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19.04.2007
Schützenswertes Kulturgut - Tankstelle - Friedrichshafen



Weil die Tankstelle Schindele den ästhetischen Ansprüchen der Nachkriegszeit folgt und deutlich die Formensprache der fünfziger Jahre spricht, weil sie aber auch ein Stück Stadt- und Wirtschaftsgeschichte erzählt, hat das Landesdenkmalamt sie „auf Grund ihres dokumentarischen und exemplarischen Wertes“ auf die Liste der schützenswerten Kulturgüter gesetzt.


Der Zweite Weltkrieg hat vielerorts ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Die zerstörten Städte – auch Friedrichshafen – werden wieder aufgebaut und erhalten das charakteristische Nachkriegsgesicht. Und das empfindet mancher, der an Fachwerk und Barockfassaden denkt, als steril, geschmack- und seelenlos. Dabei birgt gerade diese Zeit architektonische Kulturgüter, deren Schönheit und charakteristischer Ausdruck schützenswert sind. Dazu können  durchaus so einfache Funktionsgebäude wie die Tankstelle Schindele an der Ecke Friedrich-/Werastraße.


Nach den schweren Kriegsjahren, nach Währungsreform und Marschallplan ist allmählich wieder Geld da. Die Gesellschaft wird mobiler, Autos prägen zunehmend die Städte. Ja, die autogerechte Stadt wird zu einem Symbol des aufkeimenden Wirtschaftswunders. Das Auto symbolisiert Fortschritt und Wohlstand, wird mehr und mehr zum Statussymbol. 


Gerade 1950 – das Jahrzehnt der geschwungenen Linien, der gebogenen großflächigen Glasfassaden und der schlanken Säulen, des neuen Bauens hat so eben begonnen – wird an der Ecke Wera-/Friedrichstraße eine Tankstelle errichtet. Bis heute unverändert ist die Fassade der Tankstelle Schindele von dem großzügigen, um die Ecken laufenden Fensterband geprägt. Das weit auskragende, recht dünne Flachdach hat abgerundete Ecken. Die das Dach tragende Säule schwingt ebenfalls nach oben aus. Transparenz, organische Formen und doch auch Gradlinigkeit sind Stilelemente dieser Nachkriegszeit. 


Die Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft hat die Tankstelle 1950 dort erbaut, wo vermutlich der älteste Tankstandort in der Stadt überhaupt lag. Bereits 1926 nämlich hatte die Petroleum-Gesellschaft hier eine Pumpanlage für ihr Benzin der Marke Dapolin (später Esso) eingerichtet, damals ein großer Fortschritt.  Denn bis dahin hatten die Leute ihre Kraftstoffe nicht immer ganz sachgemäß daheim in Wohnungen oder Scheunen, meist an ungeeigneten und vor allem unsicheren Orten gelagert. Mit der neuen Straßenpumpanlage konnte das feuergefährliche Benzin nun direkt aus den Lagertanks umgefüllt werden. Noch bis in die vierziger Jahre standen vielerorts einfache Zapfanlagen vor Läden oder Werkstätten. Die architektonisch gestaltete Tankstelle setzte sich dann mit der wachsenden Mobilität und Bedeutung des Autos mehr und mehr durch.


Die Bauten der fünfziger und  sechziger Jahre sind in den letzten Jahren vor allem deshalb in den Blick der Denkmalschützer gerückt, weil inzwischen Sanierungsarbeiten anstehen. Die Materialien waren nach dem Krieg oftmals noch nicht so ausgereift, so dass der Zahn der Zeit kräftig nagen kann. Können diese Bauten – oftmals übrigens öffentliche Gebäude – saniert werden, ohne dass sie grundlegend verändert werden? Diese Frage  fordert Bauherren und Denkmalschützer heraus.






www.friedrichshafen.de


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