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03.11.2005
Deutschordensmuseum Bad Mergentheim - Klassische Moderne in der Sammlung Brabant
09.10.2005 - 19.02.2006
Malerei und Graphik der 20er und 30er Jahre. Sonderausstellung vom 9. Oktober 2005 bis 19. Februar 2006
„Uns Maler und Dichter verbinde mit den Armen eine heilige
Solidarität!“ forderte der für die Durchsetzung des Expressionismus
maßgebliche Maler und Graphiker Ludwig Meidner 1919 und gibt damit
einen kleinen Eindruck der politischen und gesellschaftlichen
Umwälzungen in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Ein breit
angelegtes Panorama der Kunst dieser Zeit zeigt eine Ausstellung mit
über 140 Kunstwerken des Spätimpressionismus, Expressionismus, der
Neuen Sachlichkeit und des Kritischen Realismus im Deutschordensmuseum
Bad Mergentheim.
Diese Zeit kann keineswegs mit dem Schlagwort von den „Goldenen
Zwanziger Jahren“ erfaßt werden. Es war eine Zeit des Ringens um eine
neue Gesellschaft und um eine neue Staatsform, die Weltwirtschaftskrise
hinterließ ihre Spuren, Massenbewegungen formierten sich. Diese
Entwicklungen wirkten auch auf die Kunst jener Zeit. Vor dem Ersten
Weltkrieg hatte sich die Klassische Moderne formiert, nach dem Krieg
erlebte sie in der Weimarer Republik eine breite Ausgestaltung ihrer
Tendenzen: Spätimpressionismus, Expressionismus, Kritischer Realismus
und Neue Sachlichkeit. Mit diesem Aufbruch in die Moderne setzte man
sich betont von akademischer und traditioneller Kunst ab. Künstler
fanden sich in Gruppierungen wie z. B. der Novembergruppe oder in der
Galerie Sturm um Hermann Walden zusammen, um ihren Anliegen größeren
Nachdruck zu verleihen. Besonders nach 1918 vertraten viele Künstler
auch politische und ideologische Interessen. Man kämpfte für
Kommunismus und Sozialismus und gegen Bo! urgeosie, Kapitalismus und
Massenproletarisierung.
Im Kritischen Realismus und der Neuen Sachlichkeit rückt das Leben der
„kleinen Leute“, der Halbwelt und des Proletariats ins Bild. Die
Schrecken des Krieges gebären eigene Bilderwelten. Otto Dix und George
Grosz schmähen und karikieren die verlogene Welt des Bürgertums. Aber
bereits in den 20er Jahren gab es organisierte Bewegungen gegen diese
Moderne. Das jähe Ende kam, als man im Hitlerstaat viele klassisch
Moderne als „entartete Künstler“ ächtete, sie wurden mit Berufs-, Mal-
und Ausstellungsverbot belegt. Viele dieser Künstler vergaß man
deswegen nach 1945, diese zum Teil „verschollene Generation“ kann man
in der Ausstellung wieder entdecken.
Den Ehrgeiz, diese künstlerisch äußerst vielfältige Zeit in seiner
Kunstsammlung aufscheinen zu lassen, hat sich der Sammler Frank Brabant
aus Wiesbaden in über 40 Jahren Sammeln erfüllt. Für die Ausstellung
wurden aus seinen etwa 400 Werke umfassenden Beständen rund 140 Gemälde
und Zeichnungen vornehmlich der deutschen Kunst aus den 20er und 30er
Jahren ausgewählt. Frank Brabant begann 1961 zu sammeln mit dem Erwerb
des Holzschnitts „Der Redner“ von Max Pechstein in der bekannten
Frankfurter Galerie Hanna Becker vom Rath. Durch diese Galeristin
konnte Frank Brabant viele Kontakte zu Künstlern der Klassischen
Moderne und deren Familien knüpfen. Werkgruppen von Künstlern wie
Alexej von Jawlensky, Max Beckmann, Karl Hofer, Georg Tappert, Ludwig
Meidner und Conrad Felixmüller setzen Schwerpunkte in der Sammlung
Brabants. Von Alexej von Jawlensky sind z. B. vier Porträts zu sehen,
die verschiedene Schaffensphasen des Künstlers dokumentieren und an
denen sich die Entwicklung vom Realismus über Impressionismus und
Expressionismus zur reduzierten Geometrie seiner berühmten
Gesichtsbilder ablesen lassen. Darüber hinaus finden sich Arbeiten
z.! B. von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Max Pechstein,
Karl Schmidt-Rotluff, Lyonel Feininger, Georg Schrimpf, Alexander
Kanoldt, Karl Hubbuch, Otto Dix und George Grosz.
Im Mittelpunkt vieler Bilder steht die menschliche Figur und das
Porträt, aber auch das bunte Leben in den Großstädten und die Umwelt
des Menschen in den Vorstädten und Dörfern sind Themen, an denen dem
Sammler besonders gelegen ist. Seine Kollektion gehört zu den wichtigen
deutschen Sammlungen figurativer Kunst auf Papier und Leinwand. Sie
dokumentiert in eindrucksvoller Weise die avantgardistischen
Kunsttendenzen vor allem des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts.
Die Ausstellung wird von der Kulturförderung der SV
SparkassenVersicherung und von der Landesbank Baden-Württemberg
unterstützt.
Ausstellungseröffnung am 8. Oktober 2005, 17.00 Uhr
November - März:
Dienstag - Samstag 14.00 - 17.00 Uhr
Sonntag und Feiertage 10.30 - 17.00 Uhr
April - Oktober:
Dienstag - Sonntag 10.30 - 17.00 Uhr
BEGLEITPROGRAMM
Der Sammler im Gespräch
Sonntag, 6. November 2005, 14.30 Uhr
Moderation: Museumsdirektorin Maike Trentin-Meyer
Vorträge
„Kunst in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg“
Mittwoch, 18. Januar 2006, 19.30 Uhr
Maike Trentin-Meyer M. A., Museumsdirektorin
„Contra Moderne - Kunst im Hitlerstaat“
Dienstag, 31. Januar 2006, 19.30 Uhr
Dr. Helmuth Zebhauser
Zum Internationalen Tag des Ehrenamts am 5. Dezember
Freier Eintritt für alle Ehrenamtlichen am Sonntag, den 4. Dezember 2005
VHS-Kurs „Klassische Moderne in der Sammlung Brabant“
Leitung: Heike Uibel M. A.
Mittwoch, 9. November 2005, 19.30 Uhr
Mittwoch, 16. November 2005, 19.30 Uhr
Mittwoch, 23. November 2005, 19.30 Uhr
Information und Anmeldung über die Volkshochschule Bad Mergentheim (07931/57-138)
Führungen
Sonntag, 9. Oktober 2005, 14.30 Uhr (Alice Ehrmann-Pösch)
Sonntag, 23. Oktober 2005, 14.30 Uhr (Barbara Schnirch)
Sonntag, 27. November 2005, 14.30 Uhr (Alice Ehrmann-Pösch)
Samstag, 10. Dezember 2005, 14.30 Uhr (Alice Ehrmann-Pösch)
Montag, 26. Dezember 2005, 14.30 Uhr (Alice Ehrmann-Pösch)
Sonntag, 1. Januar 2006, 14.30 Uhr (Barbara Schnirch)
Sonntag, 8. Januar 2006, 14.30 Uhr (Barbara Schnirch)
Samstag, 21. Januar 2006, 14.30 Uhr (Barbara Schnirch)
Sonntag, 5. Februar 2006, 14.30 Uhr (Alice Ehrmann-Pösch)
Sonntag, 19. Februar 2006, 14.30 Uhr (Barbara Schnirch)
Kinderprogramm
Donnerstag, 17. November 2005, 15.00 Uhr
Leseraupen Special „Malen“ für Kinder ab 5 Jahren
Dipl. Bibliothekarin Hannelore Hochbauer (in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei Bad Mergentheim)
Eintritt frei
Workshop „Jedes Kind ist ein Künstler!“
Für Kinder von 4 bis 8 Jahren:
Samstag, 29. Oktober 2005, 14.00 Uhr (Renate Kunze)
Samstag, 5. November 2005, 14.00 Uhr (Renate Kunze)
Donnerstag, 29. Dezember 2005, 14.00 Uhr (Christel Nowak)
Für Kinder von 8 bis 12 Jahren:
Freitag, 4. November 2005, 10.30 Uhr (Alice Ehrmann-Pösch)
Mittwoch, 28. Dezember 2005, 10.30 Uhr (Alice Ehrmann-Pösch)
Samstag, 11. Februar 2006, 14.00 Uhr (Christel Nowak)
Führungen für Kinder und Erwachsene auch nach Vereinbarung unter 07931/52212
Deutschordensmuseum GmbH
Schloß 16
97980 Bad Mergentheim
Tel: 07931/52212
Fax: 07931/52669
www.deutschordensmuseum.de
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