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29.12.2005
Computer fährt selbst - Autos auf dem Sprung zur eigenständigen Kommunikation
Technik. - Autofahren soll sicher wie in Abrahams Schoß werden. Ein
Sonderforschungsbereich der Technischen Universitäten Karlsruhe und
München will die Fahrzeuge mit Sensorik und Rechnerkapazität so weit
aufrüsten, dass sie sich untereinander verständigen und gefährliche
Situationen entschärfen können. In wenigen Jahren soll es soweit sein.
"Wenn nun die Fahrzeuge selber sehen können, dann wird es interessant,
wenn die Fahrzeuge auch kommunizieren miteinander über das was sie
sehen und über das Verhalten, was sie daraus ableiten und sich
abstimmen", sagt der Ingenieur Professor Christoph Stiller von der
Universität Karlsruhe.
Am Institut für Mess- und Regeltechnik wollen die Forscher die heute
noch viel zu hohen Unfallzahlen möglichst auf Null senken. Deswegen
arbeiten sie nun an wirklich intelligenten Autos, die dank
Computerunterstützung ihre Umwelt kognitiv wahrnehmen, also verstehen.
Außerdem werden neue Fahrzeug-Generationen erstmals in der Lage sein,
sich miteinander zu verständigen - sukzessive und in drei bis maximal
fünf Jahren, so Stiller. Im Labor funktioniert dies bereits. Stiller:
"Wir haben den großen Vorteil, dass unsere Fahrzeuge in der Lage sein
werden, per Funk zu kommunizieren. Das geht nicht nur sehr schnell,
sondern auch um eine Ecke herum, so dass man zum Beispiel einen Kontakt
aufnehmen kann mit einem Verkehrsteilnehmer, den man noch gar nicht
sehen kann, einfach per Funk. Dann wird es interessant, die Information
von dem zu bekommen, was der sieht und ob vielleicht aus einer
Querstraße, einer Kreuzung, ein Fahrzeug herausschießt, das für uns
selber gefährlich werden könnte, oder ob ein Unfall passiert ist,
jemand liegengeblieben ist oder eine besondere Situation sich ergibt,
aufgrund derer man gesondert reagieren möchte."
Die computergesteuerte Stotterbremse ABS gehört heute schon zum
Standard und hilft in ungezählten Situationen - gerade in der kalten
Jahreszeit. Die Satelliten-Navigation setzt sich gerade durch. Auch sie
dient der Sicherheit, denn Fahrzeuge müssen einander möglichst genau
orten können, um sich gegenseitig automatisch über Gefahren zu
informieren. In Kürze werden die Informationen sämtlicher Fahrzeuge in
der Nähe in die Bordcomputer eingespeist, verarbeitet und in sinnvolles
Handeln umgesetzt - im so genannten Hidden Computing, also ohne dass
der Fahrer dies merkt. Selbständig erkennt das Auto beispielsweise
einen Stau und verlangsamt rechtzeitig seine Geschwindigkeit. Das
Ergebnis: Zu den gefürchteten, häufigen und gefährlichen
Auffahrunfällen kann es dann zumindest theoretisch gar nicht mehr
kommen. Der Bordrechner stützt sich dabei nicht nur auf einen eigenen
Laserscanner, der ihm eine Art Sehsinn verleiht. Er verarbeitet auch
Informationen aus einer Vielzahl von Quellen: Verkehrswarnsysteme,
fremde Fahrzeuge und deren elektronisch gesammelte Erfahrungen sowie
die Summe aller Erfahrungen - das alles digital und über Funk. Stiller:
"Wenn ein anderes Fahrzeug eine gefährliche Situation wahrnimmt, dann
wird es die natürlich auch an den umliegenden Verkehr mitteilen, und
dieser Verkehr wird diese Information weitergeben, so dass zum Beispiel
auch über meinen Gegenverkehr ich gewarnt werde, wenn auf der Autobahn
vor mir zum Beispiel ein Hindernis liegen geblieben ist oder wenn sich
irgendeine andere, für mich gefährliche Situation ergibt. Das heißt,
ich tausche in der Tat nicht nur direkt mit Partnern aus, die ich sehe,
oder zu denen ich Funkkontakt habe, sondern man kann auch Information
von Dritten wahrnehmen."
Fahrzeuge, die ihre Umwelt erkennen, miteinander Daten austauschen und
dies in einen optimierten, unfallfreien Verkehrsfluss umsetzen,
brauchen nicht nur Sensoren, also Laserscanner, Infrarotdetektoren und
Videokameras, sondern vor allem Künstliche Intelligenz. Die zu
verbessern ist eines der Hauptforschungsthemen, sagt Christoph Stiller.
Aber wie werden die intelligent interagierenden Fahrzeugsysteme
organisiert - zentral oder dezentral? Nur dezentral kann die Lösung
heißen, so der Karlsruher Forscher. Jedes einzelne Fahrzeug braucht
eigene Rechner sowie Sende- und Empfangseinheiten. Schon heute arbeitet
ein internationales Gremium unter Karlsruher Leitung mit Beteiligung
der Automobilhersteller an international einheitlichen und
verbindlichen Standards. Ein modernes, dezentrales
Fahrzeug-Kommunikationssystem rettet auch dann noch Leben, wenn es
selbst doch einmal an seine Grenzen stößt. Auch Fußgänger werden
einbezogen. Sie bekommen rechtzeitig laute Warnsignale aufs
Mobiltelefon, PDA oder ähnliche mobile Geräte. Stiller:
"Das wird auch dann noch nutzen, wenn es eigentlich zu spät erfolgt.
Wenn man also einen Unfall schon gar nicht mehr vermeiden kann, lohnt
es natürlich immer noch, wenn man auf den letzten zehn Metern noch eine
Vollbremsung macht und dann einen Unfall nicht mehr mit fünfzig
Stundenkilometern, sondern mit zehn Stundenkilometern in Kauf nehmen
muss."
(Klaus Herbst)
Quelle: www.dradio.de
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