06.04.2008
Eines der schönsten Klöster Oberschwabens macht sich bereit für den Start in eine neue Frühjahrssaison. Am 6. April öffnen sich die Pforten des einstigen Zisterzienserinnenklosters Heiligkreuztal. Nach dem Winterschlaf können nun die Kostbarkeiten aus über vier Jahrhunderten wieder bestaunt werden.
Das Frauenkloster in der Nähe von Riedlingen an der Donau kann auf eine außerordentlich bewegte Geschichte zurückblicken: 1227 gründeten es die Beginen, fromme Frauen, die eine gemeinsame Lebensform suchten. Bald schon übernahm es der mächtige Zisterzienserorden; 1256 konnte der Neubau des Klosters geweiht werden. Aus dieser frühen Zeit hat sich vieles erhalten, etwa das beeindruckende Chorfenster von 1312. Mit seinen leuchtenden Glasmalereien macht es den gotischen Chorraum zu einem funkelnden Farberlebnis.
Als besonderes Kleinod hat sich aus der mittelalterlichen Ausstattung des Klosters eine seltene Christus-Johannes-Gruppe erhalten. Die Skulptur, um das Jahr 1320 entstanden, zeigt die besondere Beziehung zwischen Christus und Johannes: Der Lieblingsjünger legt seinen Kopf an die Brust des Erlösers! Diese innige Darstellung der „Christus-Johannes-Minne“ war vor allem in den oberschwäbischen Frauenklöstern eines der beliebtesten Andachtsbilder. Nur ganz we nige haben sich bis in die heutige Zeit erhalten – in Heiligkreuztal trifft man heute noch eines dieser anrührenden Bilder.
In der Kirche der Zisterziensernonnen hat sich darüber hinaus durch die Jahrhunderte eine kostbare Sammlung von Kunstgegenständen bewahrt: Außer der Johannes-Gruppe etwa ein Meisterwerk des berühmten Bildhauers Hans Multscher aus Ulm. Um 1450 schuf er für die Kirche eine Skulptur des kreuztragenden Christus. Raritäten sind die kostbaren Handarbeiten der Klosterfrauen, Stickereien mit feinen Fäden und Perlen, typisch für Nonnenklöster.
Sie sind Teil der Dauerausstellung „Glaubenszeugnisse frommer Frauen“ im Museum in der Bruderkirche, eingerichtet von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg. Aus der Barockzeit stammen zahlreiche prachtvolle Seitenaltäre und feingliedrige Stuckarbeiten von Joseph Anton Feuchtmayer am Gewölbe über dem Nonnenchor.
Auch das Klostergelände lockt zu Entdeckungen: Die mächtigen Mauern der Wirtschaftsgebäude, die sich bis heute erhalten haben, stammen im Wesentlichen aus der Zeit der kunstsinnigen Äbtissin Veronika von Rietheim. Unter ihr erlebte der Konvent im 16. Jahrhundert eine Blütezeit. Beeindruckend ist die Mühle mit ihrem wuchtigen Staffelgiebelbau. Kloster Heiligkreuztal in einem Seitental der Donau bei Riedlingen ist eines der unbekannten Kleinode Oberschwabens – und lohnt jetzt in den ersten Frühlingstagen ganz besonders den Besuch!
Öffnungszeiten Heiligkreuztal:
Konventgebäude und Kreuzgang: Täglich 9 bis 19 Uhr
Klosterkirche: Täglich 8 bis 17 Uhr
Ausstellung „Glaubenszeugnisse frommer Frauen“: Sonn- und Feiertags 14 bis 17 Uhr
Das Kloster Heiligkreuztal ist eine der eindrucksvollsten klösterlichen Gesamtanlagen in Südwestdeutschland. Es war und ist ein Ort geistlichen Lebens, ein Ort, um zur Ruhe zu kommen, ein Ort der Gottesbegegnung, der heute von der Stefanus-Gemeinschaft als Tagungshaus getragen wird.
Herzstück der spätgotischen Klosteranlage ist das Münster mit seinem Chorfenster von prachtvoller Farbigkeit und der berühmten „Christus-Johannes-Minne“. Gegenwartskunst aus dem Fundus der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW), eine historisch eingerichtete Zelle sowie sakrale Gegenstände aus Klosterzeiten im Museum in der Bruderkirche runden das Angebot ab.
Zur Stärkung lädt die Gaststätte "Zum Klosterwirt" ein.
www.oberschwaben-tourismus.de
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