02.03.2006
Karl Friedrich, Markgraf, Kurfürst und Grossherzog (1728-1811)
Karl Friedrich erlebte während seiner 65jährigen Regierungszeit den
Zusammenfall der beiden badischen Markgrafschaften nach dem Aussterben
der katholischen Linie Baden-Baden im Jahre 1771, sowie den Aufstieg
zurm Kurfürstentum 1803 und Grossherzogtum 1806, verbunden mit
erheblichen Gebietserweiterungen und Bevölkerungszuwachs. Seine letzten
Regierungsjahre waren überschattet von den Belastungen, die das Land
durch die Kriegskontributionen an Frankreich zu leisten hatte. Die
Rangerhöhung verlangte ihren Preis.
Ende des 18. Jahrhunderts zählte Friedrich zu den aufgeklärtesten
Monarchen seiner Zeit. Als einer der ersten schaffte er in Baden die
Leibeigenschaft ab (1783), mehr als 15 Jahre früher schon die Folter.
Er förderte Landwirtschaft und Gewerbe und versuchte das System der
Physiokraten, deren bedeutendste Vertreter er in Paris kennengelernt
hatte und mit denen er in Verbindung blieb, anzuwenden.
Er galt als
Nestor der deutschen Fürsten. Sein Land wurde durch einen gut
organisierten Beamtenapparat verwaltet. Bei den Verhandlungen um
Gebietszuwachs konnte er sich auf ausgezeichnete Minister verlassen.
Allerdings war Baden in seinen letzten Lebensjahren durch
Misswirtschaft stark geschädigt und finanziell ruiniert.
Der an
Gedächtnisschwund leidende Fürst war kaum noch regierungsfähig, sodass
1810 sein Enkel Karl zum Mitregenten erklärt wurde.
In erster Ehe war Karl Friedrich verheiratet mit Karoline Louise,
Landgräfin von Hessen-darmstadt (1823-1783). Aus dieser Ehe gingen drei
Söhne hervor, von denen der älteste, der Vater des Erbprinzen Karl,
1801 bei einem Unfall ums Leben kam. Am 24.11.1787 ging Karl Friedrich
mit der um 40 Jahre jüngeren Luise Geyer von Geyersberg (1768-1820) ein
zweite, unebenbürtige Ehe ein.
Beide waren bestrebt, ihren gemeinsamen Kindern den Rang von badischen
Markgrafen zu verschaffen. Selbst bei den Verhandlungen über die Heirat
des Erbprinzen Karl mit Stephanie Napoleon sollte dieses Ansinnen
vorgebracht werden, was selbst Stadtminister von Reitzenstein für nicht
opportun hielt.
Kinder in 1. Ehe mit Karoline von Hessen-Darmstadt, 1723-1783
Karl Ludwig, Erbprinz, 1755-1801, oo Amalie von Hessen-Darmstadt.
Verunglückt auf einer schwedisch-russischen Reise (der einzige Sohn war
der spätere Grossherzog Karl (Regierungszeit 1810-1818)
Friedrich, 1756-1817, oo Luise von Nassau-Usingen, 1776-1829
Ludwig, 1763-1830
Grossherzog seit 1818
Kinder in 2. Ehe mit Luise Geyer von Geyersberg, 1768-1820,
seit 1796 Reichsgräfin von Hochberg
Leopold, 1790-1852, Grossherzog seit 1830, oo Sophie,
Tochter des Königs Gustav IV. von Schweden, 1801-1855
Wilhelm, 1792-1859, oo 1830 mit Elisabeth Prinzessin von Württemberg, 1802-1864
Amalie, 1795-1869, oo 1818 Karl Egon Fürst von Fürstenberg, 1796-1854