02.-10.08.2008
Obwohl er in die 11. Runde geht, bleibt der Ettlinger Wettbewerb für junge Pianisten nicht nur einer der größten und internationalsten, er ist der „Trendsetter“, brachte es der Organisationsleiter Frank Reich auf den Punkt.
Professor Robert Benz, der Vorsitzende des Wettbewerbs bekräftigte dies mit der Anmerkung, dass „wir mit der Wahl unsrer Preisträger gut gelegen sind, denn sie erspielten sich in weiteren Wettbewerben die ersten Plätze. Und Oberbürgermeisterin Gabriela Büssemaker machte auf der Pressekonferenz im Konferenzsaal der Sparkasse deutlich, dass dieser Wettbewerb den Ruf der Stadt nach draußen trage, dass er ein Wirtschaftsfaktor sei. Kommen doch rund 300 Personen aus allen Herren Länder in die Stadt an der Alb und lassen hier auch Geld.
233 Anmeldungen aus 41 Nationen gab es für den Internationalen Wettbewerb für junge Pianisten. Anhand der eingereichten Tonaufnahmen wurden 113 Bewerber/-innen ausgewählt. Außer dem Geburtsjahr weiß die hochkarätige besetzte Jury nichts, weder welches Geschlecht noch aus welchem Land der-/diejenige kommt. Erstmals ist eine Anmeldung von Mexiko dabei, stark vertreten sind wieder traditionell China und Japan, aber auch die Zahl der Bewerber aus Deutschland hat stark zugenommen, darunter zwei junge Pianisten von der Karlsruher Musikhochschule. Dadurch bekommt der Wettbewerb auch regional eine gewisse Farbe, merkten Reich und Benz an. Die Leistungen dieser „Vorrunde“, die im Mai über die Bühne ging, seien außerordentlich, die Qualität könne sich noch in diesen zwei Monaten gesteigert haben, erklärte Benz. Mit Blick auf Sparkassendirektor Kurt Rössler hob Robert Benz besonders das Engagement der Sparkasse heraus, die von Anfang für tatkräftige und finanzielle Unterstützung sorgt. Aber auch der Stadt dankte er, seinem Organisationsleiter Frank Reich und ganz besonders den Gastfamilien.
50 Familien haben wieder ihre Wohnungstüren weit geöffnet für diesen musikalischen Nachwuchs und 70 Ehrenamtliche Helfer, darunter sogar eine Zwölfjährige und zwei ehemalige Preisträgerinnen, werden den jungen Adepten den Weg zu den Wertungsspielen im Asamsaal weisen, ihnen erklärten, wo, was, wie in Ettlingen liegt. Ohne diesen selbstlosen Einsatz wäre dies organisatorisch nicht so reibungslos zu gestalten, unterstrich die OB, die speziell diesen Helfern dankte wie auch der Jury.
Seit dem Jubiläumswettbewerb 2006 gibt es bei der Jury ein Wechselspiel, die sich dadurch verjüngt. Neu dabei Andrea Botta, André Marchand und Gitti Pirner, Daejin Kim und Ewa Poblocka waren 2006 schon dabei und von Anbeginn Mitglieder der Jury sind Renate Kretschmar-Fischer, Martin Canin und Christopher Elton.
Neu in diesem Jahr ist ein Café im Gewölbekeller der Musikschule. Damit möchte man jenen entgegenkommen, die nicht so viel Geld haben, dort wird es Kuchen und Erfrischungsgetränke geben, und andererseits will man damit ein Treffpunkt schaffen für Schüler und Lehrer.
Zehn Hauptpreise im Gesamtwert von rund 17 000 Euro sowie zahlreiche Sonderpreise werden an diese Nachwuchspianisten verliehen. Dem bzw. der Preisträger/-in der Altersklasse bis 20 Jahre winken darüber hinaus Einladungen zu einem Klavierkonzert in Ettlingen sowie zu Konzerten in weiteren Städten darunter ein Orchesterkonzert mit der Baden-Badener Philharmonie sowie ein Konzert auf dem Klavierfestival in Saint Etienne.
Mit den Wertungsspielen beginnen die Älteren (Alterskategorie B bis 20 Jahre) am Samstag, 2. August bis Mittwoch, 6. August, am Donnerstag 7. August öffnet sich dann der Reigen für die Jüngeren (Alterskategorie A bis 15 Jahre) bis zum Samstag 9. August. Eine Ettlinger Spezialität bei der Auswahl der Stücke für die Alterskategorie B ist, dass neben einem Bachstück ein Satz aus einer Haydnsonate gespielt wird. An diesem Pflichtstück von Haydn lasse sich sehr gut ablesen, was jemand pianistisch drauf habe, erklärte Benz. Die jungen Tastenkünstler spielen sich auf rund 28 Klavieren in der Musikschule warm. Krönender Schlusspunkt ist dann wieder das Preisträgerkonzert am Sonntag, 10. August um 11 Uhr in der Stadthalle.
Jedoch ohne das finanzielle Engagement der Sparkasse wäre der gesamte Wettbewerb nicht möglich. Bei 100 000 Euro liegt das Sponsoring der Sparkasse, im städtischen Haushalt sind rund 60 000 Euro eingestellt. Wir sind regional aufgestellt, hob Rössler heraus, der auch klar machte, wir ziehen uns aus dem Sponsoring nicht zurück, denn der Wettbewerb habe einen Werbeeffekt. Man spricht noch Wochen und Monaten darüber.
Stadtgespräch war das Jubiläumskonzert im vergangenen Jahr mit Lise de la Salle, Boris Giltburg und dem „Teufelpianisten“ Lang Lang, der dereinst wie die beiden anderen Preisträger war in Ettlingen und heute, heute spielen sie alle auf den großen Bühnen dieser Welt.
Öffentliche Wertungsspiele
Die öffentlichen Wertungsspiele für die Kategorie B (bis 20 Jahre) gehen von Samstag, 2. August bis Mittwoch, 6. August, für die jüngeren (Alterskategorie A (bis 15 Jahre) sind von Donnerstag, 7. August bis Samstag, 9. August.
täglich von 9.30 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr, mittwochs 9.30 bis 13 Uhr im Asamsaal bei freiem Eintritt.
Die Jury
Künstlerischer Leiter des Wettbewerbs ist Professor Robert Benz, der u.a. bei Professor Taneda und Martin Canin an der Juilliard School in New York studierte. Er hat den gesamten Zyklus der Klaviersonaten Beethovens auf CD eingespielt und ist seit 1990 Professor für Klavier an der Staatlichen Hochschule für Musik in Mannheim.
Andrea Botta war künstlerischer Leiter des Internationalen Klavierwettbewerbs Feruccio Busoni“ in Bozen, sein Buch über Brahms Klavierwerk gilt als Standardwerk.
Martin Canin wurde nach seinem Studium an der Juilliard School bei Rosina Lhevinne deren Nachfolger. Neben einer intensiven Konzerttägikeit ist er Leiter von Meisterkursen als Jurymitglied international sowie als Autor tätig.
Christopher Elton ist seit 2003 Professor an der University of London, darüber hinaus wirkt er als Jurymitglied in internationalen Wettbewerben, bei Musikfestivals und er konzertiert u.a. in Europa, USA und Australien.
Daejin Kim hat 2000 an einem Tag alle Klavierkonzerte Beethovens aufgeführt. Zwei Jahre später wurde er zum herausragendsten Pianisten in Korea geehrt. Zurzeit hat er eine Professur an der Korean National University of Arts und er ist Jurymitglied bedeutender internationaler Wettbewerbe.
Renate Kretschmar-Fischer unterrichtete an der Hochschule für Musik Detmold, sie ist Leiterin von Meisterkursen in verschiedenen Ländern sowie Jurymitglied bei internationalen Wettbewerben.
André Marchand war Mitglied des Dresdner Kreuzchores und wurde mit 30 Jahren Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik Freiburg, heute ist er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, Stuttgart.
Gitti Pirner gab ihr Debüt als Achtjährige, sie konzertierte mit Dirigenten wie Celibidache und Welser-Möst. An der Hochschule für Musik und Theater München ist sie Professorin.
Ewa Poblocka konzertierte u.a. mit dem London Symphoniy Orchestera und der polnischen Nationalphilharmonie Warschau. Für ihre Gesamteinspielung der Nocturnes von Field erhielt sie die John-Field-Medaille. Poblocka ist auf dem Feld der Kammermusik aktiv.
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