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18.07.2005
Alternativen entwickeln – Ziele verwirklichen
Indem wir Entscheidungen treffen, die mit einer neuen Zielsetzung
einhergehen, machen wir zugleich einen ersten Schritt, um die gewohnten
Pfade unseres Denkens zu verlassen und mögliche Handlungsalternativen
zu entwickeln. Jeder Mensch ist voller Wünsche, Ideen und Ziele. Viele
davon schwelen namenlos unter der Oberfläche, ohne jemals ausdrücklich
formuliert zu werden; andere hingegen sind mit großer Entschlossenheit
verbunden und drängen förmlich zu Taten.
Hier gehen mit den Zielsetzungen dann auch eine prinzipielle
Bereitschaft und ein echter Wille zur Veränderung einher. – Und dennoch
müssen wir rückblickend oft feststellen, dass es bei der Umsetzung dann
doch an der letzten Konsequenz fehlte und schließlich wieder einmal
alles beim Alten geblieben ist.
Allzu oft stecken wir beharrlich im Netz alter Gewohnheiten fest – es gibt allerdings Wege, um sich daraus zu befreien.
Fast jeder Mensch kennt es aus eigener Erfahrung mit den vielen
lästigen Kleinigkeiten, die wir eigentlich schon längst erledigen
wollten: Wir haben die zweifelhafte Begabung, Dinge hartnäckig auf die
lange Bank zu schieben.
Mit geradezu bewundernswerter Kreativität finden wir immer neue
Argumente, warum genau jetzt nicht der richtige Augenblick ist, um mit
einer Sache zu beginnen. So manches wird dabei solange vor sich her
geschoben, bis es schließlich wieder gelingt, sich ganz davor zu
drücken, überhaupt auch nur einen Anfang zu machen.
Aller Anfang ist schwer
Mit der reinen Entscheidung dafür, dass sich etwas ändern soll, sind
wir meist noch schnell bei der Hand, und gerne malen wir uns dabei aus,
wie befriedigend es doch wäre, ein ganz bestimmtes Ziel erreicht zu
haben. Impulse gibt es, gehört man nicht gerade zu den etwas
phlegmatischen Menschen, mehr als genug, und auch an konkreten
Zielvorstellungen mangelt es meist nicht. Wir wissen genau, wie richtig
und gut es wäre, dieses oder jenes anzugehen und auch tatsächlich zu
realisieren. Woran es immer wieder hapert, ist die Zeitspanne zwischen
dem ersten Impuls bzw. der Entscheidung und dem eigentlichen Ziel. Man
würde so gerne, könnte und sollte auch – soweit sind wir uns noch
sicher. Doch dann will sich der rechte Zeitpunkt für einen echten
Anfang einfach nicht einstellen. Es kommt immer etwas dazwischen:
Ohnehin ist gerade so viel Trubel, dann ist etwas anderes im Moment
doch wieder dringender. Oder man fühlt sich zurzeit einfach nicht in
der Lage, verschiebt alles, zuerst um eine Woche, dann um einen Monat.
Und schlussendlich gerät das ersehnte Ziel fast schon in Vergessenheit.
Und selbst, wenn wir uns einen Ruck geben und wirklich zur Tat
schreiten, heißt das noch lange nicht, dass ein eingeschlagener neuer
Weg auch zu Ende gegangen wird. Schnell ist der anfängliche Elan auch
wieder verpufft, wenn erste Hindernisse auftreten oder wenn erkannt
wird, dass echte Kontinuität gefragt ist, um ein Ziel tatsächlich zu
erreichen. Die Wirklichkeit sieht plötzlich ganz anders aus, sie passt
nicht mehr mit dem zusammen, was man sich zuvor so schön vorgestellt
hat. Folglich gerät die Sache wieder ins Stocken, weil uns nach und
nach der Mut verloren geht. Und ist erst einmal der Wurm drin, türmen
sich die einzelnen Hindernisse zu scheinbar unüberwindlichen Barrikaden
auf. Weit ist es jetzt nicht mehr bis zum vollständigen Abbruch. –
Zurück bleiben Mutlosigkeit und Unzufriedenheit, die auch das Erreichen
der nächsten Zielsetzung nicht eben erleichtern.
Naturgemäß sind kleinere und kurzfristig erreichbare Ziele immer
leichter zu verwirklichen als die großen Projekte, die auf dauerhaften
Einsatz angelegt sind. Alle Zielsetzungen, insbesondere die
langfristigen, erfordern eine Abkehr von den alten Gewohnheiten. Nur
sind es gerade diese alten Muster, bei denen wir uns ganz wohl fühlen.
Im Schoß des Bekannten und Althergebrachten wiegen wir uns in
Sicherheit. Jeder neue Weg dagegen scheint unabsehbare Gefahren zu
bergen – zumal dann, wenn er über lange Zeit gegangen werden soll. Ein
Vorhaben bis zum Ziel auszuführen, ist damit immer auch ein Kampf gegen
das Gewohnheitsdenken.
Oft sind es die Erfahrungen der Vergangenheit, die dazu führen, dass
ein Ziel nicht angegangen oder der Weg dahin vorzeitig abgebrochen
wird. Wer schon früher einmal gescheitert ist, wird sicher im
Hinterkopf behalten, auch in Zukunft wieder zu scheitern. Hierdurch
entstehen Vorurteile, die dazu führen, das Vertrauen in die eigenen
Fähigkeiten zu verlieren. Man kennt sich schließlich selbst, weiß um
die eigenen Schwächen, haben wir vielleicht doch schon mehrfach
ambitionierte Ziele aufgegeben. Zurück bleiben Zweifel und
Verunsicherung. Solche negativ erlebten Gewohnheiten und Erfahrungen
setzen sich im Gedächtnis fest und erschweren später jeden Neuanfang,
selbst dann, wenn wir uns dessen nicht völlig bewusst sind.
Unterschwellig flüstert uns dann eine innere Stimme ein,
vorsichtshalber doch lieber alles beim Alten zu belassen, was
schließlich auch viel bequemer ist, als – wie wir uns glauben machen
wollen – waghalsige Experimente zu machen. Aus dem Bauch heraus zu
entscheiden, auf seine Intuition zu hören, erfordert immer eine gewisse
Übung. Wer zu sehr in alte Denkmuster verstrickt ist, hört hierbei
zuweilen jedoch auch trügerische Worte. Gelegentlich führen unsere
Zweifel ein wahres Eigenleben und entwickeln dabei eine destruktive
Dynamik, die wir schließlich kaum noch von sachbezogenen Bedenken
unterscheiden können. Um diese Mechanismen zu durchbrechen, braucht es
ein neues, alternatives Denken, das einen Schritt oder mehrere
weitergeht.
Der Selbstsabotage entgehen
Bei allen größeren und langfristigen Zielen werden sich früher oder
später ganz selbstverständlich Zweifel und Ängste anmelden, davon kann
und sollte bereits im Vorfeld ausgegangen werden. Dieses Wissen können
wir dann in unsere Zielplanung einkalkulieren: Wenn sich Vorbehalte
gegen die Entscheidung, ein Ziel zu verfolgen, sowieso einstellen
werden, hat das meist weniger mit den uns fehlenden Fähigkeiten oder
mit äußeren Einflüssen zu tun, als vielmehr mit der grundsätzlichen
Angst vor Veränderung. Es sind eben nicht die „Umstände“, die uns vom
Ziel fernhalten, sondern unsere eigene Interpretation derselben. An
dieser Stelle gilt es schlichtweg weiterzumachen. Zumindest sollte auf
Zweifel niemals sofort und überstürzt reagiert werden. Besser ist es,
zunächst unbeirrt am Ziel festzuhalten und sich mit der aufkommenden
Skepsis erst mit einiger Verzögerung zu beschäftigen. Abbrechen kann
man jederzeit, dies ist immer sehr leicht und schnell getan; was jedoch
einmal beendet wurde, dafür lässt sich nur mit größter Mühe ein
Neuanfang finden.
Und wenn Sie schon drauf und dran sind, ein Ziel aufzugeben, fragen Sie
sich, was hinter diesem Impuls wirklich steckt. Zweifel und Bedenken
lassen sich auf eine sachliche Basis zurückführen, indem Sie nach dem
Prinzip Pro und Kontra vorgehen: Sammeln Sie die Argumente für einen
Abbruch – und stellen Sie ihnen die Argumente gegenüber, die für eine
Fortsetzung sprechen. Wenn Sie bspw. daran zweifeln, ob Sie ein
konkretes Ziel wirklich überhaupt noch erreichen wollen, dann können
Sie dem immer entgegensetzen, dass Sie zumindest einmal fest
entschlossen waren, eben dieses Ziel zu erreichen – sonst hätten Sie
schließlich nie mit der Ausführung begonnen. Zuweilen verdrehen sich im
Laufe der Zeit die vordergründigen Prioritäten: Was anfangs noch
unbedingt wünschenswert erschien, wird nun eher als lästige
Verpflichtung wahrgenommen; ein starrer Gewohnheitszustand, den man
durchbrechen wollte, wird fast zurückersehnt. Doch spielen wir uns hier
selbst einen Streich. Natürlich ist der Wunsch (das Ziel) noch immer
genauso erstrebenswert, nur drängen sich jetzt viele kleine und manche
größere Hindernisse dazwischen.
Gerade ein Blick, der ausschließlich auf das Fernziel gerichtet ist,
versperrt häufig die Sicht auf die notwendigen Zwischenetappen und wird
so mitunter zur echten Blockade dafür, entweder überhaupt anzufangen
oder dann kontinuierlich am Ziel zu arbeiten. Daher sollte jede
Zielsetzung mit einer möglichst differenzierten Planung beginnen.
Hierzu gehört auch, sich Klarheit über die Rahmenbedingen zu verschaffen:
Gibt es Hindernisse oder kann ich sogar auf Unterstützung zählen?
Ist das Ziel mit meinen anderen Vorhaben zu vereinbaren?
Kann ich das Ziel ohne Hilfe von anderen erreichen?
Kollidiert meine Zielsetzung womöglich mit den Interessen meiner Umgebung?
Einige der Rahmenbedingungen können wir selbst günstig beeinflussen,
auf andere Faktoren haben wir keinen Einfluss – hier können wir unser
Handeln nur den Gegebenheiten anpassen. Doch ist es hilfreich, die
Rahmenbedingungen bewusst zu erkennen.
Die Falle, die uns an der Ausführung hindert, schnappt insbesondere
dann schnell zu, wenn die einzelnen Schritte, die mit einer Zielsetzung
verbunden sind, allzu vage gehalten werden. Wir benötigen daher
möglichst klar formulierte (Teil-)Ziele, die nicht nur an sich, sondern
auch hinsichtlich der Zeitplanung realistisch sind. So sollte das Ziel
am besten mit einer passenden individuellen Struktur belegt werden, die
genau beinhaltet, wann welche Schritte wie zu gehen sind.
Vorausschauend denken, eigenverantwortlich handeln
Ein Problem, mit dem wir schon im Vorfeld rechnen, ist immer leichter
zu bewältigen als eine unangenehme, plötzlich auftretende Überraschung.
Fragen sie sich daher:
ob Ihnen wirklich klar ist, was genau Sie erreichen wollen;
inwiefern Ihr (Arbeits-) Umfeld eine Konzentration auf Ihre Intuition erlaubt;
welche Reihenfolge die wirklich sinnvollste ist;
in welchem Verhältnis Zielvorgabe und Arbeitsaufwand stehen;
was Sie überhaupt bereit sind einzusetzen;
und ob Sie zu viel, zu wenig oder vielleicht zu viele Dinge gleichzeitig in Angriff nehmen?
Zielsetzungen, die Sie für lange Zeit in Anspruch nehmen, können selbst
ausdauernde Menschen ermüden, wenn keine Zwischenerfolge erkennbar
werden. Bei langen Strecken stellt sich oft das Gefühl ein, nicht
wirklich von der Stelle zu kommen und ständig auf dem selben Fleck zu
treten, selbst wenn bereits wichtige Schritte gegangen und einige
Hürden genommen sind.
Schnell gehen hier der Elan und die Leidenschaft verloren. Setzen Sie
sich daher geeignete Zwischenziele und vergessen Sie nicht, sich selbst
zu belohnen, wenn eine Etappe erreicht ist. Mit mehreren kleinen
Schritten kommen Sie sicherer zum Ziel als mit großen Sprüngen, bei
denen man letztlich nicht weiß, wo man landen wird. Es ist eine sehr
schmerzliche Erfahrung, feststellen zu müssen, sich völlig
vergaloppiert zu haben. – Und damit Sie nicht zum Einzelkämpfer werden,
was immer sehr demotivierend ist, bedarf es der Kommunikation: Sprechen
Sie über Ihre Erfahrungen, holen Sie sich Inspirationen und Tipps, auch
Lob und Anerkennung.
Eine allzu fixierte Verbissenheit führt allerdings auch nicht immer am
schnellsten zum Ziel. Niemand verfügt über längere Zeit über ein
gleichermaßen unerschöpfliches Kräftereservoir. Tanken Sie bei einer
Verschnaufpause, die Sie sich – z. B. nach dem Erreichen eines
Zwischenziels – wirklich erlauben können, wieder neue Energie.
Eine wichtige Zielsetzung ist Bestandteil des persönlichen Lebensweges,
sollte jedoch nicht zum alleinigen Inhalt aller Unternehmungen werden.
Ohne Abwechslung werden selbst die spannendsten Ziele bald fade. Wenn
Sie zuweilen jedoch für frischen Wind in den Segeln sorgen, können Sie
sich davon oft über Hindernisse hinwegtragen lassen.
Wenn Sie einen Anfang machen und Ihre Ziele wirklich erreichen wollen,
ist es wichtig, sich schon zu Beginn mit möglichen Hindernissen zu
beschäftigen und dabei zugleich einzukalkulieren, dass sicher noch
zusätzliche, bisher unbekannte Hürden, auftauchen werden. Dazu gehören
bspw. die eigenen Zweifel, die – zumeist zum ungünstigsten Zeitpunkt,
dann, wenn man ohnehin gerade in einer labilen, schwierigen Phase
steckt – uns ganz bestimmt plagen und vom eingeschlagenen Weg
abzuhalten versuchen werden.
„Ein frei denkender Mensch bleibt nicht da stehen, wo der Zufall ihn
hinstößt.“ (Heinrich von Kleist) – Wer eine Entscheidung trifft, Ziele
definiert und sich an die Ausführung macht, beweist damit
eigenverantwortliches Handeln. Und ob eine Sache gelingt oder nicht,
können wir letztendlich niemandem in die Schuhe schieben. Es wäre auch
zu leicht (was uns nicht davon abhält, es zu versuchen), alle
Erschwernisse allein auf die „Umstände“ abzuwälzen. In Wahrheit drücken
wir uns damit nur vor der Verantwortung für unser Handeln oder eben
Nichthandeln. Wir selbst können bestimmen, ob wir ein Ziel ins Auge
fassen – und es schließlich auch erreichen.
© Albert Metzler / Management Institute SECS / Düsseldorf
Weitere Infos zu diesem Thema:
Albert Metzler: Alternatives Denken – Vom fremden Chaos zu eigener
Struktur; ISBN: 393835805X; Verlag: BusinessVillage / Göttingen 2005
Pressekontakt:
Management Institute SECS
Schloß Elbroich
Am Falder 4
D-40589 Düsseldorf
Telefon +49-0211-757 07 40
Telefax +49-0211-75 00 53
albert.metzler@etrillard.com
www.etrillard.com
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