15.01.2008
Mittagsmenu - Zum Ochsen - Karlsruhe
ab 01.02.2008
Mise en bouche
*****
Rote Bete Tartar mit Wallnuss-Vinegraitte
Gebratene Kaninchen-Leber
*****
Geröstete Kaninchenkeule mit Parmesan überbacken
Kenia-Bohnen und eingelegte Tomaten
*****
Mandarinen-Kompott
geeister Joghurtcrème und Schokoladen-Sorbet
*
Mignardises
Anita Jollit muss nicht lange in ihrem Gedächtnis kramen. "Ja, doch, einmal habe ich einen Kochkurs besucht, und zwar ein Saucen-Seminar. Das war dann auch gleich bei Deutschlands erster Adresse, bei Harals Wolfahrt in der "Schwarzwaldstube" in Baiersbronn.
Aber sonst?
Die üblichen Lehr- und Wanderjahre bei den bekannten Küchenmeistern und
den grossen Namen der Feinschmeckerei? Fehlanzeige auf alle diese
Fragen. Anita Jollit schüttelt den Kopf.
"Nein, ich bin Autodidaktin. Und das Saucenseminar habe ich auch nur
besucht, um zu überprüfen, ob ich auch alles richtig mache und weniger,
um zu lernen."
Da blitzen ihre lebhaften Augen gleich nochmal eine Spur
selbstbewusster. Die Episode mit dem Saucen-Semiar war 1989. Anita
Jollit ist damals beruhigt aus dem hohen Schwarzwald wieder hinunter
ins Rheintal nach Durlach zurückgefahren, um sich mit frisch poliertem
Selbstvertrauen wieder an den eigenen Herd zu stellen. Denn spätestens
da wusste sie, dass sie auf dem richtigen Weg war.
Schon bald schlug sich ihre ebenso bravuröse wie authentische Küchenleistung auch in den Restaurant-Führern nieder.
Den Stern im Guide Michelin verteidigt sie seither so souverän wie
gelassen. Eine Karriere wie die von Anita Jollit ist in Deutschland
noch
immer eine absolute Ausnahme. Frauen an der Spitze von
Gourmet-Restaurants sind hierzulande - ganz anders etwa wie in Italien
- eine Seltenheit, und für eine Autodidaktin gilt dies umso mehr.
Der Start als Köchin vor nunmehr über 20 Jahren war für sie alles
andere als einfach. In England und Frankreich hatte sie im
Hotelmanagement gearbeitet und bei der Familie ihres Ehemannes Gérard
die französischen Tafelfreuden kennen und schätzen gelernt.
Schliesslich aber war der Wunsch ihres Vaters, dass sie sich doch
endlich um den elterlichen "Ochsen" kümmern soll, so drängend,
dass sie zurück nach Hause musste.
Der "Ochsen" hatte dank preisgünstiger und üppig bemessener
Portionen von Kraut und Rippchen damals einen guten Ruf als grundsolide
Wirtschaft. Anita Jollit mit ihren kulinarischen Frankreich-Erfahrungen
aber wollte dann doch ein bisschen mehr und im badischen Durlach neben
den altbekannten deftigen Speisen zumindest einen Hauch von Grande
Cuisine heimisch machen. Diese Mischung ging zunächst gründlich
daneben. Die Stammgäste blieben weg und neue Kundschaft war kaum
anzulocken. Als dann auch noch einer ihrer Köche von heute auf morgen
"Adieu" sagte. musste sie einspringen.
"Dabei merkte ich sehr schnell, dass ich mit dem Kochen zurecht kam.
Dann fing ich an, wie eine Besessene Kochbücher zu studieren, ich habe
ständig neues ausprobiert. Ich stand fast jeden Tag und jede Nacht am
Herd und experimentierte."
Der Wirtstochter half ihr treffsicherer Geschmack und ihr
untrügliches Gespür dafür, welche Zutaten und Gewürze harmonieren.
Ihren Beginn als Köchin beschreibt die Karlsruherin mit einem Bonmot:
"Ich kochte aus dem Buch und aus dem Bauch heraus".
Nun gab es kein Zurück mehr: Rippchen mit Kraut wurden endgültig
von der Karte gestrichen. Stattdessen serviert sie seitdem eine
anspruchsvolle badische Küche mit - der Schwiegermutter und dem Ehemann
aus Frankreich sei Dank - deutlichen französischen Akzenten. Klare
mediterrane Aromen, frische Kräuter und dazu Beilagen, die mit ihrem
eigenständigen Charakter zur Komposition beitragen, sind das
Grundgerüst ihrer Küche.
Und sie liebt eindeutige Aussagen mit nicht zuviel, dafür aber
klaren Aromen auf dem Teller. Kräftiger trüffelbauch zur Taube, mildes
Rahmsauerkraut zum saftigen Zander, herzhaft abgeschmeckter Wirsing zum
aromatischen Fleisch und der zart-rosa Entenbrust. Und bei der äusserst
aparten Komposition von Gänseleber mit Kumquats spielen diese beiden
Zutaten die Hauptrolle - der Portwein, der die Leber würzt, verbindet
beides nur, ohne selbst aufzutrumpfen.
Auch dem Restaurant hat sie ein neues Gesicht gegeben.
Es wurde umgebaut und dabei nicht etwas vergrössert, sondern von
ursprünglich 80 auf 50 Sitzplätze verkleinert. Lieber weniger und
perfekt, als zu vieles nur mittelmässig - diese Devise gilt für sie
überall. Gemeinsam mit Ehemann Gérard gestaltet sie die saisonal
wechselnde Speisekarte. Ich denke mir etwas aus, aber erst wenn es
Gérards Segen hat, kommt es auf die Karte.
Der Patron ist nicht nur bewährter Testesser. Weinliebhaber
Gérard Jollit sucht auch gleich nach einenm Tropfen, der mit einem
neuen Gericht harmoniert. Auswahl bietet der Weinkeller des "Ochsen"
reichlich, denn Gérard Jollit und sein elsässischer Sommelier Serge
Schwentzel haben eine Weinkarte mit fast tausend Positionen
zusammengestellt. Sie wurde mit dem "Best Award of Excellence" der
amerikanischen Fachzeitschrift "Wine-Spectator" ausgezeichnet.
Ganz und gar aussergewöhnlich an diesem Angebot ist jedoch nicht die schiere Menge, sondern vielmehr folgendes:
Fast alle Weine bis hinauf in die Preiskategorie von etwa 200
Euro pro Flasche, kann man auch glasweise bestellen. Für ein 0,1
Liter-Glas wird dann jeweils ein Sechstel des Flaschenpreises
berechnet. Für den Gast ist dieses Angebot geradezu traumhaft. Man kann
sich nicht nur für jeden Gang seinen Lieblingswein ausssuchen, sondern
sich auch mal einen Schluck aus einer Bouteille gönnen, die als ganze
Flasche sonst das persönliche Budget sprengen würde.
Wer diese Möglichkeit einmal in Ruhe genossen hat, kann die
selbst in der Spitzengastronomie nach wie vor weit verbreitete Unsitte,
glasweise nur harmlose Weinchen auszuschenken, nur noch als ärgerlich
und kundenunfreundlich ansehen.
Die anfängliche Befürchtung übrigens, Abend für Abend auf teuren,
nur halb geleerten Weinflaschen sitzen zu bleiben, hat sich schnell als
unbegründet herausgestellt. Zum einen hat der ebenso sachkundige wie
charmante Sommelier Schwentzel keinerlei Probleme, auch andere Gäste
für einen Schluck aus einer geöffneten Flasche zu begeistern. Und wenn
wirklich mal etwas übrig bleibt, dann kann sich Schwentzel selbst ein
Bild vom Reifegrad des Weines machen.
"Durch dieses System werden bei uns viel mehr wertvolle Flaschen
geöffnet als in anderen Restaurants, und deshalb bin ich über den
Zustand der meisten Weine immer aktuell auf dem Laufenden. Das heisst:
ich kann den Gast aus eigener Erfahrung beim Wein immer optimal
beraten."
Zum Ochsen
Anita und Gérard Jollit
Pfinzstr. 64
76227 Karlsruhe - Durlach