Burg Eberstein (Neueberstein) bei Gernsbach in der 2. Hälfte des 17.
Jahrhunders. In einem langen und zähen Ringen sicherten sich die
Badener einen Grossteil der Besitzungen des einstmals bedeutenden
Grafenhauses Eberstein, nachdem sie schon 1238 die Stammburg
Alteberstein (bei Baden-Baden) erworben hatten. Die Grafen von
Eberstein waren Gründer der Stadt Gernsbach sowie der Klöster Herrenalb
und Frauenalb.
Die Grafen von Eberstein
1085 – 1250: Aufstieg und Blütezeit
Die Grafen von Eberstein erhielten 1085 eine Schenkungsurkunde des
Klosters Reichenbach, in der erstmals der Name "Berthold de Eberstein"
erscheint. Zu dieser Zeit verlegten sie ihren Wohnsitz aus der
Rheinebene (dort gehörten ihnen zehn Orte im Raum Sinzheim und
Ottersweier) auf die heute als Alt-Eberstein bezeichnete Höhenburg
zwischen Oos- und Murgtal.
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts vermehrten sie ihre
Besitztümer besonders im Murgtal, während das Oostal den Markgrafen von
Baden zufiel, deren Gegner die Ebersteiner waren. Die "Blütezeit" der
Grafen erstreckte sich allerdings nur über die relativ kurze Zeitspanne
von rund hundert Jahren (1150 bis 1250). Es gelang ihnen zunächst den
Besitz durch einträgliche Eheschließungen zu vermehren, sodass man
schließlich über eine stattliche Herrschaft verfügte, zu der auch die
Schauenburg bei Oberkirch gehörte.
Bertholt IV. stiftet 1149/50 zusammen mit seiner Gemahlin Uta von
Laufen das Zisterzienserkloster Herrenalb, das den Ebersteinern als
Hauskloster diente. 1180 gründeten Bertholts Sohn Eberhard III. und
seine Mutter Uta auch noch das Kloster Frauenalb. Neben der Frömmigkeit
stand bei solchen Klosterstiftungen das pragmatische Ziel der
Versorgung weiblicher Familienangehöriger im Blickpunkt.
Der Gesellschaftliche Aufstieg der Ebersteiner drückte sich nicht nur
in Heiratsverbindungen zu den vornehmsten Geschlechtern
Südwestdeutschlands, sondern auch in dem Titel "Grafen" aus, den
erstmals die Brüder Eberhard IV. (gest. 1263) und Otto I. (gest. 1278)
in ihren Siegeln führten.
1219 – 1387: Der Untergang
Doch mit der Herrlichkeit der Ebersteiner ging es im 13. Jahrhundert
langsam bergab. Zur ersten Schwächung kam es 1219 mit der Teilung der
Besitztümer zwischen den Brüdern Eberhard IV. und Otto I.. In den
nächsten Jahren gründeten die Ebersteiner zwar noch fünf Städte
(Gernsbach, Kuppenheim, Neuburg am Rhein, Bretten und Gochsheim im
Kraichgau), doch mit den Finanzen der Grafen stand es nicht zum Besten.
Dies zeigte sich deutlich im Jahre 1240, als Kunigunde von Eberstein
den Markgrafen Rudolf I. von Baden heiratete. Da es am nötigen
Kleingeld für die Mitgift fehlte, musste Otto II. den Badenern die
Hälfte der Stammburg Alt-Eberstein überlassen. Die Ebersteiner
verlegten ihren Sitz nun in das standesgemäßere Neu-Eberstein (heute
Schloss Eberstein) oberhalb von Gernsbach, denn sie wollten natürlich
nicht mehr in einer Burg wohnen, die ihnen nur noch zur Hälfte gehörte.
Die anderen 50 Prozent von Alt-Eberstein ging dann 1283 durch Verkauf
auch noch an die Markgrafen von Baden, denn die ehemaligen Besitzer
brauchten wieder einmal Geld. Dass es nun zu einem schnellen und
überraschenden Niedergang der Ebersteiner kam war sicherlich der
Großzügigkeit und Freigiebigkeit dieses Geschlechts gegenüber seinen
beiden Hausklöstern zuzuschreiben.
Die zumeist mit großem Kinderreichtum gesegneten Ebersteiner mussten
stets beträchtliche Mittel für die Ausstattung der Töchter
bereitstellen. So zwangen chronische Finanznöte immer wieder zu
folgenschweren Verpfändungen und Gebietsabtretungen an die Markgrafen
von Baden.
Besiegelt wurde das Schicksal der Ebersteiner als Territorialherren
durch Graf Wolf(ram) von Eberstein (1360 bis etwa 1395), der dafür
sorgte, dass ein Großteil der verbliebenen Besitztümer des Hauses
verloren gingen. Der streitlustige Wolf hatte sich letztlich
hoffnungslos verschuldet, wozu vor allem eine 20jährige Fehde mit Graf
Eberstein von Württemberg beitrug. 1387 verkaufte er seine sämtlichen
Besitzungen für 8000 Gulden an Markgraf Rudolf VII. von Baden. Seine
letzten Tage verbrachte Wolf im Armenhaus, in das ihn seine Verwandten
gesteckt hatten. Damit spielten die Ebersteiner als Machtfaktor keine
Rolle mehr. Im Mannesstamm starb das Geschlecht mit dem Tod von Graf
Kasimir im Jahr 1660 aus.
Nachdem die Burg Alt-Eberstein an die Markgrafen übergangen war, wurde
sie von diesen zeitweise sogar als Residenz genutzt. Im 14. Jahrhundert
bracht man hier das markgräfliche Archiv unter. Doch langsam erging es
der Burg so wie ihren früheren Eigentümern: Die Bedeutung sank, im 15.
Jahrhundert logierten hier schließlich nur noch Amtsträger. Spätestens
im 16. Jahrhundert wurde Alt-Eberstein aufgegeben und verfiel - die
Ruine entwickelte sich schließlich zum beliebten Steinbruch der an
Baumaterial interessierten Ebersteinburger.