12.05.2006
Aus der Traum – von der perfekten Beziehung und den 10 grössten Irrtümern
Uwe fällt aus allen Wolken, als seine Lebensgefährtin Mareike ihm
mitteilt: „Da gibt es einen anderen“. Nach sieben Jahren einer recht
glücklichen Beziehung packt seine große Liebe die Koffer. Eine so
schnelle Trennung kommt meistens nicht von heut auf morgen. In einer
Beziehung, in der alles bestens läuft, wird wohl niemand daran denken,
sich einen neuen Lover zu holen.
Das größte Problem ist der Alltag, wenn man nicht ständig die Augen
aufhält und für frischen Wind sorgt, kann dieser schnell die Beziehung
aufweichen.
Aber auch die Vorstellung, die in unserem Kopf schwebt, Träume und
Wünsche von der perfekten romantischen Liebe, vernebeln unser Denken,
womit wir die Realität nicht unbedingt so wahrnehmen, wie wir
eigentlich sollten.
Den Film „Pretty Woman“ kennt wohl jeder, man sitzt vor dem Fernseher
und schaut sich diese traumhafte Lovestory an, nebenbei kramt man ein
paar Taschentücher hervor, weil man zu Tränen gerührt ist. Ein
atemberaubendes Happyend, doch was kommt danach?
Gibt es bei Traumpaarbesetzung Julia Roberts und Richard Gere immer nur
Friede, Freude, Eierkuchen, oder könnte es doch evtl. vorkommen, dass
das Traumpaar irgendwann mal vom Alltag eingeholt wird? Klar, die
Filmindustrie wird uns diesen schönen Traum, der voll mit
leidenschaftlicher Romantik gefüllt ist, nicht durch langweilige
Szenen, in denen die beiden ihren gewöhnlichen langweiligen Alltag
durchleben und der weniger romantisch gestaltet ist kaputt machen.
Im Film wird einem auch nicht gesagt, welche Macken der Partner hat,
alles sieht so locker und leicht aus. Der Sex ist atemberaubend, die
Stimmung fast immer gut, und unser süßer Richard ist natürlich nicht
kaputt, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt.
Uwe, der tagtäglich Überstunden machen musste, damit die Haushaltskasse
stimmt, hatte nicht nur zu wenig Zeit für seine Mareike, nein, er war
auch zu K.O. um auf Mareikes Wünschen, nach Sex, Kuscheln und
Geborgenheit einzugehen.
„Jeden Tag dasselbe, abends essen kochen, einen müden Mann zuhören, was
auf der Arbeit los war, gemeinsam ein bisschen fernsehen und dann ins
Bett, aber selbst dort lief nichts. Uwe ist immer gleich eingeschlafen.
Es war einfach frustrierend, irgendwann musste ich einen Schlussstrich
ziehen,“ erzählt Mareike.
„Beim Einkaufen traf ich auf Karsten, wir hatten uns zwischen den
Regalen im Supermarkt kennen gelernt. Er gab sich beim Flirten richtig
viel Mühe, und ehrlich gesagt, es hat mir unheimlich gut getan, zu
merken, dass ich noch begehrenswert bin. Ich hab mich von ihm einfach
breitschlagen lassen in einem Café mit ihm einen Kaffee zu trinken.
Ich hab das Treffen mit Karsten unheimlich genossen. Ich hatte endlich
wieder jemanden, der auf mich aufmerksam war, der mich zum Lachen
brachte.
Mit Karsten habe ich mich sehr oft getroffen. Natürlich habe ich auch
über meine Probleme mit ihm geredet. Er war sozusagen der Einzige, der
mir aufmerksam zugehört hatte. Bei Uwe bestand das Problem, wenn ich
etwas gesagt hatte, das er mir das immer Böse genommen hatte. Er
vertrug die Kritik nicht, und hatte kein Verständnis für meine Wünsche.
Wir haben uns sehr oft gezofft. Irgendwann ging es für mich nicht mehr
weiter, kurzerhand habe ich dann ein intimes Verhältnis zu Karsten
begonnen. Ich hab mir die Streicheleinheiten geholt, die ich bei meinem
Mann nicht bekommen habe. Ich ging immer öfter weg und war oft nicht zu
Hause, wenn Uwe von der Arbeit kam. Das war der Punkt, an dem ich nur
noch an mich gedacht hatte.
Uwe habe ich nach und nach immer mehr von mir abgestoßen. Karsten war und ist meine neue Liebe.“
Psychologe Dieter Barke weiß aus
seinen Gesprächen mit Paaren, das die unterschiedlichen Bedürfnisse in
der Partnerschaft häufig nicht erkannt werden.
„Viele Paare reden zu wenig über ihre Bedürfnisse, sie denken
teilweise, das der Partner die Bedürfnisse von den Lippen ablesen kann,
aber das ist natürlich nicht der Fall. Die Folgen sind meistens
Unzufriedenheit, das kann wiederum mit einem Seitensprung oder gar
einer Trennung enden. Auch herrscht oft noch ein weiterer Irrtum:
“Paare dürfen keine Geheimnisse voreinander haben.“ Doch meistens endet
ein gebeichteter Seitensprung mit der Beendung einer Beziehung.
Vielen Paaren fehlt das Feingefühl auf den Partner einzugehen, damit
Probleme und Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden.“
Für Uwe und Mareike kam die Erkenntnis, zu wenig geredet zu haben, zu
spät. Doch die beiden haben aus ihren Fehlern gelernt und wissen heute,
dass sie über ihre gegenseitigen Bedürfnisse reden müssen.
„Auch wer sich liebt, versteht sich nicht ohne Worte“.
Die 10 größten Irrtümer
1. „Wir dürfen keine Geheimnisse voreinander haben.“
Falsch! Es gibt Dinge, die man einfach besser mit der Freundin oder dem Freund bespricht, als mit dem Partner.
2. „Wer mich richtig liebt, versteht mich ohne Worte.“
Es gibt keinen einzigen Menschen der Gedanken lesen kann, woher soll
ihr Partner wissen was sie mögen, wenn sie es nicht selbst sagen?
3. „Pärchen sollten so oft wie möglich zusammen sein.“
Zu viel Nähe kann erdrücken. Jeder Mensch brauch seinen Freiraum.
4. „Mein Partner muss mich glücklich machen“
Die Verantwortung für das eigene Glück trägt jeder selbst. Wer zu hohe Anforderungen stellt, wird oft enttäuscht.
5. „Wenn es beim Sex heiß hergeht, klappt der Rest auch.“
Falsch! Nur weil sie beim Sex ein gutes Paar abgeben, heißt das noch
lange nicht, das der Alltag mit ihrem Partner auch so toll ist.
6. „Gegensätze passen gut zusammen“
In der ersten Zeit des Kennenlernens vielleicht, aber später ist Teamwork und Gemeinsamkeit gefragt.
7. „Leben wir erstmal zusammen, klappt unsere Beziehung bestimmt wieder.“
Wenn es in getrennten Wohnungen schon nicht so richtig klappt, warum
sollte es ausgerechnet in einer gemeinsamen Wohnung klappen?
8. „Seitensprünge sind die Ursache für kaputte Beziehungen.“
Irrtum, Seitensprünge resultieren meistens aus einer kaputten
Beziehung, weil der Partner sein Bedürfnis nach Sex und Zärtlichkeit
nicht befriedigt wird.
9. „Wenn wir ein Kind bekommen, bessert sich unsere Beziehung bestimmt.“
Falsch! Gerade wenn ein Kind auf die Welt kommt, bedeutet das meistens
viel Stress für eine Beziehung und noch viel weniger Zeit für die
Pflege der Bedürfnisse des Partners.
10. „Je leidenschaftlicher die Liebe, desto fester die Beziehung.“
In den ersten Tagen des Kennenlernens mag es vielleicht stimmen, aber
nach einiger Zeit flaut die Leidenschaft auch ab. Außerdem gibt es
Menschen, die weniger leidenschaftlich sind, und trotzdem eine intakte
Partnerschaft führen können.