13.01.2005 Der Martinstag und seine Bräuche - November
11.11.
Der Martinstag am 11. November ist mit seinen Laternenumzügen in der
Dunkelheit Auftakt zum Brauchtumsreigen der vorweihnachtlichen Zeit.
Martini leitete den Winter ein. Im Dorf begann mit Beendigung der Feld-
und Gartenarbeit eine ruhigere Zeit, der winterlichen Ruhezeit der
Natur entsprechend.
Die langen Abende wurden zu Arbeit und Geselligkeit
genutzt. Nach der Stallarbeit und dem Nachtessen fanden sich die
Hausbewohner, dazu oft Nachbarn und Bekannte, zu kleineren Arbeiten in
der warmen Stube zusammen. Männer und Burschen reparierten
Gerätschaften, flochten Strohbänder, putzten und schleißten Weide für
Körbe, banden Besen, haspelten das Garn oder machten sich anders
nützlich.
Frauen und Mädchen saßen am Spinnrad, flickten, nähten oder
strickten. Gleichzeitig verlasen Kinder Bohnen, Erbsen und Linsen oder
drehten die Haspeln. Die Mädchen wurden ins Spinnen eingewiesen, was
schon mit sechs, sieben Jahren geschah.
Wer war dieser Martin eigentlich?
Martinus wurde um 316/17 in Ungarn als Sohn eines römischen Offiziers
geboren, mit 15 musste er auf Geheiß seines Vaters in die gallische
Armee eintreten. Einige wenige Jahre später soll es im französischen
Amiens zu der "Mantelteilung" gekommen sein, wobei Martin die eine
Hälfte seines warmen Mantels einem armen Bettler schenkte - heute das
christliche Symbol für Mildtätigkeit!
Er ließ sich taufen und war dann Einsiedler und Klostergründer bei
Poitiers, gegen seinen Willen Bischof von Tours und berühmt und beliebt
durch seine Wunderkraft und Menschenfreundlichkeit.
Der heilige Martin ist der Schutzheilige der Armen, der Reiter und der
Soldaten, an seinem Tag begann früher das vierzigtägige
Weihnachtsfasten, woran uns heute nur noch der pompöse Beginn des
Karnevals erinnert. Sein Gedenktag wurde in einen Zeitabschnitt gelegt,
in der in vorchristlicher Zeit ein dem Wotan geweihtes Herbstdankfest
gefeiert wurde. Das ist der Grund, warum sich in das Martinsfest viele
heidnische Gebräuche mischen.
Sankt Martin starb um 397, wurde im 5. Jahrhundert Heilig gesprochen
und zum Schutzheiligen des christlichen Frankenreiches erklärt.
Sankt Martin und die Gänse:
Nicht nur üppige, fette Gänsebraten haben wir an diesem Tag dem Martin
zu verdanken - auch dem neuen Wein wurde am Martinstag traditionell
zugesprochen. So wurde schließlich der heilige Martin auch noch der
Patron der Gastwirte und Trinker. Da blieb es natürlich nicht aus, dass
im Volksglauben Martin selbst zum Schluckspecht wurde. Ein altes
Trinklied unterstellt dem heiligen Martin gar, dass er seinen Mantel
nicht aus Gründen der Wohltätigkeit teilte, sondern nur deshalb, weil
er seine Zeche nicht bezahlen konnte.
Im Mittelalter nannte man die Trinkgelage zu Ehren des Heiligen
"Martinsminne", Wer zu viel getrunken hatte, wurde als "Martinsmann"
verspottet.
Die Legende berichtet, dass die Bewohner von Tours Martin als
Nachfolger des gerade verstorbenen Bischofs auserwählt haben. Da er
sich des Amtes für unwürdig hielt, versteckte er sich in einem
Gänsestall. Doch durch das Geschnatter der Gänse wurde er verraten und
man fand ihn. Eine andere Erzählung weiß zu berichten, dass die Gänse
einmal mit ihrem lauten Schnattern eine Predigt des heiligen Martin
gestört haben.
In beiden Fällen nahm Martin den Gänsen ihr lautes Geschnatter offenbar
sehr übel, denn fortan finden sich Gänse jedes Jahr zu Martini als
knusprige Braten auf dem Tisch wieder. Der Martinsgans wird übrigens
seit alters her besondere Heilkraft zugeschrieben. Ihr Fett soll gegen
Gicht helfen und ihr Blut gegen Fieber. Als Wundermittel gegen
Epilepsie gilt eine Feder vom linken Flügel; sie muss verbrannt, mit
Wein vermengt und anschließend getrunken werden. Wenn Zwei versuchen,
den V-förmigen Brustknochen der Gans zu zerbrechen, so geht dem ein
Wunsch in Erfüllung, der das größere Stück in Händen hält. Auch die
Farbe dieses Knochens hat eine tiefere Bedeutung: ist er blass und
weiß, so gibt es einen kargen, kalten Winter, hat er eine schöne rote
Farbe, so gehen einem im Winter die Vorräte nicht aus.
Darüber hinaus gibt es auch ganz rationale Erklärungen für den
Gänsebraten zur Martinszeit. An diesem Tag ging das Pachtjahr zu Ende,
die Zehnten mussten eingeliefert und Zinsen sowie Schuldgeld an die
Grundherren bezahlt werden. Zur Zeit der Naturalwirtschaft gehörten
auch Gänse zu den Abgaben. Außerdem begann früher um Martini die
Schlachtzeit, die mit üppigen Festessen verbunden war, bei denen
gebratene Gänse aufgetischt wurden.
Es mussten Fleischvorräte für den Winter angelegt werden. Durch
Räuchern und Pökeln, später auch durch Einwecken, wurde das Fleisch
haltbar gemacht. Frisches Fleisch gab es am Schlachttag selbst,
wenn Helfer, Verwandte, Freunde und Nachbarn zur "Metzelsuppe"
zusammenkamen. Es war üblich, dass man den Nachbarn, die keinen
Schlachttag hatten, Fleisch und Wurst brachte. Auch Lehrer und Pfarrer
wurden bedacht. Die Dorfarmen kamen mit einem Gefäß, in das die Bäuerin
neben Fleisch und Wurst auch eine kräftige Brühe hineingab. Dienstboten
und Kinder konnten essen, soviel sie wollten - das kam nicht alle Tage
vor.
Am Schlachttag wurde nicht gegeizt. Da gab es schon zu Mittag eine
große Schüssel Kesselfleisch mit Kraut, Kartoffeln oder Brot. Das
"Festmahl" mit einer ganzen Reihe von Gerichten war am Abend. Zu dessen
Vorbereitung standen die Frauen viele Stunden in der Küche:
Nudelsuppe vom Rindfleisch
gekochtes Rindfleisch mit Meerrettich
Rinderbraten mit Nudeln
Schweinebraten mit Salat oder Kraut
Gänsefleisch
Als Nachtisch gab es Gugelhupf und Schmalzgebäck. "Martinischiffle",
Martinswecken, -ringe und -küchle waren Geschenke an Dienstboten und
Kinder. Junge Mädchen beschenkten ihre Verehrer damit. Noch heute wird
Martinigebäck von den Bäckereien angeboten.
Martinsküchel:
500 g Weizenmehl
80 g Zucker
80 g Butter, sehr weich
Milch
30 g Hefe
Salz
100 g Rosinen
Alle Zutaten müssen Zimmerwärme haben. Das Mehl in eine Schüssel
sieben, Hefe mit der Hälfte des Zuckers verrühren, etwas warme Milch
hinzugeben. Alles in die Mitte des Mehls rühren und gehen lassen. Alle
übrigen Zutaten zugeben und so viel warme Milch hinzufügen, dass ein
dickflüssiger Teig entsteht. Wieder gehen lassen, bis der Teig locker
ist und leichte Blasen bildet. Mit einem Löffel Teigstücke in siedendes
Fett gleiten lassen und goldbraun ausbacken. Martinsküchle sofort mit
Zucker bestreuen und möglichst frisch essen.
Martinischiffle:
Ein Mürbeteiggebäck in Schiffchenform, oft mit Rosinen gefüllt, das die
Schulkinder von der Mutter bekamen, damit sie es dem Lehrer mitbrachten.
Zum Nachbacken das Rezept:
Zwei Eier verquirlen und in einen Topf geben. 125 Gramm zerpflückte
Butter hinzugeben, die auf schwacher Hitze mit den Eiern schmelzen
soll, dann eine Prise Salz, 200 GrammZucker, 1/4 Tasse Zitronensaft,
ein Beutel Vanillezucker, eine Tasse gewaschene und in Weißwein
geweichte Rosinen und eine halbe Tasse grob gehackte Walnüsse
dazugeben, gut verrühren und in fertige Teigförmchen füllen. Die Masse
reicht ungefähr für 15 große oder 20 kleine Schiffchen. Man sollte sie
nicht zu üppig füllen, da diese Mischung sehr reich und sättigend ist.
Martinsgänse (aus Mürbeteig)
250 g Mehl
1/2 P. Backpulver
100g Zucker
1 P. Vanillinzucker
1 Prise Salz
1 EL Zitronensaft
1 Ei
125 g Butter
1 Eigelb
2 EL Milch
Mehl und Backpulver mischen, auf die Arbeitsfläche geben und in die
Mitte eine Vertiefung drücken. Zucker, Vanillinzucker, Salz,
Zitronensaft und Ei hineingeben. Butter in Flocken auf dem Mehlrand
verteilen. Jetzt alle Zutaten rasch und gründlich zu einem glatten Teig
verkneten und für 30 Minuten im Kühlschrank rasten lassen. Mürbeteig
nicht zu dünn ausrollen und mit einem Ausstecher oder mit einer
Schablone Gänse ausstechen oder ausrädern. Die Formen auf ein leicht
gefettetes Backblech legen, das Eigelb und die Milch verquirlen und die
Gänse bestreichen.
Backzeit: etwa 15 Minuten Backhitze: 200 Grad
Die Martinsgans:
Der Geschmack der Gans hängt sehr entscheidend von deren Zubereitung
ab. Heute verzichtet man meist auf eine Füllung, dabei bringt gerade
sie die feinen Gewürze in das Fleisch. Früher gab es keinen Gänsebraten
ohne die wohlschmeckende und als Beilage servierte Füllung. Dabei wird
eine Volkstumsgrenze in der Geschmacksrichtungen deutlich, die man in
Höhe des Harzes ansetzen kann. Während nördlich die Füllung überwiegend
aus Mettgut, kräftig abgeschmeckt mit Zwiebeln, Knoblauch, Kräutern,
Salz und Pfeffer sowie gestreckt mit eingeweichten Semmeln zubereitet
wurde, liebte man südlich sauer-süße Füllungen. Hier bildete eine
Semmelfüllung die Basis, die mit reichlich Kräutern, gekochten und
durchgedrehten Esskastanien, gerösteten Nüssen, in Wein gebratenen
Apfelspälten, Backpflaumen, Essig, Zucker und Salz sowie Rotwein
angereichert und abgeschmeckt wurde.
Die Füllungen sind gut zum dekorativen Anrichten geeignet. Das
aufgesaugte Fett macht sie zu einer außerordentlich sättigenden und
würzigen Beilage. In der Bratröhre gut begossen, sollte die Gans außen
knusprig und innen zart sein.
Gänsebraten hier und anderswo:
Der Gänsebraten "an sich":
Die ausgenommene Gans innen und außen gut mit Salz einreiben, mit
einigen möglichst kleinen Äpfeln ohne Kerngehäuse und einem Stiel
Beifuss füllen, zunähen, etwas kochendes Wasser untergießen und im
eigenen Fett knusprig braun braten. Wenn die Gans sehr fett ist, die
Haut an mehreren Stellen einstechen, damit es leichter ausbrät. In
diesem Fall die Soße gut entfetten! Häufiges Begießen ist wichtig! Den
Bratsatz mit guter Brühe auffüllen und diesen Saft der zerlegten Gans
beigeben. Dazu Apfelrotkohl und Thüringer Klöße
Polnischer Gänsebraten:
Die Gans wie üblich vorbereiten. Zwei ganz fein geschnittene Zwiebeln
in etwa 100 g Schmalz {oder auch Gänseschmalz, wenn man es vorrätig
hat) anrösten, dazu 500 g bis 750 g in Scheiben geschnittene rohe
Kartoffell geben und unter öfterem Schütteln halbweich dünsten. Dazu
die feingehackte Gänseleber und eine Handvoll rohes, kurz geschnittenes
Sauerkraut geben, mit Salz, Majoran und zwei Esslöffeln geriebenem
Meerrettich würzen. Mit dieser grob durchgearbeiteten Mischung die Gans
füllen, zunähen und sehr saftig braten. Als Beilage Grießklöße und
Grünkohl servieren.
Ungarischer Gänsebraten:
Eigentlich ist das gar kein spezielles Rezept. Man brät die Gans in
Ungarn meist sehr knusprig und reicht dazu unter allen Umständen
Gurkensalat in saurer Sahne. Aber auch Kraut und zarten Kürbis in Dill
und nicht zu vergessen die Nockerln oder eine andere Mehlspeise.
Schwedischer Gänsebraten:
Die Gans wie üblich vorbereiten und mit Äpfeln und Backpflaumen füllen:
die Pflaumen halbgar kochen, aber nicht entsteinen, die Äpfel vierteln,
vom Kerngehäuse befreien, aber nicht schälen. Die Gans zunähen, langsam
im Ofen braten, häufig begießen. Zu diesem Braten die Soße extra
reichen und dazu Äpfel servieren, die man ohne Kerngehäuse halbweich
gebraten und mit je einer entsteinten Backpflaume gefüllt hat.
Französischer Gänsebraten:
Die wie üblich vorbereitete Gans mit einer nicht zu fetten Farce aus
gehacktem Schweinefleisch und reichlich angeschwitzten Zwiebeln, die
man mit etwas Thymian gewürzt hat, füllen; zunähen, sehr saftig braten
und häufig begießen. Die Soße mit etwas Apfelmus verrühren und den
Braten mit Sauerkraut servieren, das in Gänseschmalz angebraten
wurde.