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03.04.2008
Mit Mozart durch Mannheim - Spaziergang zu den Gedenkstätten für Wolfgang Amadeus Mozart in den Quadraten




1. Schloss
Erbaut 1720-1760 nach Plänen von nacheinander vier Architekten. Mit 440 m Länge und
341 727 cbm umbauten Raum größtes Barockschloss. Residenz der Kurfürsten Carl Philipp und Carl Theodor bis 1778. Vom Land Baden-Württemberg wieder errichtet, heute Universität. Mittelbau mit Rittersaal und Treppenhaus, Museums- und Repräsentationsräumen und original erhaltenem Bibliothekskabinett der Kurfürstin.
Gedenktafel für Mozarts Besuch am Haupteingang links. Carl Theodor: „Er spielt unvergleichlich.“
 
2. Schlosskirche
im Westflügel, wiederhergestellte Hofkapelle, seit 1874 Altkatholische Kirche. In der Krypta Carl Philipp und Gemahlin Violante Theresia von Thurn und Taxis. Hier erlebte Mozart am 4. Nov. 1777 erstmals das Mannheimer Orchester, spielte die Orgel „aus spass, und ... so gugte alles um“.
 
3. Palais Bretzenheim
in A 2. Erbaut für die vier Kinder Carl Theodors mit der Tänzerin Josepha Seyffert-Heydeck. Später wurden sie mit der reichs-unmittelbaren Herrschaft Bretzenheim legitimiert. Mozart erteilte ihnen hier Klavierunterricht (1777).
Gedenktafel im Foyer der Rheinischen Hypothekenbank. Sehenswertes Treppenhaus, im Obergeschoss Porträts von Mozart, des Kurfürsten, der Kurfürstin, der Kinder linker Hand.

4. Jesuitenkirche in A 4, 2
Entstand als Große Hofkirche 1731-60 nach Plänen von Gallo di Bibiena. „Schönste Barockkirche am Oberrhein“ (Dehio).
Rekonstruiert sind der mächtige barocke Hochaltar und die Hoflogen. Mozart spielte mehrmals die Orgel.
Gedenktafel rechts vom Eingang.

5. Schillerplatz B 3
Hier stand bis zur Zerstörung beim Luftangriff am 5. auf 6. September 1943 das Nationaltheater, in dem Intendant Heribert von Dalberg 1782 Schillers „Räuber“ uraufführte. Schillerdenkmal und Denkmal für Mannheims „Trümmerfrauen“. Mozart dirigierte in dem „teutschen Komödienhaus“, ursprünglich ein Fruchtspeicher, 1790 die Erstaufführung seines „Figaro“.

6. Sternwarte in A 4, 6
1772-74 gebaut für den Hofastronomen Pater Christian Mayer, der die Fixsterne entdeckte und die internationale Wetterbeobachtung nach den sog. „Mannheimer Stunden“ begründete.
Heute Atelierwohnungen. Mozarts Eintrag im Gästebuch (1778) ist in der Landessternwarte Heidelberg zu sehen.

7. Reiss-Museum in C 5
Erbaut als Zeughaus 1777-79, von Mozart als Baustelle erlebt, erhielt beim Wiederaufbau zum Museum den Namen der Stifter, der Geschwister Anna und Carl Reiss, mit Erweiterungsbau in D 5: Hier liegt ferner der anlässlich der Ausstellung im Reiß-Museum zu Mozarts 200. Todestag erschienene 320seitige Katalog auf. Unter dem Titel „176 Tage W.A. Mozart in Mannheim“ birgt er wertvolle grundsätzliche Abhandlungen und Darstellungen.

8. Untere Pfarrkirche
St. Sebastian, F 1, entstand mit gemeinsamem Turm und Altem Rathaus am Marktplatz 1706-23. Mozarts Mutter bevorzugte diese Kirche für das tägliche Gebet.
 
9. Konkordienkirche R 2
für Mannheim typischer Doppelflügelbau wie am Markt- und Paradeplatz. Ursprünglich 1717 für zwei Gemeinden, nun Schulhaus und evangelische Kirche. Mozart an dieser Orgel: „Es ist mir auch recht vom herzen gegangen.“

10. Weitere Stationen und Gedenktafeln
 „... es ist recht das Geriß um mich; mit einem Wort, wie ich Mannheim liebe, so liebt auch Mannheim mich.“
Dieses Zitat aus dem Brief von W. A. Mozart am 12. November 1778 an den Vater wird hier zu Recht oft genutzt. Denn in der Biographie des Salzburgers kommt den vier Besuchen in Mannheim wesentliche Bedeutung zu. Nachdem im Juli 1763 der sieben-jährige „Wunderknabe“ die kurfürstliche Gesellschaft bei zwei Akademien in der Sommerresidenz im nahen Schwetzingen entzückte, logierte er mit Vater Leopold und Schwester Nannerl drei Tage in einem Gasthof auf dem heutigen Anwesen B 2, 8. Die drei besuchten das Mannheimer Schloss mitsamt Bibliothek, Opernhaus, Bildergalerie, Schatzkammer und auch die damals baulich angeschlossene Jesuitenkirche.

Am 30. Oktober 1777 traf er mit der Mutter in einer eigenen Kutsche zum zweiten Male in Mannheim ein. Sie wohnten zunächst im „Pfälzischen Hof“ am Paradeplatz. (Gedenktafel am C&A-Gebäude D 1, 5 Seiteneingang).

Beim Galakonzert zum Namenstag des Kurfürsten Carl Theodor am 6. November 1777 trat er im Rittersaal vor dem kurpfälzischen Hof und den Mitgliedern der berühmten Mannheimer Hofmusik als Pianist auf. Sein „größter Wunsch, hier einen opera zu schreiben“, am Hofe angestellt zu werden, blieb unerfüllt. In dem vom Kurfürsten für Josepha Seyffert, „Figurantin am Opernballett“, späteren Gräfin Heydeck, gegenüber dem Schloss erworbenen Haus, Palais Bretzenheim, nun Bankhaus A 2, 1, unterrichtete Mozart zwei der vier unehelichen Kinder am Klavier. (Gedenktafel im Foyer)

Am 12. Dezember 1777 bewohnte Mozart mit seiner Mutter ein Zimmer bei Hofkammerrat Anton Joseph Serrarius. Statt Mietzahlungen unterrichtet er dessen Stieftochter Therese Pierron am Klavier.
(Gedenktafel F 3, 5, heute Jüdisches Gemeindezentrum). Hier schrieb Mozart die meisten seiner Mannheimer Kompositionen. Diese Liste umfasst die Violinsonaten KV 296, 301, 302, 303, 305, zumindest Sätze von KV 304 und 306, ferner die Klaviersonaten KV 309 und 311, die Flötenmusik KV 285, 313, 314, 315, Lieder und Arien.

Mozart spielte als einer der ersten auf der just im Dezember 1777 in der lutherischen Trinitatiskirche – in neuer Form auf G 4 – installierten Orgel. Sie stammte wie das in Kirchheimbolanden erhaltene Instrument, an dem Mozart nach Tagestour aus Mannheim ebenfalls gerne saß, von Johann Michael Stumm, Begründer der berühmten rheinischen Orgelbauwerkstatt. Der „Hochfürstliche Salzburgische Capellenmeister H. Mosarth“ bestätigte: „trefflich übereinstimmend ausgefallen.“

Das Gebäude M 1, 10 hätte eine Gedenktafel verdient. Hier stand das Haus des Kabinettschreiners Ferdinand Zeller und hier wohnte der Bassist und Souffleur Fridolin Weber, bei dem Mozart häufiger Gast war. Der Vater kopierte Noten für den jungen Komponisten. Dieser verliebte sich in die 16-jährige Gesangsschülerin Aloysia Weber, ihr widmete er Rezitativ und Arie KV 294. Getraut wurde er aber schließlich 1782 im Stephansdom zu Wien mit der jüngeren Schwester Constanze. Die älteste Schwester Josepha sang 1791 in der Uraufführung der „Zauberflöte“ in Wien die „Königin der Nacht“. Sophie, die jüngste der „Weberischen“, stand in Wien ihrer Schwester Constanze bei. In Sophies Armen sei der 35jährige am 5. Dezember 1791 gestorben, ist glaubhaft überliefert.

Ein anderes Haus, in dem Mozart oft ein- und ausging, beim dritten Besuch 1778 wohnte, war das des Kapellmeisters und Komponisten Johann Christian Cannabich. Dort wurde am 13. Februar 1778 zu seinen Ehren eine Akademie veranstaltet und am 14. März 1778 sein Abschied zur Reise mit der Mutter nach Paris begangen. Vermutlich war es das Haus in O 3, 13. Die 14-jährige Tochter des Gastgebers, Rose Cannabich, erhielt jedenfalls für ihren Klavierunterricht quasi als Porträt die Sonate in C-Dur KV 309 „...wie das andante, so ist sie.“ Cannabichs Frau Elisabeth jedoch war Mozarts Vertraute und Trösterin beim 3. Besuch in der nun vom Hofstaat verwaisten Stadt. Dieser musste 1778 mit Kurfürst Carl Theodor nach München übersiedeln. Mozart versuchte, einem bürgerlichen Musikleben durch Kompositionen von KV 315f für die gerade entstandenen und noch heute existierenden „Akademiekonzerte“ auf die Beine zu verhelfen.

Begrenzte Rollen spielten der berühmte Flötist der Hofkapelle, Johann Baptist Wendling und alle drei Damen seiner Familie. Seiner Frau Dorothea, Primadonna an der Hofoper, gewidmet sind eine anspruchsvolle Arie, seiner Tochter „Gustl“ zwei französische Arietten als „Freundstücke“.

Wolfgang sah das Zeughaus, heute Reiss-Museum, nur als mächtige Baustelle. Zu hören ist Mozarts konservierte Musik in der entsprechenden Abteilung der Stadtbücherei, mit ihrer Sammlung Mannheimer Musikgeschichte in der Musikbücherei im Dalberg-Haus N 3. Mit originaler Fassade erinnert es an Freiherr Wolfgang Heribert von Dalberg, den ersten Intendanten des Nationaltheaters. Gegenüber auf N 2 steht nun sein Denkmal.

Mozarts Denkmal ist im Herzen der Mannheimer. Mit Adresse Mozartstraße 9 firmierten Intendanz, Verwaltung und Werkhaus des Nationaltheaters. Auch der größte Saal der Stadt, der anstelle des zerbombten Nibelungensaals 1974 im Kongress-Centrum Rosengarten eröffnet werden konnte, trägt seinen Namen. Von dessen Jugendstilfassade schauen zwei Köpfe zum Friedrichsplatz samt Wasserturm: Beethoven und Mozart.

Die Mozart-Liebe der Mannheimer erweist sich in einer außergewöhnlich intensiven Pflege seines Werkes. Sie wird bereits im 19. Jahrhundert belegt durch Gedenkkonzerte und wichtige Editionen, z. B. Klavierauszüge aller Opern und erste Taschenpartituren durch Karl Ferdinand Heckel, den Vater von Emil Heckel, der als Gründer des ersten Richard- Wagner-Vereins für die Bayreuther Festspiele bekannt wurde. Seit 1931 nimmt sich eine rührige Gemeinde des Mozart-Erbes an: die jetzige Mozart-Gesellschaft Kurpfalz e.V..

Wer auf Mozarts Mannheimer Spuren wandelnd müde wurde, mag sich erholen im Eckgebäude E 2, 8, im Konditorei-Cafe Herrdegen. Dieses Haus mit zwei Geschossen und „Mannheimer Mansarde“ sieht noch so aus wie die meisten Wohnhäuser im 18. Jahrhundert in den Quadraten. Nachkommen einer 1838 gegründeten Zuckerbäckerei bieten statt Mozartkugeln als Spezialität „Mannemer Dreck“ an, ähnlich lecker und süß, aber erst seit 1822 als Parodie auf eine strenge Polizeiverordnung für saubere Gassen verbürgt.

Die Kurfürsten

Carl Philipp, geboren 1661 in Neuburg/Donau, verlegte nach Streit mit der reformierten Gemeinde Heidelberg 1720 seine Residenz nach Mannheim. Er begann den Bau des riesigen Schlosses, starb 1742.

Carl Theodor, geboren 1724 in Drogenbusch bei Brüssel, ab 1733 am Mannheimer Hof, heiratete 1742 Carl Philipps Enkelin Elisabeth Auguste. Er vollendete das Schloss, vergrößerte Hoforchester, gründete Sternwarte, Naturalienkabinett, die Frankenthaler Porzellanmanufaktur, Kupferstich- und die berühmte Antikensabgußsammlung, die Akademie der Wissenschaften, die deutsche Gelehrten-Gesellschaft. Er hinterließ „zu einiger Nahrungsmittelbeihülfe“ das Hof- und Nationaltheater. Nach dem Tod von Max III. verlegte er, um die bayerische Erbschaft anzutreten, im Januar 1778 seine Residenz nach München.

Die Mannheimer Schule
Die unter Kurfürst Carl Theodor 1757 von Johann Stamitz erweiterte Hofkapelle wurde dank ihrer hervorragenden Mitglieder, „einer Armee von Generälen“, mit einem Crescendo, Effekten wie dem „Mannheimer Seufzer“, Verzicht auf den Generalbass, zum Begriff und Vorläufer neuer Instrumentalmusik, besonders der Sinfonie. Die „Mannheimer Schule“ ist seitdem ein Begriff in der Musikwelt. Leopold Mozart rühmte sie für „die Strahlen, die von der Sonne durch ganz Teutschland, ja durch ganz Europa sich verbreiten“. Zur Hofmusik gehörten neben Stamitz weitere namhafte Komponisten wie Franz Xaver Richter, Stamitz-Sohn Karl, Christian Cannabich, Franz Danzi, Georg Joseph, genannt Abbé Vogler, Ignaz Fränzl sowie Ignaz Holzbauer. Dieser schrieb die erste große deutsche Oper „Günter von Schwarzburg“, von deren Uraufführung im Opernhaus des Mannheimer Schlosses 1776 auch Mozart beeindruckt war.








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