23.01.2006
Energie- und Heizkosten entwickeln sich zunehmend zu zweiter Miete - Januar 2006
Mehr Transparenz kann zu Energieeinsparung und Klimaschutz beitragen.
Im Laufe des Jahres wird bundesweit ein verpflichtender
Gebäudeenergiesparpass eingeführt. Mit ihm wird die EU-Richtlinie
'Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden' in nationales Recht umgesetzt.
"Die Energie- und Heizungskosten einer Wohnung entwickeln sich
zunehmend zu einer zweiten Miete. Der Energiesparpass wird das
öffentliche Bewusstsein dafür verschärfen, weil damit
Energieverbrauchsdaten ausgewiesen werden müssen. Mehr Transparenz kann
zur Energieeinsparung und zum Klimaschutz beitragen", erklärte
Umweltministerin Tanja Gönner nach einem Gespräch mit dem Präsidenten
des Baden-Württembergischen Handwerkstags, Joachim Möhrle, heute (23.
Januar 2006) in Stuttgart.
Dem Energiesparpass müsse allerdings ein objektivierter Energiebedarf
zu Grunde gelegt werden, forderte Tanja Gönner. "Der Energiebedarf muss
anhand festgelegter Kriterien ermittelt werden." Eine Orientierung des
Gebäudeenergiesparpasses an früheren Verbrauchswerten wäre dagegen in
vielen Fällen wenig aussagekräftig, betonte Gönner. "Der
Energieverbrauch ist stark von der Nutzung einer Wohnung abhängig." So
mache es einen großen Unterschied, ob eine Wohnung von einem Single
oder einer vierköpfigen Familie bewohnt werde. "Bei solch
unterschiedlichen Konstellationen sagen die Verbrauchszahlen wenig über
die Energieeffizienz einer Immobilie aus." Der Handwerkstag unterstütze
diese Haltung.
Vom Gebäudeenergiesparpass sei ein Impuls zur Optimierung des
Energieverbrauchs bei Gebäuden zu erwarten, so Gönner. Dabei seien die
Energieeinsparpotenziale bei Gebäuden, die 30 Jahre und älter sind, am
größten. Durch eine verbesserte Wärmedämmung, eine optimierte
Heizungsanlage sowie gut isolierende Fenster könnten etwa 40 bis 50
Prozent der Heizungskosten eingespart werden. Nahezu ein Drittel des
jährlichen Gesamtausstoßes des klimaschädlichen Treibhausgases
Kohlendioxid von 78 Millionen Tonnen entfiele auf die Bereiche Heizen
und Warmwasseraufbereitung in Privathaushalten. Eine höhere
Energieeffizienz trage so nicht nur zur Senkung der Mietnebenkosten,
sondern auch zum Klimaschutz bei, betonte Gönner.
Bis zur Einführung des Gebäudeenergiepass werde das Land an der
Förderung des EnergieSparChecks festhalten, sicherte Gönner zu. Für die
Besitzer von selbstgenutztem Wohneigentum bestehe mit ihm ein
kostengünstiges Angebot zur energetischen Bewertung von Ein- und
Zweifamilienhäusern sowie kleinen Mehrfamilienhäusern. Der insgesamt
etwa 300 Euro teure EnergieSparCheck koste den Kunden 75 Euro für
höchstens zwei Wohnungen. Das Umweltministerium trage davon 100 Euro.
Den Rest übernehme das Handwerk. Insgesamt stelle das Land in diesem
Jahr dafür bis zu 400.000 Euro bereit.
Ergänzende Informationen zum EnergieSparCheck:
Der EnergieSparCheck ist eine gemeinsame Initiative des
Umweltministeriums und des Baden-Württembergischen Handwerkstags
(BWHT). Das Angebot besteht seit 1999. Seither hat das Handwerk über
20.000 EnergieSparChecks im Land durchgeführt. Mehr als 1.500
Handwerksmeister, die eine spezielle Ausbildung erhalten haben, stehen
für den EnergieSparCheck zur Verfügung.
Der "EnergieSparCheck" umfasst eine Analyse des Ist-Zustandes von
Außenwänden, Dach, Fenstern, Kellerdecke und Heizungsanlage durch eine
sorgfältige Datenaufnahme vor Ort. Mit Hilfe von EDV-Programmen werden
hieraus je nach baulichem Zustand sinnvolle Sanierungsvorschläge
erarbeitet und die daraus resultierenden Energie- und CO2-Einsparungen
berechnet. Der Hauseigentümer oder die Hauseigentümerin erhält einen
ausführlichen, informativen und verständlich gestalteten
Beratungsbericht. Eine Prioritätenliste ordnet Sanierungsvorschläge
nach Kosten-Nutzen-Aspekten.