werden an der

letzten Kommastelle neue Weltbilder geschmiedet oder

umgestürzt und letztendlich sogar das Selbstverständnis

des Menschen im Kosmos verhandelt. Denn jede neu

errungene Größenordnung in der Messgenauigkeit schärft

den Blick in die Welt und legt fundamentalere

Ordnungsstrukturen frei. Am Ende sollte der Blick in den

Kosmos wie in den Mikrokosmos dasselbe Fundament erkennen

lassen, dass Teil und Ganzes in eins zusammenfließen.

Viele der an der letzten Kommastelle gewonnenen

Erkenntnisse haben zwar kaum schon praktische Relevanz,

und doch gehören sie zum Spannendsten, für das sich die

Menschheit seit jeher interessiert. So spiegelt sich an

der Physik der letzten Kommastelle ein Stück weit auch

die Bewusstseinsgeschichte des Menschen.



Dienstag, 6. Mai, 8.30 Uhr

Eroberung des Nutzlosen

Die erste Besteigung des Mount Everest ohne

Sauerstoffgeräte

Von Udo Zindel


"Wir krochen auf diesen letzten Punkt zu", erzählte

Reinhold Messner, als die Tortur endlich vorbei war. Acht

Stunden hatten er und Peter Habeler für die letzten 850

Höhenmeter des Mount Everest gebraucht. Am 8. Mai 1978

standen sie als Erste ohne Sauerstoffgeräte auf dem

höchsten Punkt der Erde, 8850 Meter über dem Meer. Ärzte

hatten sie gewarnt: Die dünne Luft der so genannten

"Todeszone" kann auch bei Kerngesunden zu Thrombosen,

Lungenödemen und Hirnschlägen führen. Doch den beiden

gelang ihr Gipfelsieg fast unversehrt. Fünf Sherpas ihrer

Expedition hatten weniger Glück: Einer starb in einem

Eisbruch, drei wurden schwerverletzt, ein weiterer blieb

halbseitig gelähmt. Ein schrecklicher Preis für die

"Eroberung des Nutzlosen", wie ein französischer Alpinist

das Extrembergsteigen einmal nannte.



Mittwoch, 7. Mai, 8.30 Uhr

Gemeinsam sind wir stark

Wie Menschen erfolgreich protestieren

Von Dorothea Hilgenberg


Nicht nur die 68er-Bewegung hat gegen gesellschaftliche

Missstände protestiert. Schon immer haben Menschen ihren

Unmut gemeinsam geäußert und sie tun es heute immer noch:

Sie protestieren gegen Hartz-Gesetze,

Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung,

verkaufsoffene Sonntage, für den Erhalt von

Arbeitsplätzen, höhere Löhne, bessere Studienbedingungen.

Einige Bewegungen finden ein breites Echo in der

Bevölkerung, andere verpuffen schnell wieder oder werden

gar nicht erst zur Kenntnis genommen. Wie nachhaltig die

unterschiedlichen Initiativen ihr Anliegen vermitteln

können, hängt nicht nur von ihren Leitfiguren und ihrer

Größe, sondern auch von der Vernetzung mit

Meinungsmachern und Medien ab. Gibt es den typischen

Demonstranten? Haben sich Formen und Symbole der

Opponenten im Globalisierungszeitalter verändert?

Protestforscher suchen nach Antworten.



Donnerstag, 8. Mai, 8.30 Uhr

"Slow City" - Die entschleunigte Stadt

Von Dirk Asendorpf


Eine charaktervolle Kleinstadt mit viel Grün, guter Luft

und wenig Autoverkehr, dazu moderne, kundenfreundliche

Dienstleistungen und viele Läden mit typischen Produkten

der Region - das sind die Voraussetzungen für eine "Slow

City". Weltweit tragen fast 100 Städte dieses Siegel,

sieben davon liegen in Deutschland, zwei in Baden-

Württemberg: Überlingen und Waldkirch. Geprüft und

ernannt werden sie von einer Kommission aus Italien, denn

dort hat die Idee ihren Ursprung. Bra, eine Kleinstadt im

Piemont und Heimat der weltweiten Slow-Food-Bewegung, war

1999 die erste "Slow City". Hier zeigt sich jetzt, wie

schwierig es ist, die Idee am Leben zu halten, wenn sie

von der politischen Mehrheit im Stadtrat und

einflussreichen Unternehmen nicht mehr mitgetragen wird.



Freitag, 9. Mai, 8.30 Uhr

Das Private ist politisch

Sarkozy - ein verhinderter 68er und die Debatte um das

Erbe der Studentenrevolte in Frankreich

Von Claudia Deeg und Stefanie Markert


Manche Sprüche von 1968 haben in Frankreich nichts an

Aktualität verloren. ?Das Private ist politisch" oder

"Die Lust grenzenlos ausleben"  all das trifft auf

Präsident Nicolas Sarkozy zu, findet Daniel Cohn-Bendit,

die Symbolfigur der Studentenproteste. Er sieht in

Sarkozy einen verhinderten 68er. "Es wäre doch damals

unvorstellbar gewesen, dass ein zweimal geschiedener

Präsident de Gaulle mit seiner Freundin um die halbe Welt

turtelt." Sarkozys Angriffe auf die Anhänger des Mai 68

seien völlig absurd. Der hatte in seinem

Präsidentschaftswahlkampf auf die Studentenbewegung

geschimpft und sie für den Verfall von Moral, Werten und

Tugenden verantwortlich gemacht. Frankreichs bekanntester

Studentenführer heute, Bruno Julliard, hält ein ?Remake"

mit neuen politischen Forderungen durchaus für möglich.

Studieren sei ein Massenphänomen geworden. Die

Studierenden aber hätten eine viel unsichere Zukunft als

ihre Vorgänger vor 40 Jahren. Der Strand unterm Pflaster

sei für sie einfach Luxus. Julliard greift Sarkozy an:

"Die Konservativen können es einfach nicht ertragen, dass

die französische Gesellschaft viele ihrer Freiheiten

damals im Mai errungen hat." Auch den 68ern schreibt der

kämpferische junge Mann Kritik ins Stammbuch: ?Die wollen

uns immer Lektionen erteilen, dabei haben wir bereits aus

ihren Fehlern gelernt!"



Samstag, 10. Mai, 8.30 Uhr

SWR2 Radio Akademie

Wasser - Tropfen, die die Welt      bedeuten

Reihe: "Plan Erde - Die Versorgung der Welt" (2)

Von Bettina Weiz


Wasser ist wie die große Liebe: durch nichts zu ersetzen.

Was sonst könnte so unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen

wie Trinken, Hygiene und die Produktion von

Nahrungsmitteln, verschiedensten Gütern oder Energie? In

den meisten Orten der Erde ist deshalb die

Wasserversorgung eine öffentliche Aufgabe; häufig sind

die Städte und Gemeinden zuständig. Aber über eine

Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu Wasser,

wenigstens nicht zu sauberem. Laut

Weltgesundheitsorganisation sterben jeden Tag so viele

Kinder wegen schmutzigen Wassers, als stürzten 20 Jumbo-

Jets ab. So ist die Wasserversorgung nicht nur eine Frage

des Geldes und der Technik, sondern auch der Politik und

Kultur: Wer gutes Wasser bekommt, womöglich aus dem

eigenen Wasserhahn, "gehört dazu", ist angeschlossen an

die Gesellschaft. Die Wasserversorgung ist ein Gradmesser

für die Demokratie.



Sonntag, 11. Mai, 8.30 Uhr

Schon gewusst? - Wissenschaftler erklären die Welt

Aula: Über Könige und Nomaden

Die Frühgeschichte Israels

Von Wolfgang Zwickel


Vieles, was die Bibel über die Geschichte Israels

erzählt, konnte aus archäologischer Sicht nicht

nachgewiesen werden; es ist zum Beispiel fraglich, ob die

Israeliten, nachdem sie sich in Ägypten angesiedelt

hatten, dort in die Sklaverei gerieten. Angesichts der

komplizierten und langen Geschichte Israels stellt sich

immer wieder die Frage, was ist Wahrheit, was Mythos,

inwiefern hat die Bibel doch Recht? Wolfgang Zwickel,

evangelischer Theologe und Professor für Altes Testament

und Biblische Archäologie an der Universität Mainz,

beantwortet diese Fragen in einem spannenden Vortrag für

Kinder und Erwachsene.




Suedwestrundfunk SWR

Redaktion SWR2 Wissen

Redaktionskollegium (Mo, Di, Do, Fr) Detlef Clas,

Juergen von Esenwein, Bettina Wenke, Udo Zindel

Dr. Markus Bohn, Sonja Striegl (Mi),

Anja Brockert, Rudolf Linssen (Sa)

Ralf Caspary (So)

76522 Baden-Baden, Fax: 07221-929-2387

email: wissen@swr2.de

Internet:http://www.swr2.de/wissen


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Die Manuskripte der jeweiligen Sendung finden Sie nach Ausstrahlung

in unserem Manuskriptdienst unter http://www.swr2.de/wissen

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