26.07.2006
Bitte keinen Sex vor der Ehe, wir sind AmerikanerInnen
Die Enthaltsamkeits-Bewegung und schulische "Abstinenzlehre" ist in den USA im Aufwind. Verzicht auf Sex vor der Ehe ist eine Tugend eines "all american girls", aber auch die eines guten amerikanischen Jungen.
Frauendiskriminierung kann der "Abstinence Clearinghouse" nicht vorgeworfen werden: Dieser Verband der EnthaltsamkeitsanhängerInnen eint Frauen und Männer in ihrer Überzeugung, dass Enthaltsamkeit vor der Ehe für beide Geschlechter der einzig richtige Weg vor Gott und den anderen ist. Und diese wollen sie auch missionierenderweise unter die noch nicht Überzeugten bringen.
Ausgerechnet in Las Vegas, der "Sündenstadt" mit seinen Spielcasinos und Strip-Clubs, fand sich diese Gruppe beim jüngsten Treffen zusammen, um über politische Strategien und die Beschaffung von Geldern für ihre Programme zu beraten und durch Aktionen wie der Verteilung von "Good Girl"-Karten auf der berühmten Vergnügungsmeile in Las Vegas die Vorzüge von Enthaltsamkeit und die Gefahren von Sex vor der Ehe zu illustrieren.
"Streichel deinen Hund - nicht deinen Freund"
Ein Grund für die Wahl von Las Vegas als Tagungsort war die wachsende Zahl der jugendlichen EinwohnerInnen, die Zielgruppe des Verbandes. Rund 26 Prozent der EinwohnerInnen von Las Vegas sind unter 18 Jahre alt. "Abstinence Clearinghouse" setzt bei der Aufklärung einzig auf Enthaltsamkeit. Die Gruppe, deren Mitgliederzahl sich seit der ersten Jahrestagung vor acht Jahren in Minneapolis verdoppelt hat, rät von der Benutzung von Kondomen ab und verweist auf die Risiken von Verhütungsmitteln. Einer ihrer Slogans, der auf Ansteckern in Las Vegas verteilt wird, lautet: "Streichel deinen Hund - nicht deinen Freund".
Abstinenzlehre an Schulen
Damit unterscheidet sie sich nicht von den anderen Gruppen gegen Sex vor der Ehe: In den USA herrscht ein gutes Klima für unzeitgemäße Aufklärungsstrategien. Durch Präsident George W. Bush haben die Vereine mehr Unterstützung aus Washington erhalten. Auch die "Abstinenzlehre" an öffentlichen Schulen, einst Domäne streng religiöser Gemeinschaften, wird in den USA immer populärer. Die finanziell geförderten Programme unterliegen strikten Auflagen. So muss den jungen Leuten vermittelt werden, "dass sexuelle Aktivitäten außerhalb der Ehe wahrscheinlich schädliche psychische und physische Auswirkungen haben". Und: In den Kursen dürfen Verhütungsmittel oder Kondome nicht als Möglichkeit zur Verhinderung von unerwünschten Schwangerschaften beziehungsweise als Schutz vor der Übertragung von Aids und Geschlechtskrankheiten propagiert werden. Gestattet ist eine Erwähnung nur in der Form des Hinweises, dass diese Mittel nicht zuverlässig und damit auch keine Alternative zur völligen Enthaltsamkeit seien.
Auch das von Bush vorgeschlagene Aidsbekämpfungspaket für Afrika in Höhe von 15 Milliarden Dollar enthält Auflagen, Keuschheit zu propagieren, welche auch eingehalten werden.
Berechtigte Kritik
KritikerInnen, aber auch unabhängige ExpertInnen bei der US-Gesundheitsbehörde CDC verweisen kontinuierlich darauf, dass es bisher keinerlei fundierte Erkenntnisse über einen Erfolg der "abstinence only"-Lehre gebe. Ungeachtet dessen hat Bush sich für den bisher höchsten Zuschuss von 135 Millionen Dollar für Enthaltsamkeitsprogramme in der Sexualerziehung eingesetzt. (red/APA)