13.09.2006
Baubranche im Lande spürt nach langer Durststrecke Belebung
Die jahrelange Durststrecke der Baubranche im Südwesten ist vorbei. Erstmals seit elf Jahren konnte der Fachverband Bau am Mittwoch eine positive Halbjahres-Bilanz ziehen. Die Auftragseingänge lagen im Südwesten um 14,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Bei den Umsätzen führte die gestiegene Baunachfrage zu einem Plus von 10,7 Prozent. «Endlich sind die Auftragsbücher unserer Firmen wieder besser gefüllt. Es ist ein deutlicher Aufwärtstrend zu spüren, und zwar in allen Bausparten», sagte Verbandschef Horst Köhler.
Getragen wurde der Aufschwung von allen Bereichen der Baubranche. Im wichtigen Wohnungsbau legten die Aufträge in den ersten sechs Monaten um 12,8 Prozent zu. Auch der Wirtschaftsbau verzeichnete mit einem Plus von 9,3 Prozent Zuwächse. Erholt zeigte sich zudem der Öffentliche Bau. Die Erlöse in dieser Sparte wuchsen per Ende Juni um 9,4 Prozent, die Aufträge legten sogar um 22,5 Prozent zu. Dabei sei vor allem im Straßenbau die Nachfrage nach oben gegangen, sagte Köhler.
Allerdings warnte der Bauverbandschef vor einer allgemeinen Euphorie. Im Juni habe sich die gute Entwicklung bereits wieder abgeschwächt. Die angekündigte Erhöhung der Mehrwertsteuer habe zu Vorzieheffekten geführt. «Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den nächsten Monaten entwickelt. Wir rechnen eher mit einem Abflauen der Nachfrage. Gemessen an den Vorjahren haben wir aber noch immer ein hohes Niveau», meinte Köhler. Bis zum Jahresende erwartet der Branchenverband immerhin ein Umsatzplus von zwei bis drei Prozent. Die Beschäftigungssituation beim Bau habe sich mit 81 181 Mitarbeitern (minus 2,4 Prozent) etwas stabilisiert.
Kritisch sieht die Bauwirtschaft die mittelfristige Wohnraumversorgung im Land. Obwohl die Zahl der Einwohner steige, werde immer weniger Wohnraum geschaffen. Köhler forderte die Anerkennung der Bildung von Wohneigentum als gleichwertige Alternative zur privaten Altersvorsorge.