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23.04.2008
Bier schreibt Geschichte - Die Geschichte des Bieres



Die Geschichte des Bieres reicht tief in die Jahrtausende zurück. Es muss wohl so begonnen haben, dass irgend ein aufmerksamer Geist beim Backen eines Brotes das Gären des Kornes entdeckte. Schrifttafeln aus Mesopotamien aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. weisen auf diesen Werdegang hin und liefern den Beweis für die Existenz des Bieres schon zu jener Zeit. Im Ägypten des 2. Jahrtausends vor Christus war das Bier Nationalgetränk; es wurde der Sonnengöttin Orisis zugeschrieben. Die Brauereien befanden sich natürlich im Besitze der Pharaonen, welche die Zuteilungen vornahmen ... und zweifellos Steuern einzogen.

Damals waren die Biere noch süsslich. Die Wirkung des Hopfens wurde erst Jahrtausende später entdeckt, sodass das damalige Bier mit Myrte, Safran und Anis gewürzt wurde. Bier gehörte zu den verderblichen Waren, weshalb das Problem der Haltbarkeit oft mit grauslichen Mitteln wie Ochsengalle und Bilsenkraut angegangen wurde.

Es versteht sich, dass auch die Chinesen ein bierähnliches Getränk herstellten und dafür Reiskörner verwendeten.

Als 800 n. Chr. Karl der Grosse in Rom vom Papst gekrönt wurde gelangte nicht nur ein starker Kaiser, sondern auch ein schlauer Kaufmann an die Macht, welcher sehr schnell das Braurecht an sich riss. In diese Zeit fielen auch die Anfänge der handwerklichen Braukunst – bisher war Backen und Brauen weitestgehend Hausfrauenarbeit.

Die Industrialisierung im letzten Jahrhundert brachte der Bierbranche einen massiven Strukturwandel. Zusammenschlüsse fanden statt.

Diese kurze Zusammenfassung erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir wollen aber darauf hinweisen, dass Bier Geschichte geschrieben hat und aus der Kultur vieler Gesellschaften bis heute nicht wegzudenken ist.

Biergeschichte - Im Zeitraffer:

Um 7000 v. Chr.:
Anbau von Gerste und Emmerweizen im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, im Tarimbecken und der Senke von Lobnor im chinesischen Sinkiang, im Mittellauf des Syrdarja (Kasakstan) sowie im Pandschab nachweisbar. Diese Erzeugnisse waren schon im Altertum die Grundstoffe zur Bierbereitung.

Um 4000 v. Chr.: Erste erhaltene Darstellung des Bierbrauens durch die Sumerer auf kleinen Tontäfelchen. Sie befinden sich im "Louvre de Paris".

Um 3400 v. Chr.:
Älteste bis jetzt bekannte Darstellung von Biertrinkern auf einer bemalten Tonvase der Urukstufe. Fundort: Khafaje/ Irak.

3. Jahrtausend v. Chr.:
Entstehung des "Gilgamesch- Epos". In dieser Sage wird der Urmensch "Enkidu" durch den Genuss von Bier und Brot erst zum eigentlichen Menschen.

Um 2700 v. Chr.:
Älteste Aufzeichnungen über die Bierbereitung und Biersorten aus der Gemdes-Nasr-Periode. Im frühsumerischen Sprachkreis nennt man die Bierbrote "Bapir" und das daraus entstandene Getränk "kasch", woraus sich später im slawischen Sprachkreis der Ausdruck "kwas" ableitete. Die Akkader nannten die Bierbrote "bapiru" oder gekürzt "piro", woraus später in den slawischen Sprachen sich das Wort "piwo" entwickelt haben dürfte.

2. Jahrtausend v. Chr.:
Ältestes bekanntes Braueremblem, die Spitzhacke des babylonischen Brauergottes Marduk.

Um 1800 v. Chr.: Der "Kodex Hamurabi", die älteste Gesetzessammlung der Welt, enthält auch zwei Anordnungen über die Herstellung und den Verkauf von Bier, sowie Höchstpreise und Umrechnungsbestimmungen von Getreide zu Bier. Die Stammwürze der einzelnen Sorten wurde festgelegt, ebenso die Deputatmenge für die einzelnen Bevölkerungsklassen. Diese Gesetztessammlung war auf einem Dioritstein mit Keilschrift geschrieben worden. Er wurde 1902 bei Susa/ Irak gefunden und ist heute im "Louvre de Paris".

Um 1600 v. Chr.: Beschreibung einer altägyptischen Brauerei auf einer Tontafel.

Um 1500 v. Chr.: Bronzezeit in Mitteleuropa. Backteller zur Herstellung von Fladenbroten zur Bierbereitung.

Um 1200 v. Chr.: Bierherstellung auch in China, Peru und Turkmenistan.

Um 800 v. Chr.: Bis jetzt ältester Nachweis über das Bierbrauen auf deutschem Boden durch gefundene Bieramphoren der früheren Hallstattzeit. - Fundort: Kasendorf bei Kulmbach.

Um die Zeitwende: Die Bierherstellung ist bei fast allen germanischen Stämmen obligatorisch. Auch von den Römern wird Bier, wenn es auch vielfach als Barbarengesoeff verschmäht wurde, nicht nur ausserhalb ihres Landes getrunken.

260 n. Chr.: Bierverleger in Deutschland, belegt durch einen bei Trier gefundenen Bierverlegerstein.

358: Aus diesem Jahr stammt ein bei Alzey gefundenes Dolium = Tonfass mit zwei Henkeln. Es enthielt noch Reste einer Braunbiermaische.

ca. 610: St. Gallus bringt durch seinen Hauch ein Bierfass zum Platzen, das für ein heidnisches Bieropfer für Wotan gedacht war. Dafür vertrieben ihn später die Bregenzer.

719: Die Lex Alemannorum von Herzog Lantfrit von Schwaben bestimmt für die unfreien Bauern u.a. die Abgabe von Bier an die Herrschaft.

720: Bischof Othmar verwandelt die St. Gallus'sche Einsiedelei an der Steinach in ein Benediktinerkloster um.

743: Die Lex Bajuwariorum von Herzog Odilo von Bayern bestimmt ähnliche Auflagen wie die Lex Alemannorum.

764: ältester Nachweis über Hopfenanbau in Deutschland bei Geisenfeld/Hallertau.

Um 800: Hopfenanbau auch bei St. Gallen durch Kriegsgefangene und Weihenstephan.

815: Ältester Nachweis von Münchener Bier.

816 - 837: Unter Abt Gozbert entsteht der berühmte Klosterbauplan von St. Gallen, der drei Brauereien vorsah. Eine war für die Klosterbesatzung, eine für die Armen und Pilger und die dritte für das für gut zahlende Kundschaft eingerichtete Gästehaus bestimmt. Das Appenzeller Land wird zum Gerstenlieferanten des Klosters verpflichtet.

1143: Als älteste erhaltene Brauerei braute das Weihenstephaner Kloster Bier. Nach der Säkularisation verfiel die Brauerei an den bayerischen Staat, der Braumeister ist offiziell Staatsbeamter.

1156: Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, regelt die Rechte der Stadt Augsburg neu und erlässt dabei Qualitätsvorschriften für das Bier.

Um 1200: Erste Nachweise über die Ausfuhr von Bier nach Skandinavien und Flandern von norddeutschen Brauereien. Die Hansestadt Hamburg ist wichtigster Hopfenmarkt, wichtigstes Hopfenanbaugebiet ist das heutige Land Mecklenburg.

1250 - 94: "König" Gambrinus alias Jan Primus, Herzog von Brabant, bekannt als unbändiger Biersäufer, Minnesänger und Weiberheld, endet auf einem Turnier, nachdem er durch eine Bierlist abgelenkt wurde.

15. - 16. Jhdrt.: Städte und Landesherren drängen mit den Brauerzünften und durch Brau- und Handelsverbote die dominierenden Klosterbrauereien zurück. Die Brauerzuenfte werden zu den mächtigsten Zünften, stellen in Bürgerwehren eigene Kampfverbände auf und übernehmen Ehrenämter, wie das Totengräberwesen z.B. bei den grossen Pestepidemien.

1447: älteste Fassung des Reinheitsgebotes. Der Rat der Stadt München bestimmt folgendes: "Item sie sullen auch pier und greussing sieden und prewen nur allein von Gersten, Hopfen und Wasser und sonst nichts darein oder daruntter thun noch sieden oder man straffe es fuer valsch".

1516: Das Reinheitsgebot gilt erstmals für ganz Bayern. Erlassen am 24.4. (Georgitag) auf dem Landtag zu Ingolstadt von den gemeinsam regierenden Herzögen Wilhelm IV. und Ludwig X.. Es ist die älteste lebensmittelrechtliche Bestimmung der Welt, die heute noch gilt.

1592: Erste europäische Bierausfuhr nach Nordamerika. Französisches Bier für Niederlassungen am St.-Lorenz-Strom.

1648:
Während des 30-jährigen Krieges entstanden trotz umfassender Wirren im deutschen Raum eine vielzahl gewerblicher Brauereien. Bier wird zum preistreibenden Kostenfaktor in der Kriegsführung. Einem Landsknecht standen 15 alte Mass ( = 1,16 ltr.) pro Tag zu.

1700: Die untergärige Brauweise, die sich bereits im 15. Jhdrt. vermutlich als Folge des Reinheitsgebotes im Süden ausbreitete, wurde in Bayern obligatorisch. Die Herstellung obergäriger Weizenbiere war ausschliesslich den kurfürstlichen Brauhäusern vorbehalten.

19. Jhdrt.: Erfindungen wie die James Watt'sche Dampfmaschine, Louis Pasteur's Hefeerklärung, Robert Koch's Hefereinzucht und isobarometrische Abfüllung etc. leiten auch im Brauereiwesen das revolutionäre Zeitalter der Industrialisierung ein. Bier wurde in
der Herstellung billiger und wurde auch für die einfachen Leute und Arbeiter erschwinglich bzw. wurde billiger als andere Getränke wie Kaffee oder Wein.

1835: Auf der ersten deutschen Eisenbahnfahrt auf der Strecke Nürnberg/Fürth werden auch zwei Fass Bier der Lederer-Brauerei als Frachtgut transportiert.

1840: Letzter Hexenprozess gegen einen erfolgreichen Braumeister im Grossherzogthum Baden.

1843: Der Tscheche Balling erfindet das Saccharometer (Extraktspindel), ein heute noch unentbehrliches Instrument in der Brauerei.

1870: In der Spatenbrauerei München beginnen die ersten Versuche mit künstlicher Kühlung unter Carl v. Linde.

1871: Erste internationale Brauereiausstellung und Gründung des Deutschen Brauer-Bundes in Dresden.

1880: Es gibt die meisten gewerblichen Braustätten in der Welt, in Deutschland alleine 19.110. Von diesem Zeitpunkt an nimmt die Zahl der Brauereien ständig ab.

1889: Der gebürtige Altbayer Enzinger konstruiert das erste Bierfilter.

1892: Erfindung des Kronkorkens durch den Amerikaner William Painter.

1900: Bierausstoss in der Welt 252 Mio. Hektoliter, allein in Deutschland 67 Mio. Hektoliter

1936: In den USA übertrifft 3 Jahre nach Aufhebung der Prohibition der Bierausstoss wieder den von Deutschland; letzmalig war dies vor dem 1. Weltkrieg mit 76 Mio. Hektoliter gegenüber 70. Mio. deutschen Hektoliter.

50 - 60er Jahre: Beginn einer erneuten technischen Revolution im Brauereiwesen. Massefilter werden durch Kieselgur- und Schichtenfilter verdrängt, Holzfässer von Aluminium- und Edelstahlfässern, die Bügelverschlussflasche von Flaschen mit Kronkorkverschluss bzw. Plastikverschluss in der Schweiz. Hydroautomatic- und Schrittschaltsteuerungen halten in der Brauerei Einzug.

70er Jahre: Die ersten Computer-Sudhaussteuerungen leiten im grossen Stil die computergesteuerten Prozesssteuerungen in allen Bereichen der Brauereien ein. Anfangs mussten die Sudprogramme mit Programmsteckern eingegeben werden (Ziemann), während der Computer die Steuerungen überwachte. Sudhaustechnologien (Niederdruckkochung, Infusionsverfahren) werden unter dem Eindruck der Ölkrisen überarbeitet, die klassische Gärung durch zylindrokonische Gärtanks verdrängt. Radikale Marktumbrüche lösen die ersten grossen Brauereisterben nach dem 2. Weltkrieg aus.

80er Jahre: 1981 beträgt die Weltbiererzeugung fast 1 Mrd. Hektoliter bei etwas über 3000 gewerblichen Brauereien in der ganzen Welt. Weitere technische Fortschritte treiben die Rationalisierung voran. Vollautomatische Blockregallager, Fasskeller (durch die die Fässer vom walzenförmigen Keg verdrängt wurden), über Funk und Telefon betriebene computergesteuerte Fuhrparklogistik etc.. Verstärktes Umweltbewusstsein und Auflagen zwingen die Betriebe Öko-Systeme zu erarbeiten, wie Abwasser- und Abfallvermeidung und -entsorgung, Energiebilanzen, straffere Betriebs- und Fuhrparksführung, modernisierte Marketingsstrategien etc.. 

90er Jahre: Gesamteuropäische Ausrichtung von Politik und Marktgeschehen bedrohen aktiv die Aufrechterhaltung des Reinheitsgebotes. Bier wird EG-weit durch Steuerprotektionismus belastet, während Wein keinerlei Besteuerung erhält. Neue Marketingstrategien sind nötig, besonders in Hinblick auf die Auflösung des ehemaligen Ostblocks. Verstärkte Verschachtelung internationaler Braukonzerne.






www.de.wikipedia.org/wiki/Bier


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