Traditionsbewusst, aber zugleich allem Neuen aufgeschlossen, charismatisch, populär und sozial engagiert: So ist Carl Herzog von Württemberg bekannt, der am heutigen Dienstag (1. August) seinen 70. Geburtstag auf Schloss Altshausen feiert. Der Chef des Hauses Württemberg, der aus der katholischen Linie eines der ältesten früher regierenden Adelshäuser stammt, gilt als geschickter Unternehmer und hartnäckiger Spendensammler mit engsten Verbindungen in Wirtschaft, Kirche und Politik.
Welches Ansehen der Adelige in Baden-Württemberg genießt, zeigt die Gästeliste. Gleich drei Ministerpräsidenten wollen gratulieren: Der aktuelle Günther Oettinger sowie die ehemaligen Erwin Teufel und Lothar Späth (alle CDU). Der Herzog selbst hat nie ein politisches Amt angestrebt. «Ich wollte mir immer meine Unabhängigkeit bewahren», sagte er der dpa. Er unterhalte Kontakte zu allen Parteien und brauche so kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Dass seine Familie als einzige dem Bundesland den Namen gegeben hat, erfüllt ihn zwar mit Stolz. Den Adelstitel empfindet er jedoch nicht nur als Privileg. «Das Besondere ist, dass ich eine viel größere Verpflichtung habe, als wenn ich Müller heißen würde.» Deshalb tritt er in zahllosen Bereichen fürs Gemeinwohl ein. «Man muss da sein für die Bevölkerung und helfen, wo Not am Mann ist». Geboren wurde Carl von Württemberg am 1. August 1936 in Friedrichshafen am Bodensee als Sohn von Philipp Albrecht Herzog von Württemberg und Rosa Erzherzogin von Österreich. Er studierte Jura an der Universität in Tübingen, die sein Vorfahr Graf Eberhard im Bart 1477 gegründet hatte. Anschließend trat er in die Verwaltung des Familienbesitzes ein, der so genannten Hofkammer. Nach dem Tod des Vaters 1975 wurde er Chef des Adelshauses. An der Spitze der Hofkammer hatte sich der Herzog als Modernisierer einen Namen gemacht. «Land- und Forstwirtschaft sind nicht sehr ertragreich», sagte der Adelige. Deshalb erschloss er neue Geschäftsfelder. «Heute leben wir von Immobilien und einer Projektentwicklungsgesellschaft sowie Industriebeteiligungen», berichtete er. Grund und Boden, «das Urgeschäft der Familie», werde jedoch niemals aus der Hand gegeben. Heute leitet sein ältester Sohn Friedrich (45) die Hofkammer, sein Sohn Michael (40) das Weingut, dessen Verwaltung auf Schloss Monrepos angesiedelt ist. Besonders engagiert hat sich der Herzog stets für die Hochschulen Tübingen und Stuttgart-Hohenheim. Ferner war er Mitbegründer der baden-württembergischen Denkmalstiftung und der Stiftung Präventive Jugendhilfe sowie langjähriger Verwaltungsratsvorsitzender beim Katholischen Schulwerk der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Auch die Unterstützung krebskranker Kinder liegt ihm am Herzen. «Der Herrgott hat mir sechs gesunde Kinder geschenkt und 13 gesunde Enkelkinder, da ist es selbstverständlich, etwas für Kranke zu tun», findet er. «Das gibt mir mehr innere Befriedigung, als wenn ich einen riesigen wirtschaftlichen Deal mache.» Verheiratet ist Herzog Carl seit 1960 mit Diane Prinzessin von Frankreich (66), Tochter des Grafen Henri von Paris. Seine Frau ist Malerin und Bildhauerin. Ihre Werke schmücken unter anderem den Schlosspark. Dort will der Adelige seinen Geburtstag mit über 500 Verwandten, Freunden und Weggefährten feiern. «Zwei Drittel der Gäste sind Menschen, mit denen ich jahrzehntelang zusammengearbeitet habe», kündigte er an. Für die rund 100 Angestellten der herzöglichen Firmen gibt es ein Extra-Fest. Anschließend will er entschieden kürzer treten und sich von weiteren seiner 27 Ehrenämter verabschieden, die er auch in kulturellen Organisationen innehat. «Ich will mein Leben noch ein bisschen genießen.» Dazu gehören Reisen in asiatische Länder oder Lesen. Zwei große Bücherstapel warten schon auf ihn. Dass er auch bei seinem Geburtstag wieder für einen guten Zweck sammelt, ist Ehrensache. «Ich hoffe, dass meine Gäste spendenfreudig sind», lautet sein Geburtstagswunsch. Das Geld soll in die Renovierung des Altenpflegeheims in Altshausen fließen.
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