16.02.2006
Eigenheim finanzieren - Jetzt erst recht
Auch ganz ohne Eigenheimzulage ist der Bau oder Kauf von Immobilien
günstig wie selten zuvor. Häuser und Wohnungen sind in vielen Regionen
billiger zu haben als noch vor fünf oder zehn Jahren. Das Zinsniveau
für Hypothekendarlehen ist weiter gering und staatliche Förderung gibts
über vergünstigte KfW-Kredite und/oder Länderprogramme auch nach dem
Wegfall der Eigenheimzulage noch. Hinzu kommt: Banken und Vermittler
haben attraktive neue Angebote zur Baufinanzierung entwickelt.
FINANZtest hat insgesamt 80 Baufinanzierer erstmals anhand von sechs
Modellfällen getestet und sagt, wo Sie die für Sie günstigste
Baufinanzierung bekommen.
Mehr Flexibilität
Erfreuliches Ergebnis des Tests insgesamt: Die Kreditangebote für
Bauherren und Immobilienkäufer sind günstiger und flexibler geworden.
Allerdings sind sie schwer zu vergleichen. Erstes und wichtigstes
Kriterium: Die Finanzierung muss passen. Der günstigste Zinssatz nützt
gar nichts, wenn das Darlehen nicht zum Bauherren oder Käufer passt.
Hinzu kommt: Bei manchem Anbieter können Kosten für die Schätzung des
Werts der Immobilie oder vor Auszahlung fällige Bereitstellungszinsen
den Kredit verteuern.
Günstigste Zinsen bei Vermittlern
Erstmals hat FINANZtest die Kreditangebote von 80 Anbietern anhand von
sechs praxisnahen Modellfällen verglichen. Das Ergebnis ist klar: In
fast allen Konstellationen bieten Accedo, Dr. Klein & Co., DTW,
Geld & Plan und Interhyp die günstigsten Zinsen. Sie beschränken
sich allerdings aufs Vermitteln per Telefon, Internet oder Post.
Institute mit Filialnetz und regionale Anbieter sind teurer.
Nicht ohne Eigenkapital
Sogar mit wenig Eigenkapital ist der Traum vom eigenen Haus oder einer
Eigentumswohnung finanzierbar. Allerdings ist das höchst riskant und
allenfalls für Kreditnehmer mit hohem und gesichertem Einkommen
geeignet. Stets zu beachten: Zumindest die Nebenkosten müssen Bauherren
oder Käufer selbst aufbringen. Schon das geht gehörig ins Geld:
Grunderwerbsteuer, Grundbuch- und Notargebühren machen fünf bis sechs
Prozent des Kaufpreises aus und sind zusätzlich aufzubringen. Ist ein
Makler mit im Boot, kommt seine Courtage noch hinzu.
Risiko Niedrigrate Doch Vorsicht: Manche
Bankenwerbung verführt zur Baufinanzierung mit hohem Risiko. Die Raten
für ein Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung und nur 1
Prozent Anfangstilgung sind bei den aktuell niedrigen Zinsen im
Vergleich zur Miete für eine gleichwertige Wohnung verführerisch
niedrig. Doch eine solche Finanzierung ist riskant. Nach Ablauf der
Zinsbindung ist nur ein geringer Teil des Darlehens getilgt. Wenn dann
höhere Zinsen zu zahlen sind, kann die Kreditrate drastisch steigen.
Wer sie nicht zahlen kann, läuft Gefahr, Haus oder Wohnung wieder zu
verlieren. FINANZtest empfiehlt bei dem derzeit günstigen Zinsniveau
Verträge mit einer Anfangstilgung von mindestens 2 Prozent.
Extrazins für Bauherren
Oft entscheiden die Extras über den Wert einer Finanzierung. Für
Unternehmer oder Selbstständige mit wechselndem Einkommen etwa sind
Sondertilgungsrechte besonders wichtig. Ein Minimum an
Sondertilgungsrecht ist bei vielen Anbietern ohne Extrakosten zu haben.
Für hohe Sondertilgungsrechte allerdings ist fast immer ein
Zinsaufschlag zu zahlen. Bauherren müssen mit Bereitstellungszinsen
rechnen. Zwischen Kreditvertrag und Zahlung der letzten Rechnungen
können viele Monate liegen. Bei mancher Bank sind schon zwei oder drei
Monate nach Abschluss des Kreditvertrags Bereitstellungszinsen fällig.
Gegenüber Angeboten mit Bereitstellungszinsen erst ab 13 Monaten sind
solche Verträge je nach Kreditsumme, Zinssatz und Baugeschwindigkeit
von Anfang an um einige Tausend Euro im Nachteil.
Effektivzins entscheidet
Sind die passenden Angebote gefunden, macht die Finanzierung mit dem
günstigsten Effektivzins das Rennen. Kleine Unterschiede summieren sich
zu enormen Beträgen. Ein Unterschied von nur einem Prozentpunkt machte
bei einem 100 000 Euro-Darlehen mit 20 Jahren Zinsbindung unter dem
Strich mehr als 25 000 Euro aus.