Schwaben wäre um eine schöne Burg reicher, wäre nicht das alte Schloss Herrenberg vor 200 Jahren abgerissen worden. Im Mai 1807 verkaufte König Friedrich von Württemberg die vermutlich fast 1000 Jahre alte Anlage an den Stadtrat und Zimmerer Valentin Bühler für 135 Gulden - zum Abbruch. Fast alle Steine wurden in der 100 Meter tiefer liegenden Stadt für neue Häuser verbaut. Einige markante Ruinen aber blieben bis heute übrig.
Nach dem sechs Monate dauernden Abriss standen noch eine drei Meter dicke und 20 Meter lange Mauer sowie die Basis des Pulverturms. In einem darauf erbauten Fachwerkturm hatte der Hochwächter bis 1835 seinen Ausguck, dort konnte er früh Feueralarm geben. Auch ein Teil des Schlosskellers blieb erhalten.
Der Tübinger Pfalzgraf Roland soll das Schloss der Sage nach schon 840 errichtet haben. Die erste Urkunde mit dem Namen Herrenberg stammt von 1228 zur Zeit des Grafen Rudolf II. - anlässlich eines Tauschgeschäftes mit dem Kloster Salem am Bodensee. Das Städtchen Herrenberg entstand im 13. Jahrhundert: Die Weiler Raistingen und Mühlhausen gingen in einer Siedlung am Fuß der Burg auf, am Hang dazwischen wuchs die prachtvolle spätgotische Stiftskirche empor.
Zum Schloss gehörten einst ein Wirtschaftsgebäude mit zwei Kellern, ein Palast, der Bergfried, weit ausladende Mauern und ein Verlies. Das gesamte Anwesen war 92 Meter lang und 44 Meter breit. Der pfalzgräfliche Besitz wurde bereits 1382 an den Grafen Eberhard von Württemberg und dessen Sohn Ulrich verkauft. Für das 17. Jahrhundert ist die Anlage als Jagdschloss bezeugt - in günstiger Lage am Rand des wildreichen Hügelwaldes Schönbuch.
Bei einem Erdbeben im Jahr 1733 litt nicht nur die Stiftskirche, auch das Schloss sackte um 43 Zentimeter ab. Das Geschlecht der Württemberger verlor die Lust an dem baufälligen Anwesen, die Fürsten wollten kein Geld in eine gründliche Renovierung stecken. Der erste württembergische König Friedrich, genannt der "dicke Friedrich", verscherbelte das Schloss schließlich. Der Traum einiger historisch interessierter Menschen, die Anlage aus Metallgerüsten und Folien nachzubauen, scheiterte vor einigen Jahren an Geldmangel.
Es ist eine Ironie der Geschichte: Herrenberg litt im Laufe der Jahrhunderte unter Kriegen, einem Erdbeben und der Pest, und auch zwei große Brände wüteten in der Stadt - aber das Schloss wurde nie zerstört, bis es den Spitzhacken der einheimischen Bevölkerung zum Opfer fiel. Heute sind die Schlossanlagen Schauplatz von Volksfesten und Freiluftkino. Und das 50-jährige Bestehen der Schlosskeller-Gaststätte soll 2008 kräftig gefeiert werden.
www.herrenberg.de
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