01.09.2006
EnBW muss Stromnetzgebühren senken - Energiepreise explodieren
Nach den drastisch gestiegenen Energiekosten der vergangenen Jahre ist nun eine Entlastung für die Haushalte in Baden-Württemberg nicht ausgeschlossen: Der Karlsruher Energiekonzern EnBW muss die Gebühren für die Nutzung seiner Stromnetze erheblich senken. Nach einem am Freitag veröffentlichten Beschluss der Bundesnetzagentur muss die EnBW Regional AG die beantragten Kosten für die Nutzung des Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetzes um etwa 14 Prozent niedriger ansetzen als beantragt. Die neuen Entgelte gelten bis Ende 2007.
Inwiefern dies Auswirkungen auf die Strompreise hat, konnte das Unternehmen noch nicht sagen. Nach Einschätzung des Bundes der Energieverbraucher dürfte der Preis nur zwischen 0,1 bis 0,2 Cent pro Kilowattstunde sinken. Der Bundesverband Verbraucherzentrale geht dagegen bei einem Drei- bis Vier-Personen-Haushalt von einer Einsparung von 35 Euro pro Jahr aus. Die EnBW hält die Kürzungen der Gebühren für ihr Verteilnetz unterdessen nicht für gerechtfertigt und will deswegen rechtliche Schritte prüfen. Die Netzgebühren machen beim Strom den Angaben zufolge mehr als ein Drittel des Preises aus.
Das Statistische Landesamt teilte derweil mit, dass im August 2006 die Preise für Heizöl um 89,8 Prozent, für Gas um 33,9 Prozent und für Strom um 20,9 Prozent über denen zu Beginn des Jahres 2002 lagen. Im gleichen Zeitraum sei der Verbraucherpreisindex nur um 7,9 Prozent gestiegen. «Damit ist der Preis für Heizöl gut elf Mal so stark gestiegen wie die Lebenshaltungskosten insgesamt», sagte ein Sprecher des Amtes. Der Gaspreis habe gut vier Mal und der Strompreis gut zweieinhalb Mal so stark zugelegt wie die Lebenshaltungskosten.
Allein zum Jahreswechsel 2005/2006 hätten die Verbraucher im Land bei den Gaspreisen als Folge der Koppelung an den Ölpreis Steigerungen von 8,4 Prozent verkraften müssen, erklärten die Statistiker. Im gleichen Zeitraum seien die Strompreise nur um 1,9 Prozent gestiegen, während die Preise für Heizöl ausgehend von einem sehr hohen Niveau sogar um 2,6 Prozent zurück gegangen seien.
Die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) rief angesichts der hohen Energiepreise dazu auf, verstärkt auf Energieeffizienz zu setzen. «Ein geringerer Energieverbrauch senkt nicht nur Kosten, sondern trägt außerdem zum Klimaschutz bei», sagte die Ministerin in Stuttgart. Sie sprach sich auch für eine stärkere Nutzung alternativer Energieträger aus.