Montag, 5. Mai, 8.30 Uhr
Physik der letzten Kommastelle
Von Falk Fischer
Eine physikalische Größe statt auf 12 nun auf 15 Stellen
genau messen zu können, scheint auf den ersten Blick
relativ uninteressant. In Wirklichkeit werden an der
letzten Kommastelle neue Weltbilder geschmiedet oder
umgestürzt und letztendlich sogar das Selbstverständnis
des Menschen im Kosmos verhandelt. Denn jede neu
errungene Größenordnung in der Messgenauigkeit schärft
den Blick in die Welt und legt fundamentalere
Ordnungsstrukturen frei. Am Ende sollte der Blick in den
Kosmos wie in den Mikrokosmos dasselbe Fundament erkennen
lassen, dass Teil und Ganzes in eins zusammenfließen.
Viele der an der letzten Kommastelle gewonnenen
Erkenntnisse haben zwar kaum schon praktische Relevanz,
und doch gehören sie zum Spannendsten, für das sich die
Menschheit seit jeher interessiert. So spiegelt sich an
der Physik der letzten Kommastelle ein Stück weit auch
die Bewusstseinsgeschichte des Menschen.
Dienstag, 6. Mai, 8.30 Uhr
Eroberung des Nutzlosen
Die erste Besteigung des Mount Everest ohne
Sauerstoffgeräte
Von Udo Zindel
"Wir krochen auf diesen letzten Punkt zu", erzählte
Reinhold Messner, als die Tortur endlich vorbei war. Acht
Stunden hatten er und Peter Habeler für die letzten 850
Höhenmeter des Mount Everest gebraucht. Am 8. Mai 1978
standen sie als Erste ohne Sauerstoffgeräte auf dem
höchsten Punkt der Erde, 8850 Meter über dem Meer. Ärzte
hatten sie gewarnt: Die dünne Luft der so genannten
"Todeszone" kann auch bei Kerngesunden zu Thrombosen,
Lungenödemen und Hirnschlägen führen. Doch den beiden
gelang ihr Gipfelsieg fast unversehrt. Fünf Sherpas ihrer
Expedition hatten weniger Glück: Einer starb in einem
Eisbruch, drei wurden schwerverletzt, ein weiterer blieb
halbseitig gelähmt. Ein schrecklicher Preis für die
"Eroberung des Nutzlosen", wie ein französischer Alpinist
das Extrembergsteigen einmal nannte.
Mittwoch, 7. Mai, 8.30 Uhr
Gemeinsam sind wir stark
Wie Menschen erfolgreich protestieren
Von Dorothea Hilgenberg
Nicht nur die 68er-Bewegung hat gegen gesellschaftliche
Missstände protestiert. Schon immer haben Menschen ihren
Unmut gemeinsam geäußert und sie tun es heute immer noch:
Sie protestieren gegen Hartz-Gesetze,
Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung,
verkaufsoffene Sonntage, für den Erhalt von
Arbeitsplätzen, höhere Löhne, bessere Studienbedingungen.
Einige Bewegungen finden ein breites Echo in der
Bevölkerung, andere verpuffen schnell wieder oder werden
gar nicht erst zur Kenntnis genommen. Wie nachhaltig die
unterschiedlichen Initiativen ihr Anliegen vermitteln
können, hängt nicht nur von ihren Leitfiguren und ihrer
Größe, sondern auch von der Vernetzung mit
Meinungsmachern und Medien ab. Gibt es den typischen
Demonstranten? Haben sich Formen und Symbole der
Opponenten im Globalisierungszeitalter verändert?
Protestforscher suchen nach Antworten.
Donnerstag, 8. Mai, 8.30 Uhr
"Slow City" - Die entschleunigte Stadt
Von Dirk Asendorpf
Eine charaktervolle Kleinstadt mit viel Grün, guter Luft
und wenig Autoverkehr, dazu moderne, kundenfreundliche
Dienstleistungen und viele Läden mit typischen Produkten
der Region - das sind die Voraussetzungen für eine "Slow
City". Weltweit tragen fast 100 Städte dieses Siegel,
sieben davon liegen in Deutschland, zwei in Baden-
Württemberg: Überlingen und Waldkirch. Geprüft und
ernannt werden sie von einer Kommission aus Italien, denn
dort hat die Idee ihren Ursprung. Bra, eine Kleinstadt im
Piemont und Heimat der weltweiten Slow-Food-Bewegung, war
1999 die erste "Slow City". Hier zeigt sich jetzt, wie
schwierig es ist, die Idee am Leben zu halten, wenn sie
von der politischen Mehrheit im Stadtrat und
einflussreichen Unternehmen nicht mehr mitgetragen wird.
Freitag, 9. Mai, 8.30 Uhr
Das Private ist politisch
Sarkozy - ein verhinderter 68er und die Debatte um das
Erbe der Studentenrevolte in Frankreich
Von Claudia Deeg und Stefanie Markert
Manche Sprüche von 1968 haben in Frankreich nichts an
Aktualität verloren. ?Das Private ist politisch" oder
"Die Lust grenzenlos ausleben" all das trifft auf
Präsident Nicolas Sarkozy zu, findet Daniel Cohn-Bendit,
die Symbolfigur der Studentenproteste. Er sieht in
Sarkozy einen verhinderten 68er. "Es wäre doch damals
unvorstellbar gewesen, dass ein zweimal geschiedener
Präsident de Gaulle mit seiner Freundin um die halbe Welt
turtelt." Sarkozys Angriffe auf die Anhänger des Mai 68
seien völlig absurd. Der hatte in seinem
Präsidentschaftswahlkampf auf die Studentenbewegung
geschimpft und sie für den Verfall von Moral, Werten und
Tugenden verantwortlich gemacht. Frankreichs bekanntester
Studentenführer heute, Bruno Julliard, hält ein ?Remake"
mit neuen politischen Forderungen durchaus für möglich.
Studieren sei ein Massenphänomen geworden. Die
Studierenden aber hätten eine viel unsichere Zukunft als
ihre Vorgänger vor 40 Jahren. Der Strand unterm Pflaster
sei für sie einfach Luxus. Julliard greift Sarkozy an:
"Die Konservativen können es einfach nicht ertragen, dass
die französische Gesellschaft viele ihrer Freiheiten
damals im Mai errungen hat." Auch den 68ern schreibt der
kämpferische junge Mann Kritik ins Stammbuch: ?Die wollen
uns immer Lektionen erteilen, dabei haben wir bereits aus
ihren Fehlern gelernt!"
Samstag, 10. Mai, 8.30 Uhr
SWR2 Radio Akademie
Wasser - Tropfen, die die Welt bedeuten
Reihe: "Plan Erde - Die Versorgung der Welt" (2)
Von Bettina Weiz
Wasser ist wie die große Liebe: durch nichts zu ersetzen.
Was sonst könnte so unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen
wie Trinken, Hygiene und die Produktion von
Nahrungsmitteln, verschiedensten Gütern oder Energie? In
den meisten Orten der Erde ist deshalb die
Wasserversorgung eine öffentliche Aufgabe; häufig sind
die Städte und Gemeinden zuständig. Aber über eine
Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu Wasser,
wenigstens nicht zu sauberem. Laut
Weltgesundheitsorganisation sterben jeden Tag so viele
Kinder wegen schmutzigen Wassers, als stürzten 20 Jumbo-
Jets ab. So ist die Wasserversorgung nicht nur eine Frage
des Geldes und der Technik, sondern auch der Politik und
Kultur: Wer gutes Wasser bekommt, womöglich aus dem
eigenen Wasserhahn, "gehört dazu", ist angeschlossen an
die Gesellschaft. Die Wasserversorgung ist ein Gradmesser
für die Demokratie.
Sonntag, 11. Mai, 8.30 Uhr
Schon gewusst? - Wissenschaftler erklären die Welt
Aula: Über Könige und Nomaden
Die Frühgeschichte Israels
Von Wolfgang Zwickel
Vieles, was die Bibel über die Geschichte Israels
erzählt, konnte aus archäologischer Sicht nicht
nachgewiesen werden; es ist zum Beispiel fraglich, ob die
Israeliten, nachdem sie sich in Ägypten angesiedelt
hatten, dort in die Sklaverei gerieten. Angesichts der
komplizierten und langen Geschichte Israels stellt sich
immer wieder die Frage, was ist Wahrheit, was Mythos,
inwiefern hat die Bibel doch Recht? Wolfgang Zwickel,
evangelischer Theologe und Professor für Altes Testament
und Biblische Archäologie an der Universität Mainz,
beantwortet diese Fragen in einem spannenden Vortrag für
Kinder und Erwachsene.