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27.04.2008
Der Hexenberg im Elsass - Bouxviller



Im elsässischen Ort, Bouxviller, ehemalige Residenz der Grafen von HANAU-LICHTENBERG. fand der französische Forscher Georges Cuvier im letzten Jahrhundert ein Unzahl von Fossilien, die diesen Zeitabschnitt der Erdgeschichte beleuchten. Vor 40 Millionen Jahren war die Rheinebene erfüllt von einem riesigen Meer, tropischen Pflanzen und exotischen Tieren.

Von dem grossen Parkplatz (Place du Château) aus spaziert man durch das kleine malerische Städtchen. An der Grand Rue geht man rechts, vorbei am Elsässich-jüdischen Museum, das sicher einen Besuch Wert ist.

Am Restaurant "Au Soleil" biegt man links ab und läuft bis zur nächsten Kreuzung. Hier beginnt der eigentliche Spaziergang mit einer Schautafel, auf der man sich die vorgeschichtliche Rheinebene und das Elsass lebhaft vorstellen kann.

Dann das kleine Treppchen hinunter und die Strasse entlang. Der "Sentier Géologique" wird durch unscheinbare braune Schilder gekennzeichnet, die allerdings schwer zu erkennen sind. Dieser "geologische Pfad" führt einen von Fundstelle zu Fundstelle den Berg hinauf.

Zunächst geht es noch durch das Dorf, hinauf durch das Neubaugebiet, aber bald steht man auf Wiesen und mitten in der Natur. Natürlich kann man sich auch durchfragen nach dem "Sentier Géologique" und direkt oben am Wiesenrand parken. Auf der Wiese weiterlaufend, trifft man schon bald auf die erste Fundstelle.

Wer nun ein multimedial aufbereitetes Aha-Erlebnis erwartet oder gar Krokodile hinter Schilfhalmen vermutet, muss entäuscht werden. Die Wissenschaft der Geologie ist gnadenlos nüchtern und wohl nur Experten können in einzelnen Felsen und Gesteinsbrocken die drammatischen Vorgänge der Erdgeschichte erspüren.
 
- Verschiedene Meeresüberflutungen (Stationen 1-4)
- Einbruch des Oberrheingrabens im Tertiär (Stationen 5+6)

Der "geologische Pfad" dient click2day auch nur als "roter Faden" für einen Ausflug. Ein Vorwand sozusagen. Also laufen wir weiter, den Westhang des Berges entlang und entdecken nun eine wunderschöne Landschaft die sich dem Blick öffnet und die wir in dem Dorf noch gar nicht vermutet hätten. Eine Meeresweite kann man sich jetzt schon eher vorstellen.

Nach einer halben Stunde gelagen wir zur Station 2 (Augen immer offen halten). Seit einiger Zeit sieht man schon das grosse Kreuz an der Spitze des Berges. Dies ist das Ziel. Ob man nun direkt den Berg hinaufläuft oder dem Weg folgt, spielt keine Rolle, da es einen "richtigen" Weg hier wohl nicht gibt. Fassen Sie das ganze von nun an einfach als einen abwechslungsreichen Spaziergang mit Wandercharakter auf. Auf halber Strecke steht ein sehenswerter Baum mit dem Namen "Goethe".

Da Goethe 1770 ebenfalls hier entlang wanderte, wurde diesem hohen Besuch zu Ehren in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Eiche gepflanzt. Sie ist nun 22 m hoch und misst 3,70 im Durchmesser.

Die meisten werden dankbar schon hier ein Picknick machen wollen. Viele Bänke, der Schatten und der wunderbare Blick laden auch dazu ein. Danach geht es durch ein kleines wildes Wäldchen. Achtung: Station 3+4 befinden sich hier.

Aus dem Wäldchen heraustretend, gelangen wir bald zum Kreuz auf dem kleinen Bastberg, dem sagenumwobenen Hexenplatz. Der atemberaubende Blick über die Ebene ist berühmt geworden durch Goethes Beschreibung.

Durch Jahrhunderte galt der Bastberg den Elsässern als anrüchiger Spuk- und Hexenplatz. Wandelnde Feuer und feurige Kugeln erschreckten die nächtlichen Wanderer, und jedes Jahr, in der Walpurgisnacht fanden sich hier - auf Besen, Heugabeln, Böcken und roten Katzen reitend, alle Hexen der Umgegend ein.

Goethe hatte sich auf dem Bastberg für etwas ganz anderes interessiert. "Dies Höhe, ganz aus verschiedenen Muscheln zusammengehäuft, machte mich zum ersten Mal auf solche Dokumente der Vorwelt aufmerksam; ich hatte sie noch niemals in so grosser Masse beisammen gesehen."

Vom grossen Kreuz aus schauen wir Richtung Norden auf das Dorf und sehen rechts, Nordost, ganz nah, den "Grossen Bastberg".

Wer möchte, besucht auf dem "Grossen Bastberg" auch noch die Stationen 5+6 des Sentier Géologique". Wer bereits genug hat kann einfach und bequem immer geradeaus dem Weg hinunter ins Dorf folgen.

Der "grosse Bastberg" entstand beim Einbruch des Oberrheingrabens und ist bedeutend jünger. Bis zum 15. Jahrhundert wurde er auch Galgenberg genannt, weil sich hier die Richtstätte der Grafschaft befand. Warum er als "Gross" bezeichnet wird, ist nicht klar, da der "Kleine Bastberg" mächtiger und grösser erscheint.

Der "grosse Bastberg" ist von einem Kiefernwald bedeckt. Ein Weg führt zu ihm hinüber. Wegstrecke 15 Minuten. Auf einem kleinen Pfad verlassen wir die Wiesen und befinden uns kurze Zeit später in einer ganz anderen Welt: Hügel, Bäume, Lianen und Stille.

Mitten im Wald wieder eine der unscheinbaren Fundstellen.

Die Wanderung durch den kleinen Wald, das baldige Heraustreten auf die Wiesen und der Spaziergang hinunter ins Dorf sind auf alle Fälle kurweilig und schön. Station 6 ist wohl der Steinbruch, in dem Georges Cuvier fündig wurde.

Systematisch untersuchte als Erster der französische Naturforscher Georges Cuvier zu Beginn 19. Jahrhunderts die Fossilien des grossen Steinbruchs.

Er entdeckte dabei fossile Knochenfragmente einer heute ausgestorbenen tapierähnlichen Tierart, von denen eine zu Ehren des Fundortes von späteren Paläonthologen "Lophiodon buchsowillanum" getauft wurde.

Am Ende des Rundgangs durchschreitet man einen schaurig schönen alten Friedhof, auf dem noch viele Grabmale mit alten, deutschen Inschriften versehen sind.



Wichtiger Hinweis:
unbedingt Proviant mitnehmen. Auf der ganzen Strecke gibt es keine Möglichkeit, den Durst oder Hunger zu stillen.

Stadtinformationen
1, place du Château
67330 Bouxviller

Tel: 0033.3.88.707015




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