Unter den französischen Regisseuren der Nachkriegszeit gilt Jacques Demy (1931 – 1990) als der Lebensfrohe, der Märchenerzähler und Träumer. Seine Filme, die häufig in Hafenstädten spielen, konnten von tiefer Traurigkeit und übersprudelnder Lebensfreude sein. Charme, Feingefühl, Geschmack und ganz besonders Musikalität sind die Begriffe, mit denen man die filmische Welt Jacques Demys beschrieben hat, die ein ganz unverwechselbares Kinouniversum bildet. Inspiriert von den amerikanischen Filmmusicals inszenierte er einige der ungewöhnlichsten und beeindruckendsten Werke in der Technik des film en chanté, dem stets Demys größte Leidenschaft galt. Wir erinnern im Mai und Juni an diesen großen Zauberer des Kinos mit einigen seiner schönsten Filme.
La Baie des anges Die blonde Sünderin
Frankreich 1962, Jacques Demy; mit Jeanne Moreau, Claude Mann, Paul Guers. 35mm, 82 Min., engl.Untertitel
Nachdem ein junger Bankangestellter bei seinem ersten Rouletteabend eine große Summe gewonnen hat, zieht es ihn in die Casinos von Monte Carlo. Dort trifft er die spielsüchtige Jackie, die ihn in immer tiefere Abgründe reißt. Eine raffiniert inszenierte Charakterstudie über die Mechanismen einer Sucht, mit einer platinblonden Jeanne Moreau in der Hauptrolle.
Donnerstag, 29.5. 21.15 Uhr
Samstag, 31.5. 19 Uhr
Les Parapluies de Cherbourg
Die Regenschirme von Cherbourg
Frankreich 1963, Jacques Demy; mit Catherine Deneuve, Nino Castelnuovo, Anne Vernon. 35mm, 91 Min., engl. Untertitel
Die Liebesgeschichte zwischen der Tochter einer Regenschirmverkäuferin und eines Autoschlossers. Er muss in den Algerienkrieg und lässt die Schwangere wartend in der regenreichsten Stadt Frankreichs zurück. Die gesungenen Dialoge, die Musik Michel Legrands und die farbenfrohen Bilder machten diesen Film zu Demys erstem großen Erfolg, der in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde.
Donnerstag, 5.6. 21.15 Uhr
Samstag, 7.6. 19 Uhr
Les Demoiselles de Rochefort Die Mädchen von Rochefort
Frankreich 1966, Jacques Demy; mit Catherine Deneuve, Françoise Dorléac, George Chakiris. 35mm, 120 Min., engl. Untertitel
Ein episodenhaft erzähltes Musical über die Träume und Erinnerungen einiger Menschen in der französischen Hafenstadt Rochefort. Zwei Schwestern schwärmen von der großen Liebe, ein Kaufmann möchte seine frühere Geliebte wieder finden und ein Matrose malt die Frau seiner Träume. Dank der Koproduktion mit einer amerikanischen Firma stand Demy erstmals ein beträchtliches Budget zur Verfügung und er konnte sich nicht nur alle seine Wünsche erfüllen, sondern auch sein Idol Gene Kelly für einen Gastauftritt engagieren.
Donnerstag, 12.6. 21.15 Uhr
Samstag, 14.6. 19 Uhr
Peau d’âne Eselshaut
Frankreich 1970, Jacques Demy; mit Catherine Deneuve, Jean Marais, Delphin Seyrig. 35mm, 89 Min., engl. Untertitel
Frei nach einem Märchen von Charles Perrault erzählt Demy die Geschichte von einem König, der nach dem Tod der Ehefrau seine eigene Tochter heiraten möchte. Diese folgt aber dem Rat einer Fee, flieht und versteckt sich unter einer Eselshaut, um unerkannt zu bleiben. Ein einfallsreicher Film voller prächtiger Kostüme, der nicht nur wegen Jean Marais in der Rolle des Königs an La Belle et la bête von Jean Cocteau erinnert.
Donnerstag, 19.6. 21.15 Uhr
Samstag, 21.6. 19 Uhr
Une chambre en ville Ein Zimmer in der Stadt
Frankreich 1982, Jacques Demy; mit Dominique Sanda, Michel Piccoli, Danielle Darrieux. 35mm, 95 Min., dt. Untertitel
Vor dem Hintergrund eines historischen Arbeitskampfs, der 1955 mit einiger Härte in Nantes ausgetragen wurde, drehte Demy noch einmal einen Film mit gesungenen Dialogen und Choreografien. Vor dem Hintergrund sozialer Gewalt entwickelt sich eine nicht weniger gewalttätige Liebesgeschichte. Mit Une chambre en ville konnte Demy 1982 endlich ein jahrzehntelang verfolgtes Projekt realisieren, das vielen als sein Meisterwerk gilt.
Donnerstag, 26.6. 21.15 Uhr