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22.04.2007
Die Zukunft isst vegetarisch - Frank Oehler - Chefkoch im Erbprinz Ettlingen



Spitzenkoch Frank Oehler praktiziert seit Jahren Kunst am Kochtopf und wähnt sich auf der richtigen Seite. Frank Oehler, Jahrgang 1964 aus Hawangen im Allgäu, ist einer der „Jungen Wilden” der deutschen Kochszene. Nach Stationen in Top-Restaurants in aller Welt und dem eigenen Gourmetrestaurant „D`Rescht” kocht er seit 2005 im Hotel-Restaurant Erbprinz in Ettlingen und hat dafür einen Michelin-Stern und 16 Punkte Gault Millau erhalten. 


Frank Oehler ist angekommen. Zum ersten Mal in seinem Leben. So sagt er jedenfalls. Und untermauert das mit Sätzen wie „Ich bin nicht mehr der Jüngste“ und „Ich fange jetzt Golfspielen an“. Er ist 43 Jahre alt.


 Sogar das Rauchen hat er aufgegeben. Als er die Glimmstengel noch schachtelweise schlotete, wurde der Spitzenkoch aus dem Unterallgäuer Hawangen zu den „Jungen Wilden“ gezählt. „Das mit dem jung hat sich erledigt“, sagt er grinsend, eine gewisse Wildheit sei geblieben. Die braucht man wohl auch, wenn man mit einem 25-köpfigen Team einem Traditions-Restaurant wie dem „Erbprinz“ in Ettlingen innerhalb von zehn Monaten einen Guide-Michelin-Stern erkocht. „Er verknüpft hohe handwerkliche Präzision mit kreativen Impulsen“ schreibt Gourmet Führer Gault Millau. Dabei stand seine Karriere zuletzt unter keinem guten Stern: „ D’Rescht“ in Hawangen hatte Oehler mit viel Elan und Kreativität zum Gourmet Tempel für Experimentierfreudige gemacht. Die Kreationen seiner Cucina Erotica, seiner „geilen Küche“ trugen Namen wie Gummibärchenparfait und Blutwurstragout. Kunst und Kochtopf praktizierte er dort. Doch den Weg in die Provinz fanden zu wenige, weshalb Oehler seine Zelte abbrach und uns ins sonnige Spanien reiste, um dort die Restaurants eines Fünf-Sterne-Hotels zu führen. „Ich komme nicht mehr zurück“. hatte er damals behauptet. Nun ist er wieder da: Das Hotel wurde an eine Billigkette verkauft, er ging nach London, lehnte Angebote aus Kuala Lumpur ab, um schließlich in Ettlingen zu landen.

 

Natürlich nicht ohne in Marbella kulinarische Duftmarken zu setzen: Vier Monate brauchte er für seinen ersten Stern- „ein Quickie“, wie er lächelnd sagt. Vielleicht war Spanien für den Sonnyboy einfach nicht das richtige. Dort macht momentan unter Führung von Ferran Adrià die Laborküche Furore. Mit wissenschaftlichen Methoden werden Aggregatzustände von Speisen verändert, heißes Eis serviert und Kartoffeln in Wasser frittiert. Doch an diesem molekularen Kochen will sich Oehler nicht die Finger verbrennen. „Schmarren“, kommentiert er die akademische Herangehensweise. „Da fällt mir noch genug anderes ein“, fügt er selbstbewusst hinzu. Wie man sich einen Stern erkoch, ist für den Mann mit schulterlangem Haar längst kein Geheimnis mehr: Mit Fleiß und Disziplin! Fleiß und Disziplin? Da ist von dem jungen Wilden aber nicht viel übrig geblieben. „Das Hitzige ist weg“, gibt er offen zu: „Ich nehme jetzt Rücksicht auf meine Gäste.“ Es blieb ihm auch nicht viel übrig, denn das Erreichen eines Sterns für den Erbprinz war vertraglich festgeschrieben. Zwei Jahre hatte er Zeit, nun hat er nicht einmal die Hälfte gebraucht. Zeit zum Ausruhen? „Ein zweiter Stern wäre schön“, sagt er.

 

Aber Ettlingen? Das kling doch eher nach Schupfnudeln und Spätzle. Weit gefehlt! „Das ist Bundesliga“ sagt Oehler. Und er ist der Teamchef, dirigiert mit Headset und Lautsprecher seine Mannschaft, als bekennender Choleriker auch mal im rauem Tonfall. „Da ist die Front“, sagt er. Vor ihm kämpften dort Eckart Witzigmann und Hans Haas. Eine echte Kaderschmiede.

Kein Wunder, dass die Kochwelt den neuen Küchendirektor hofiert. Vorträge hält der Hawangener nun. Und das, obwohl ihm die Worte so schnell aus dem Mund sprudeln wie Sekt aus einer gut geschüttelten Flasche. In seinen Referaten geht es nicht etwa um Soßenrezepte: strategisches Handeln, dialektisches Denken wird dort diskutiert. Denn Oehler blickt über den Tellerrand hinaus. Liest Musil. Will eine neue Denkstruktur in der Küche etablieren. Denn nur Gastronomen mit Visionen haben Zukunft, glaubt er. Aber wie sieht diese Zukunft aus? Doch essen aus dem Reagenzglas wie Adrià? Oehler winkt ab. „In Zukunft wird vegetarisch gekocht! Dank Gammelfleisch werde sich ein neues Bewusstsein entwickeln, das Stichwort dazu lautet „Organic“. Und die Kochkluft zwischen der breiten Masse, die sich billig und schlecht ernährt, und den wenigen, die auf Qualität achten, werde sich vergrößern

 

Oehler sieht dieser Zukunft gelassen entgegen. Er wähnt sich auf der richtigen Seite. Er ist angekommen im Erbprinz in Baden-Württemberg. Als er sich auf den Weg macht, baumelt an seinem Arm eine Tüte mit einem Trachtenjanker, den er gerade gekauft hat. „Allgäu“ steht da groß hinten drauf.




Küchenchef Frank Oehler
  • Geboren am 09.Mai 1964 in Mussenhausen
  • Berufsausbildung zum Koch 1978 bis 1981
  • Restaurant Benz
  • Restaurant Alpenhof in Murnau
  • Seehotel Restaurant "Siber"
  • "Schweizer Stuben", Wertheim
  • Sous Chef in London bei Anton Mosimann
  • Sous Chef in Basel im Teufelhof
  • Eigenes Restaurant D'Rescht in Hawangen im Allgäu
    Entdeckung des Jahres Gault Millau
    Menü des Jahres Gault Millau
  • Executive Chef Las Dunas/Marbella
  • Executive Chef Mosimann London
  • seit 2005 im Erbprinz

Cucina Erotica / Ein Fotobuch, das es so noch nicht gegeben hat

Eden / Das Arrangement zum Film



www.frank-oehler.de
www.erbprinz.de



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