CineLatino hat sich in seinem vierzehnjährigen Bestehen zum wichtigsten
Forum für lateinamerikanische Filmkultur in Deutschland entwickelt und
findet als einziges Festival fast zeitgleich in fünf deutschen Städten
statt. Das Festival ist ein großer Publikumserfolg, was jährlich
wachsende Zuschauerzahlen verdeutlichen: Im letzten Jahr kamen mehr als
15.000 Besucher.
In Tübingen und Stuttgart zeigt CineEspañol die europäische Brücke zum
lateinamerikanischen Film: das vielfältige spanische Filmschaffen mit
experimentier-freudigen Dokumentarfilmen und sozialen, aber auch
skurrilen Spielfilmen. Eine umfangreichen Kurzfilmschau präsentiert die
Preisträger des bedeutendsten Kurzfilmfestes in Spanien „Alcine“ und
die frühen Kurzen von Javier Fesser. Der Eröffnungsfilm „7 vírgenes“
von Nachwuchsregisseur Alberto Rodríguez zeigt großartige, in San
Sebastián prämierte Schauspielkunst.
Samba, Fußball und Filme: Brasilien ist ein Land der großen
Widersprüche und zählt neben Argentinien und Mexiko zu den wichtigsten
und innovativsten Kinoländern Lateinamerikas. Der Länderschwerpunkt
zeigt mit Spiel- und Dokumentarfilmen ein breites Spektrum der
Realitäten dieses riesigen Landes: die harten Auswirkung der
gesellschaftlichen Veränderungen bis hin zu den ursprünglichen
Traditionen. Was „City of God“, der Publikumserfolg des CineLatino
2003, nicht erzählte, zeigt „Quase dois irmãos“ von Lúcia Murat. Ein
Drama über zwei Freunde unterschiedlicher sozialer Herkunft, das nicht
nur die Gewalt themasiert, sondern ihre Ursachen sucht, ausgezeichnet
mit dem Publikums- und beste Regie-Preis beim argentinischen Festival
Mar del Plata. Einem wichtigen Vertreter des unabhängigen
brasilianischen Filmschaffens gilt die Werkschau: Paulo Sacramento,
kompromissloser Regisseur, Produzent und Cutter wird mit drei Filmen
vorgestellt: Mit “O prisioneiro da grade de ferro“ gelingt es ihm,
einen tiefgründigen Blick auf die brasilianische Lebenswelt hinter
Gittern zu werfen, bei dem die Sträflinge selbst ihren Alltag drehten.
„Quanto vale ou é por quilo“ und „Amarelo Mango“ ergänzen den Überblick
über sein Werk.
Ergänzend findet die Studium Generale Vorlesungsreihe der Universität
Tübingen zum Thema „Brasilien – Deutschland: Literarische und
wissenschaftliche Beiträge zum gegenseitigen Bild“ statt mit Vorträgen
über wechselseitige Spiegelungen in Literatur, Biologie, Geographie und
Politik.
Der Schwerpunkt Migration thematisiert mit vier Filmen die
verschiedenen Aspekte diese Massenphänomens: von der Schwierigkeit der
Immigration in die USA, gelungener Integration am Beispiel mehrerer
Generationen bis hin zum Wunsch nach Rückkehr. In Zusammenarbeit mit
mehreren Deutsch-Amerikanischen Instituten.
Weitere filmische Highlights: Der umstrittenste Film des Festivals
kommt aus Mexiko. „Batalla en el cielo“ von Carlos Reygadas, der
bereits mit „Japón“ einen wegweisenden Film drehte. Aus Argentinien
kommt „El viento“ von Eduardo Mignogna, der 64 Jahre lang mit der Idee
für diesen Film über Identität, Schuld und Gerechtigkeit schwanger
ging. Hevorragende Dokumentarfilme wie „Estamira“ von Marcos Prado, in
Marseille ausgezeichnet und „El cielo gira“ von Mercedes Álvarez runden
das Programm ab.
Als Gäste werden der Altmeister des kubanischen Kinos, Huberto Solás,
erwartet, der seinen neuen Film „Barrio Cuba“ über Menschen in Havanna
vorstellen wird. Aus Venezuela kommt die seit 1977 aktive Filmemacherin
Solveig Hoogesteijn und Paulo Sacramento wird seine Werkschau
persönlich vorstellen. Georgina Garcia Riedel wird zum Schwerpunkt
Migration ihren Film „How the Garcia Girls spent their summer“
präsentieren.
Das Festival wird von der Arbeitsgemeinschaft CineLatino (bestehend aus
den Filmtagen Tübingen und der Deutsch-Brasilianischen
Kulturgesellschaft) in Zusammenarbeit mit dem Aktionszentrum Arme Welt
Tübingen, dem Club Voltaire Tübingen, dem Dachverband der
Lateinamerikanischen Vereine Stuttgart, dem Medienforum Heidelberg
e.V., dem deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main und dem Kommunalen
Kino in Freiburg veranstaltet.