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14.09.2005
Arbeitslose sind faul und die Erde ist eine Scheibe - Sommerflaute ließ die Arbeitslosenzahl steigen
Die Arbeitslosenzahl war im Juli 2005 um 68.000 auf 4.772.000
gestiegen. Dazu sagt die Bundesagentur für Arbeit: Die Arbeitslosigkeit
in Deutschland ist im Juli erwartungsgemäß gestiegen. Dies ist
jahreszeitlich üblich.
Betriebe stellen in den Sommermonaten weniger Arbeitskräfte ein.
Erfreulicherweise hat die Sommerpause in diesem Jahr aber deutlich geringere Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen als sonst.
Übrigens, am 16. August 2002, also vor fast drei Jahren, sagte Peter
Hartz bei Vorlage seiner Reformvorschläge: "Ziel ist es, die Zahl der
Arbeitslosen in drei Jahren um zwei Millionen zu reduzieren.
Ende Juli 2002 waren 4.470.000 Menschen arbeitslos.
Ende Juni 2005 waren 4.704.100 Menschen arbeitslos.
Bundesminister Clement weiß Bescheid: "Ich bin überzeugt, daß wir die
richtigen Voraussetzungen geschaffen haben für Wachstum und
Beschäftigung". Auch der Trend bei den offenen Stellen zeige aufwärts.
Und im Handelsblatt lesen wir dazu: Der hohe Anstieg im Jahresvergleich
geht zum größten Teil auf einen Statistik-Effekt der
Hartz-IV-Arbeitsmarktreform zurück. Im Juni hatte die BA diesen Effekt
mit 330 000 Arbeitslosen beziffert, weil viele frühere
Sozialhilfebezieher durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und
Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II seit Jahresbeginn erstmals in der
Arbeitslosenstatistik auftauchen.
Die echten Probleme sind völlig anderer Natur. Die Arbeitslosigkeit
steigt durch die Einführung der Ein-Euro-Jobs. Reguläre Arbeitsplätze
mit tariflicher Bezahlung werden dadurch vernichtet. Schon stehen die
Rentenkassen vor dem finanziellen Kollaps, weil die Anzahl
sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze rasant abnimmt.
Den neuen Arbeitslosen droht Hartz IV. Dort sind sie als ALG
II-Bezieher mit der totalen Entmündigung und Entrechtung durch das SGB
II konfrontiert: die Abschaffung der Menschenwürde, die Umwandlung von
Familien in Bedarfsgemeinschaften und der Rechte in Kann-Bestimmungen.
Und noch immer hat nicht jede/r begriffen, dass der Maßstab nicht die
Höhe des ALG II ist, sondern die Ausführungen im Gesetzestext, die eine
einzige Bedrohung darstellen. Es ist die Unterwerfung unter eine
Behörde, die im autoritären Stile eines Obrigkeitsstaates im eigenen
Ermessen darüber entscheidet, welche Leistungen gewährt werden und
welche nicht.
"Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch
stecken, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht
heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu
Tode schinden, einen zum Selbstmord treiben, einen in den Krieg führen.
Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten." (Bertold Brecht).
Helmut Woda aus 76185 Karlsruhe
Aus Karlsruher Strassenzeitung
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