25.-27.01.2008
Bücher, Manuskripte und Grafiken aus mehreren Jahrhunderten wechseln auf der 46. Stuttgarter Antiquariatsmesse vom 26. bis 28. Januar wieder den Besitzer. 84 Aussteller aus dem In- und Ausland bieten die Raritäten im Württembergischen Kunstverein an.
Wer die Stuttgarter Antiquariatsmesse besucht, darf sich auf eine Fülle von Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucken freuen, die sonst nur selten zu betrachten, geschweige denn im Angebot sind. Stuttgart ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Marktplatz für wertvolle alte Drucke und mittelalterliche Handschriften. Der Reiz der Messe mag genau darin liegen, dass dieses Angebot auf höchstem Niveau, bereichert durch eine erlesene Auswahl moderner Literatur und Graphik, Autographen, Naturwissenschaften, Geographica und Kuriosa, das breiteste Spektrum von Buch- und Druckkunst repräsentiert. Wer als Sammler und Händler nach Stuttgart kommt, dem öffnet sich die ganze Welt der Bibliophilie.
Mit illuminierten Handschriften des Mittelalters warten Dr. Jörn Günther aus Hamburg und Heribert Tenschert aus Ramsen und Rotthalmünster auf. Glanzlicht bei Dr. Jörn Günther ist ein Missale Romanum, eine Handschrift auf Pergament um 1335, illuminiert von der Werkstatt des Cristoforo Orimina (420.000 €). Auftraggeber des fulminanten Werkes, darauf weisen die Wappen auf dem Frontispiz und der Miniatur hin, war Angelo del Monte Acciaiuoli, der 1349 als Reichskanzler nach Neapel berufen und 1355 von Papst Innozenz IV. zum Bischof von Montecassino ernannt wurde. Die erst kürzlich entdeckte
Missalehandschrift, illuminiert von einem bislang anonymen Buchmaler, ist ein Meilenstein für die Erforschung der neapolitanischen Buchmalerei. Heribert Tenschert beeindruckt mit kostbaren Stundenbüchern. Die Epistres et Evangiles der Françoise d’Alençon in der Übersetzung des Jean de Vignay um 1390 zieren wundervolle Miniaturen Jean de Nizières und stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus königlichem Besitz (290.000 €). Das Stundenbuch der Jeanne Robert vom für das Pariser Handschriftenwesen so bedeutenden Gaguin-Meister, in der Seine-Metropole um 1500 entstanden, ist mit seinen leuchtend schönen Miniaturen von ungewöhnlichem ästhetischem Reiz (228.000 €).
Das Baseler Erasmushaus offeriert in der ersten und einzigen Ausgabe eine der schönsten und seltensten Inkunabeln: Stephan Fridolins Schatzbehalter der wahren Reichtümer des Heils (127.000 €) wurde 1491 in Nürnberg bei Anton Koberger in nur 150 Exemplaren gedruckt und gehört mit den 96 ganzseitigen Holzschnitten des Nürnberger Malers Michael Wolgemut und seines Stiefsohnes Wilhelm Pleydenwurff zu den Höhepunkten der Holzschnittkunst im 15. Jahrhundert. Die von Peter Schöffer 1478 gedruckte Expositio super toto psalterio des Johannes de Turrecremata mit der berühmten ersten Drucker- und Verlegermarke Schöffers ist eines der Highlights bei Rolf Schwing (12.000 €). Unter den besonderen Einbänden, die der Heidelberger Antiquar in diesem Jahr mit nach Stuttgart bringt, sticht ein bemalter und gepunzter Ledereinband über Holzdeckeln aus der Dombibliothek Gurk heraus. Der außergewöhnliche Einbandbezug, datiert 1582 und 1676, stammt von einer in Grün, Rot, Gold und Silber ausgemalten Ledertapete mit stilisierten Blumen und Vögeln (2.800 €).
Am Stand von Reiss & Sohn faszinieren ein Prachteinband und ein Album amicorum. Die bei Rihel in Straßburg gedruckte Biblia germanica von 1561 ist in einem zeitgenössischen Lederband gebunden, der auf dem Vorderdeckel mit geprägter Platte eine in Gold und mehreren Farben ausgemalte Darstellung von Jael und Sisera aufweist (14.500 €). Das Stammbuch für Johann Michael Heuss, datiert Wittenberg 1557 bis 1558, enthält 6 feine, in
kräftigen Farben ausgeführte Aquarelle eines unbekanntes Künstlers mit dem Monogramm DH, die sechs der sieben freien Künste darstellen (19.500 €). Jörg Wickrams Rollwagen ist der Spitzentitel im Angebot des Frankfurter Antiquariats Tresor am Römer (8.400 €). Die von Reffler für Schwartzenberger und Feyerabend gedruckte Ausgabe aus dem Jahre 1574 stellt eine „den Bibliographen unbekannte Ausgabe“ des Schwankbuches dar und war wohl, das legen die handschriftlich ergänzten Blätter nahe, das Referenzexempar, das Hayn/Gotendorf für ihre Bibliotheca Germanorum Erotica et Curiosa verwendeten.
Müller & Gräff präsentieren einen der bekanntesten und sehr geschätzten Frühdrucke, Sebastian Münsters Cosmographey in der deutschen Ausgabe von 1598 (12.000 €), und dazu eine regionalhistorische Rarität: Des Fürstenthumbs Würtemberg gemein Landrecht von 1591 (4.000 €). Die erste und einzige Ausgabe der Imagines Professorum Tubingensium des Erhard Cellius gelten wegen der zahlreichen Holzschnittporträts als wichtiges Dokument für die Universitätsgeschichte. Zugleich war Cellius einer der ersten Drucker Tübingens, aus dessen Werkstatt unter anderem der spätere Cotta-Verlag hervorging (7.500 €). Das seltene Werk zählt neben Athanasius Kirchers Magnes sive de arte magnetica in der dritten und besten Ausgabe von 1654 zu den Spitzenangeboten des Stuttgarter Antiquariates (7.800 €).
Ausnahmeerscheinungen im Antiquariatshandel sind barocke Thesenblätter. Diese wurden in nur geringen Auflagen gedruckt und kunstvoll illustriert, weshalb sie heute zumeist als Unikate gelten. Das Theologische Thesenblatt von St. Lambrecht in der Steiermark, als Schabkunstblatt 1746 mit verschiedenen Ansichten, Porträts und allegorischen Darstellungen gestochen, ist eine solche Seltenheit und wird von Meindl & Sulzmann auf 4.800 € taxiert. Nicht minder rar sind so genannte Fore-Edge Paintings, auf den Vorderschnitt eines Buches filigran aufgemalte Motive, die dem Betrachter erst sichtbar werden, sobald er den Schnitt mit den Fingern sacht zur Seite biegt. Die von Patzer & Trenkle angebotenen Elegant Extracts ... from the Most Eminent British Poets sind mit solchen Fore-Edge Paintings geschmückt, die in verschiedenen Ansichten eine Rheinreise vom Bodensee bis Bonn illustrieren (6.800 €).
Ergänzt wird das sich wie gewohnt auf höchstem Niveau bewegende Angebot durch Graphiken alter und neuer Meister, Meisterwerke der Buchkunst des 20. Jahrhunderts, Autographen und ganze Sammlungen, prachtvolle naturkundliche Studien und abenteuerliche Reisebeschreibungen. So spannt sich auch in diesem Jahr wieder der Bogen weit für alle Sammler und Händler, die nach Stuttgart anreisen. Er reicht von den mittelalterlichen Handschriften über die Zeugnisse des frühen Buchdrucks bis in die Moderne, von der hohen Literatur bis zum Kinderbuch, vom ältesten und teuersten bis zum kleinsten und nicht minder wertvollen Exponat.
Ein breites Spektrum an Kinder- und Bilderbüchernbringt Andrea van der Osten nach Stuttgart, von denen die Gemeinschaftsarbeit Lothar Meggendorfers mit Richard Schmidt-Cabanis eines der schönsten und originellsten darstellt. In Allerlei nette Pflanzen macht Meggendorfer aus den Pflanzen kleine Mischwesen, bei denen offen bleibt, ob sie als Blumen in Menschengestalt oder als Menschen in Blumengestalt erscheinen (750 €). Beim Blick auf den „Großen Ball bei Petersiliens“ mag der Sammler selbst entscheiden – aber er wird diese Entscheidung vermutlich schnell treffen müssen, denn das Meggendorfer-Bilderbuch ist heiß begehrt. Sabine Keune schließlich, die sich neben den Kinderbüchern auch den Pop-up-Books und den Miniaturbüchern verschrieben hat, bietet eines der berühmtesten Kleinstwerke dieser Art an, das über 220 Jahre für das kleinste Buch aller Zeiten gehalten wurde: C. van Langes Bloemhofje, 1674 in Amsterdam erschienen und in goldgeprägtes rotes Leder mit 2
Metallschließen gebunden, misst gerade einmal 13 mal 9 Millimeter (7.400 €).
Die 46. Stuttgarter Antiquariatsmesse findet vom 26. bis zum 28. Januar 2007 wie gewohnt im Württembergischen Kunstverein (Schloßplatz 2) statt.
Den Messekatalog können Sie ebenso wie das zeitgleich erschienene neue Handbuch 2007/2008 des Verbands Deutscher Antiquare e.V. via E-Mail unter buch@antiquare.de vorbestellen oder auf dieser Internetseite ansehen.
Öffnungszeiten:
Freitag 11 Uhr bis 19.30 Uhr
Samstag 11 Uhr bis 18 Uhr
Sonntag 11 Uhr bis 18 Uhr
www.antiquare.de/de/stuttgarter_messe.asp
Startseite -
Archiv -
Top-Tipps -
Wir über uns -
Artikel veröffentlichen -
Werbung -
Newsletter -
Hotels -
Tickets -
Routenplaner -
Adressen-Suche -
Suchhilfe Artikel -
Suchhilfe Adressen -
Aktuelle Artikel -
Impressum
Die 20 aktuellsten Artikel bei click2day:
Vitaculture - Ermässigungen im Elsass
Römische Badruinen - Baden-Baden Museum antiker Badkultur
Burg Landeck Fest 2008 - Klingenmünster / Pfalz
Glückliche Menschen leben länger - Landespsychologentag in Stuttgart
Wenn das Deo die Haut reizt
Formel für die optimale Absatzhöhe
Ihr Coach - Hans-Peter Merkel
Der Blumenladen in Speyer
8. Afrika-Fest - Juni 2008 - Freudenstadt
Villa Visconti in Bietigheim-Bissingen
Aromaöle und ihre Verwendung
Hafenkulturfest - Juni 2008 - Karlsruhe
Fest der Innenhöfe und Museumsnächte - Juni 2008 - Freiburg
20. Vogtsburger Kunst- und Kunsthandwerkstage - Vogtsburg
Skulpturenpark - Wörth
Schlemmer-Brunch - Beim Schupi - d'Badisch Bühn
Beim Schupi - Die "Groove" live aus dem Wohnzimmer
Sommerkino im Biergarten - Beim Schupi - Karlsruhe
Die Jagd nach dem Zylinder - Pfundtners Bauerntheater - Beim Schupi - Karlsruhe