Die großen deutschen Autohersteller fallen durch überdurchschnittlichen Spritverbrauch und damit Klimabelastung auf - Deutsche Umwelthilfe fordert ab 2008 die Einführung von Kraftstoff-Höchstverbräuchen für alle Neuwagen - Deutsche Hersteller gehören zu den Hauptverantwortlichen, wenn 2008 europaweit die EU-Klimavorgaben deutlich verfehlt werden.
"Die deutsche Automobilindustrie steht durch eine falsche Modellpolitik vor der größten Existenzkrise ihrer Geschichte" bewertet die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) das ernüchternde Ergebnis der am 25.10.2006 veröffentlichten Untersuchung im Auftrag des Europäischen Verbandes für Verkehr und Umwelt "Transport & Environment" (T&E) über den Stand der Klimaschutzanstrengungen der Autohersteller in Europa.
Die Studie des britischen Institute for European Environmental Policy (IEEP) untersucht erstmals die Fortschritte bzw. Defizite einzelner Automarken bei der Verringerung der CO2-Emissionen gemessen an ihren Ende der 90er Jahre gegenüber der EU eingegangenen Verpflichtungen. Danach belegen deutsche Autohersteller beim durchschnittlichen Spritverbrauch der zugelassenen Neufahrzeugen unter den 20 meistverkauften Automarken in Europa ausschließlich schlechte Werte: Die Plätze 12 (Mercedes-Benz), 14 (Volkswagen), 15 (BMW) und 17 (Audi) gehen an Deutschland.
"Diese Ergebnisse sind ein Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie. Die Absatzkrise für Spritfresser in Amerika und das wirtschaftliche Debakel bei Ford, General Motors und Chrysler wird in den nächsten Jahren auch den europäischen Markt erreichen", kommentierte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch das katastrophale Abschneiden von VW, MercedesBenz, BMW und Audi.
"Wir sehen heute die Folgen einer falsch verstandenen Industriepolitik der EU wie ihrer Mitgliedsstaaten. Der Verzicht auf klare Effizienzvorschriften für Pkw führte pikanterweise gerade die deutschen Hersteller in die technologische Sackgasse. Wir warnen seit Jahren davor, dass die deutschen Hersteller aus ökologischer Ignoranz vor allem die Bleifuss-Fraktion unter den Autokunden bedienen und darüber die Entwicklung effizienter und gleichzeitig sauberer Fahrzeugen verschlafen".
Die Deutsche Umwelthilfe fordert die Bundesregierung dazu auf, im Rahmen der bevorstehenden deutschen EU-Präsidentschaft die "Hersteller ordnungsrechtlich zu mehr Klimaschutz zu veranlassen und feste Kraftstoff-Höchstverbräuche EU-weit ab 2008 vorzuschreiben", wie es alle verkehrspolitisch engagierten Umwelt- und Verkehrsverbände in Europa inzwischen vorschlagen. "Nur verbrauchsarme und saubere Pkw werden auf Dauer in Europa und auf den wichtigsten Auslandsmärkten Erfolg haben", sagte Resch. In Deutschland sei darüber hinaus die lange angekündigte CO2-basierte Kfz-Steuer überfällig.
Die EU-Klimaziele sehen vor, dass bis 2008 der durchschnittliche Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid bei Neufahrzeugen auf 140 Gramm pro gefahrenem Kilometer (entsprechend 5,8 Liter Benzin oder 5,1 Liter Diesel pro 100 Kilometer) sinkt. Dieses Ziel wird absehbar verfehlt, wofür die neue Untersuchung ein weiterer Beleg ist. Aus diesem Grund haben die EU-Kommission und in Deutschland auch Umweltminister Sigmar Gabriel verbindliche Vorgaben bei der CO2- und Verbrauchsreduktion angekündigt.
Die Deutsche Umwelthilfe hatte bereits vor einem Jahr eigene Verbrauchs-Berechnungen für die Modellreihe 2006 (s. www.duh.de, PM vom 26.10.2005) vorgelegt, mit ähnlich deprimierenden Ergebnissen insbesondere für die deutschen Hersteller. Der vollständige Bericht "How clean is your car brand" von T&E ist abrufbar unter www.tranportenvironment.org .
www.tranportenvironment.org
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