08.02.2008
Die wichtigsten Daten der Badischen Revolution - 1847 / 1848
Entnommen aus dem Veranstaltungskalender des Hauses der Geschichte
Baden-Württemberg zur 150-Jahr-Feier (Baden-Württemberg feiert die
Revolution 1848/49 - Veranstaltungen April 1998 - Dezember 1999) 12.09.1847 Offenburg
Die Versammlung der "Entschiedenen Freunde der Verfassung" im Gasthaus
Salmen verabschiedet ein Programm mit 13 "Forderungen des Volkes".
15.09.1847 (ca.) Schwetzingen
Der Arzt Dr. Heinrich Tiedemann, Ehemann von Heckers Schwester Anna
Maria, organisiert einen Demonstrationszug, bei dem eine
schwarz-rot-goldene Fahne mitgeführt wird, die bei der Revolution 1918
nochmals zum Einsatz kommt.
27.02.1848 Mannheim
Volksversammlung, an der etwa 2.500 Personen teilnehmen.
02.03.1848 Tübingen
Versammlung von Professoren, Studenten und Bürgern im Akademischen
Reithaus, Wilhelmstraße. Mehr als 1.000 Bürger unterzeichnen die
Petition von Ludwig Uhland mit Forderungen nach Volksbewaffnung,
Pressefreiheit, Parlament u.a. an König
und Regierung.
05.03.1848 Heidelberg
Versammlung von 51 Ständevertretern im Badischen Hof, die - von einer
großen Menschenansammlung begleitet - eine Erklärung zur Einberufung
eines Vorparlaments nach Frankfurt verabschiedet.
05./06.03.1848 Mülheim
"Müllheimer Krawalle": Gewaltsame Ausschreitungen gegen Juden, die etwa 12 Prozent der Stadtbewohner ausmachen.
05./06.03.1848 Niederstetten
Aufständische Bauern setzen die Domänenkanzlei des Fürsten von
Hohenlohe-Jagstberg in Brand und vernichten standesherrliche Akten.
08.03.1848 Mosbach
Aufständische Bauern fordern die Aufhebung der Feudallasten vor
dem Leiningenschen Rentamt im heutigen Stadtteil Neckarelz.
08.03.1848 Donaueschingen
Volksversammlung mit 4.000 Teilnehmern auf den Rübäckern, dem späteren Bahnhofsstadtteil.
09.03.1848 Buchen
Aufständische Bauern aus dem Odenwald stürmen das fürstlich-leiningensche Rentamt und verbrennen Akten.
09.03.1848 Stockach
Volksversammlung des Seekreises, des Hegaus, der Baar und des Heubergs
mit etwa 6.000 Teilnehmern. Zentrales Thema ist der Selbstschutz der
Bürger vor Regierungswillkür unter der Parole: "Wer keine Flinte hat,
mache die Sensen gerade".
10.03.1848 Mudau
Nachdem am Vortag die Akten im Rentamt Ernsttal verbrannt worden sind,
überreichen zwischen 800 und 3.000 bewaffnete Bauern in Amorbach einen
Forderungskatalog, der den Verzicht des Fürsten von Leiningen auf alle
standesherrlichen
Vorrechte zum Ziel hat.
10.03.1848 Hardheim
Aufständische Bauern stürmen den "Schüttungsbau", den Kornspeicher des
Fürsten von Leiningen, nehmen 1.500 Malter (über 100 Tonnen) Getreide
mit und verbrennen Akten und Urkunden.
11.03.1848 Künzelsau
Bauern fordern die Herausgabe der rentamtlichen Bücher des Fürsten von Hohenlohe-Oehringen.
11.03.1848 Hechingen
1500 aufständische, z.T. mit Sensen, Stöcken und Pistolen bewaffnete
Bauern fordern vom Fürsten, der von Hechinger Bürgern ins Rathaus
geleitet wird, seine Zustimmung zur "Schlatter Petition", die u.a. die
Beseitigung der Feudallasten beinhaltet.
13.03.1848 Altensteig
Bürger wenden sich an den württembergischen König Wilhelm I. mit der
Forderung, die Bevölkerung von den Lasten und Abgaben an die Freiherren
von Gültlingen zu befreien und deren Sonderrechte zu beseitigen.
14.03.1848 Villingen-Schwenningen
Zweite Volksversammlung für den Oberamtsbezirk in Villingen, bei der
die fast 3.000 Teilnehmer schwarz-rot- goldene Kokarden an ihren Hüten
tragen. Der liberale Abgeordnete Karl Mathy
darf sprechen, wohingegen der Republikaner Joseph Fickler Redeverbot
erhält.
18.03.1848 Lahr
Erste Ausgabe (Probeblatt) der republikanischen Zeitung "Schutterbote",
die regelmä8ig ab 1. April erscheint. Herausgeber ist Johann Friedrich
Rost, ein Vetter des Mitorganisators des Hambacher Festes, Philipp
Jacob Siebenpfeiffer.
21.03.1848 Tuttlingen
Volksversammlung, zu der der wenige Tage vorher von dem Buchhändler Sixt Ludwig Kapff gegründete Bürgerverein aufgerufen hat.
26.03.1848 Freiburg
Volksversammlung mit etwa 25.000 Teilnehmern auf dem Münsterplatz, bei der Carl von Rotteck und Gustav Struve eine Rede halten.
30./31.03.1848 Bühl
Gewaltsame Ausschreitungen gegen Juden. Bürgerversammlung fordert die Juden auf, auf ihr Bürgerrecht zu verzichten.
02.04.1848 Achern
Volksversammlung im Gasthaus "Zur Republik", das nach der Revolution in "Zur Hoffnung" umbenannt worden ist.
02.04.1848 Kirchheim unter Teck
Erste Volksversammlung im Freihof, an der etwa 1.500 Menschen teilnehmen.
08.04.1848 Leonberg
Auf einer Wahlveranstaltung zur Landtagswahl mit dem Weilimdorfer
Landtagskandidaten Friedrich Notter wird ein Verein zur "Besprechung
vaterländischer Angelegenheiten" gegründet, der allerdings schon wenig
später "kein Lebenszeichen (mehr) von sich gibt", wie im Stadt- und
Amtsboten vom 2. Juni beklagt wird.
09.04.1848 Walldürn
Im Zuge der Bauernunruhen wird das Geschäft des jüdischen Kaufmanns
Aaron Sender in der Hauptstr. 50 geplündert. Türen und Fenster des
katholischen Pfarrhauses werden zertrümmert, um Stadtpfarrer Faulhaber
zum Verzicht auf einen Großteil der jährlichen Holzlieferung der
Gemeinde zu zwingen.
12.04.1848 Überlingen
Volksversammlung mit etwa 600 Teilnehmern in der Franziskanerkirche.
Gustav Struve, der gerade mit dem Dampfschiff aus Konstanz gekommen
ist, erläutert die "Offenburger Beschlüsse" der Zweiten
Volksversammlung vom 19. März (Bildung Vaterländischer Vereine und
Bestimmung Heckers zum Obmann) und ruft zum Aufstand auf.
13.04.1848 Konstanz
Aufbruch des Heckerzuges mit etwa 50 bewaffneten Männern mit Ziel Karlsruhe.
15.04.1848 Lottstetten
Die Rheinkolonne unter Führung des Engelwirts Joseph Weißhaar bricht auf, um sich dem Heckerzug anzuschließen.
16.04.1848 Singen
200 Mann schließen sich der Kolonne unter Franz Sigel an. Ihr
Kommandeur Anton Schrott soll bei der Niederlage vor Freiburg den
Befehl gegeben haben: ,Wer vu Singe isch, wirf's Gwehr und d'Säges furt
und renn mir noch..."
20.04.1848 Kandern
Gefecht auf der Scheideck bei Kandern. Zerschlagung des Freischarenzugs
Friedrich Heckers durch badisches und hessisches Militär. Hecker hatte
die Verstärkung durch die "Deutsche Legion", die ihm Emma Herwegh
angeboten hatte, zunächst
abgelehnt.
21.04.1848 Schopfheim
Nach der Einquartierung des Heckerzuges und der 2.500 Mann umfassenden
Kolonne von Franz Sigel, überlegen konservative Bürger, für den Fall
eines weiteren Freischareneinfalls große Feldsteine von den oberen
Stockwerken auf die "Roten" zu werfen.
22.04.1848 Böblingen
Trotz einer großen Volksversammlung im Rathaus bleibt es im Städtchen
ruhig, was einer Anekdote nach der energischen Wirtin des Gasthauses
"Dinkelaker" zu verdanken ist, die den Nille-Fritz, als dieser zur
Revolution aufrief, bei den Ohren nahm: "Horchet Fritz, sitzet na' ond
send mer still, oder i schmeiß euch naus!"
22./23.04.1848 Breisach
Nachdem die Mobilisierung für den Heckerzug gescheitert ist, schließen
sich einige Bewaffnete aus dem heutigen Stadtteil Güntlingen der
Freischärlerkolonne unter Franz Sigel und Gustav Struve an, die sich
auf dem Weg nach Freiburg befindet.
25.04.1848 Weil am Rhein
250 deutsche Handwerksgesellen aus der Schweiz und Frankreich besetzen
auf der Suche nach Herweghs "Pariser Legion" die "Schusterinsel" im
Rhein. Die Einwohner von Weil versorgen sie mit Proviant.
25./26.04.1848 Murrhardt
Ferdinand Nägele wird als einziger Handwerker in die
Nationalversammlung gewählt nach dem Motto Justinus Kerners "Nicht
Doktors, nicht gelehrte Geister! Wir wählen diesen Schlossermeister; Er
schlag mit Hämmern klein und groß, Ganz Deutschland seine Fesseln los!"
26.04.1848 Biberach
Im Wahlbezirk Biberach-Leutkirch wird Constantin Fürst von
Waldburg-Zeil-Trauchburg in die Nationalversammlung (Vorparlament)
gewählt, wo er mit den "Linken" stimmt. Seinen Wahlerfolg hat der "rote
Fürst" den Bauern zu verdanken, die mehrheitlich für ihn stimmen, da er
sich für ihre Rechte einsetzt. Wegen "Beleidigung der Staatsregierung"
muss er am 1. November 1850 eine Haftstrafe auf der Festung Hohenasperg
antreten.
07.05.1848 Winnenden
Der Versuch, eine Bürgerwehr zu organisieren, ist in Ermangelung
geeigneter Schusswaffen von wenig Erfolg gekrönt: Schon nach der ersten
Exerzierübung müssen 55 von 276 Mann wegen Ausbleibens verwarnt und mit
einer Geldbuße belastet
werden.
12.05.1848 Nagold
"Nagolder Excess": Nach der Wahl des liberalen Engel zum neuen
Schultheißen, der den Konservativen Belling ablöst, sollen Anhänger
Engels nach der Siegesfeier Bürger des anderen Lagers auf der Straße
verprügelt haben.
18.05.1848 Calw
Karl Mathy, der in Baden nach der Verhaftung des Republikaners Joseph
Fickler nicht auf ein Mandat hoffen konnte, vertritt von nun an den
württembergischen Wahlkreis Calw-Neuenbürg in der Nationalversammlung.
07.06.1848 Waldshut-Tiengen
Friedrich Hecker, der bereits im Schweizer Exil ist, wird im Wahlbezirk
Tiengen in die Nationalversammlung gewählt. Nachdem die
Nationalversammlung die Wahl Heckers für ungültig erklärt hat, bleibt
Tiengen ohne Vertretung in der Nationalversammlung.
12.06.1848 Friedrichshafen
Volksversammlung mit etwa 5.000 Teilnehmern, zu der nicht zuletzt das,
Württembergische Seeblatt" des Redakteurs Carl Ignaz Schabet
mobilisiert hat.
15.06.1848 Weinsberg
Sympathiekundgebung für verhaftete Wortführer des Bauernaufstandes vor
dem Oberamt. Am 1. November 1850 muss der Sohn des Weinsberger Arztes
und Dichters Justinus Kerner, Theobald, wegen "Anstiftung zum
Hochverrat" eine zehnmonatige Haftstrafe auf der Festung Hohenasperg
antreten.
21.06.1848 Eppingen
Kundgebung badischer und württembergischer Demokraten auf den Ölwiesen im heutigen Stadtteil Kleingartach.
27.06.1848 Ulm
"Schiffskrawall": Eine demokratische Versammlung im Gasthaus "Schiff'
wird von württembergischen Regierungstruppen blutig niedergeschlagen.
Davon, dass sich die Ulmer Bürger dem gewaltlosen Widerstand
verschrieben haben, zeugt der Einsatz von Heubarrikaden gegen das 3.
Infanterieregiment ein Jahr später.
05.08.1848 Asperg
Der erste 48er, Adolf Majer, Redakteur der Heilbronner Zeitung "Das
Neckardampfschiff", wird wegen der ihm zur Last gelegten
"revolutionären Umtriebe" auf der Festung Hohenasperg inhaftiert.
15.08.1848 Oberkirch
Volksversammlung. Nachdem der radikale Republikaner Friedrich Frech
vermutlich im Juli 1849 nach Amerika fliehen musste, erwirbt dessen
Sohn Friedrich Raimund 1876 das Haus in der Apothekergasse. Seit 1990
wird "'s freche hus" als
Kulturzentrum genutzt.
03.09.1848 Aalen
Bei der Fahnenweihe, an der etwa 5.000 Menschen teilnehmen, überreichen
"Jungfrauen mit schwarz-roth-gol- denen Schärpen" der Bürgerwehr die
Fahne. Bereits im März 1848 vermerkte Oberamtmann Bürger in einem
Rapport nach Stuttgart: "Die Weiber mischen sich auch in die Sache, und
das ist immer schlecht."
21.09.1848
Ausrufung der "Deutschen Republik" durch Gustav Struve.
22.09.1848 Schliengen
Der Revolutionär Friedrich Neff aus Rümmingen beschlagnahmt die
Eisenbahnkasse mit 1.300 Gulden auf dem Bahnhof, dem Endpunkt der
Rheintalbahn, an der die Truppentransporte ankamen, die gegen die
Erhebung Heckers und Struves eingesetzt wurden.
22.09.1848 Ettlingen
Eisenbahnattentat: Gleise werden demoliert. Der Gemeinderat und spätere
Bürgermeister Philipp Thiebauth wird der Anstiftung zur
Eisenbahnsabotage beschuldigt und aufgrund einer Denunziation verhaftet.
22./23.09.1848 Friesenheim
Eisenbahnattentat: Schienen werden aufgerissen, um den Transport von Truppen aus Karlsruhe ins badische Oberland zu
verhindern.
23.09.1848 Weinheim
Eisenbahnattentat: Anschlag auf die Main-Neckar-Bahn, bei der ein
Truppentransport von Darmstadt nach Heidelberg - zwei Tage nach Beginn
des Struveputsches - verunglückt.
24.09.1848 Staufen
Gefecht, bei dem Struves Freischaren von badischen Regierungstruppen
zerschlagen werden. Seine Frau Amalie nimmt an allen Unternehmungen
ihres Mannes teil und wird nach der Niederschlagung des
Septemberaufstandes wegen "Hochverrats" im Freiburger Gefängnis
inhaftiert.
24.09.1848 Ravensburg
Volksversammlung mit fast 6.000 republikanisch gesinnten Teilnehmern aus Oberschwaben.
24.09.1848 Rottweil
Der Gaildorfer Fabrikant Gottlieb Rau ruft etwa 4.000 Zuhörer in der
Oberen Hauptstraße zum bewaffneten Zug nach Cannstatt auf, wo für den
28. September eine Volksversammlung geplant ist.
25.09.1848 Wehr
Verhaftung von Gustav Struve im Gasthaus "Krone".
26.09.1848 Balingen
Der im nachhinein als "Zwetschgenfeldzug" belächelte Freischarenzug aus
Rottweil unter Führung von Gottlieb Rau erreicht sein Ziel Cannstatt
nicht, sondern löst sich vorher auf. Rau u.a. Teilnehmer werden auf der
Festung Hohenasperg inhaftiert.
26.09.1848 Sigmaringen
Nachdem sich zwei Tage zuvor Tausende vor der Tribüne mit einem
weiß-schwarz bemalten Kürbis als Symbol Hohenzollerns, in dem ein
Schwert steckte, in Trillfingen versammelt haben, findet eine
Volksversammlung in Sigmaringen statt. Fürst Karl Anton flieht.
28.09.1848 Angelbachtal
Der in Eichtersheim als Sohn eines Rentamtmannes aufgewachsene
Friedrich Hecker verbringt seinen 37. Geburtstag auf der Überfahrt nach
Amerika auf dem Schiff "Hermann".
30.09.1848 Wertheim
Als drei Bürgermeister im Namen von neunzehn Gemeinden der ehemaligen Grafschaft Wertheim um die Erlassung einiger alter
Abgaben bei Erbprinz Adolf zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, auch Bannerführer der Bürgerwehr vorsprachen, sollen
sie als Antwort erhalten haben: "Ja, ja! Ihr bekommt nichts. Der Fürst Löwenstein scheißt nicht in die Hosen!"
24.11.1848 Baden-Baden
An der Gedenkfeier zu Ehren des am 9. November in Wien standrechtlich
erschossenen Revolutionsführers und Abgeordneten Robert Blum nimmt ein
Drittel der Einwohner des "größten Kurorts Deutschlands" teil. Frühjahr
1849 Bad Rappenau Gründung des demokratischen Volksvereins, dem auch viele Juden
beitreten, im heutigen Ortsteil Obergimpern, damals ein Dorf mit 1.200
Einwohnern, von denen etwa 10 Prozent Juden sind.
22.04.1849 Esslingen
Volksversammlung mit dem Ziel, den württembergischen König Wilhelm I.
zur Anerkennung der Reichsverfassung zu bewegen. Drei Tage später wird
in Stuttgart die Verfassung verkündet.
24.04.1849 Ludwigsburg
König Wilhelm I. von Württemberg nimmt (als einziger der größeren
deutschen Fürsten) im Residenzschloss die Reichsverfassung an auf Druck
des Ministeriums unter Friedrich Römer, das ihm von Stuttgart nach
Ludwigsburg gefolgt ist.
12.05.1849 (ca.) Ettenheim
Gründung eines der ersten politischen Frauenvereine im Land durch
Antonia Maria Stehlin. Erste Aktion der ca. dreißig Mitglieder ist die
Herstellung einer roten Fahne für den Demokratenverein.
12./13.05.1849 Kehl
Volksversammlung, bei der die Demokraten zur bewaffneten Durchsetzung
der Reichsverfassung aufrufen. Nach dem Soldatenaufstand in Rastatt vom
11./12. Mai werden die in Kehl stationierten Soldaten zum Übertritt auf
die revolutionäre Seite aufgefordert. Zur gleichen Zeit findet in
Offenburg die dritte Volksversammlung mit 30.000 Teilnehmern statt.
13.05.1849 Karlsruhe
Flucht des Großherzogs Leopold nach Ausbruch von Militärmeutereien in
badischen Garnisonen. In demselben Jahr besticken Henriette Obermüller
und andere Frauen eine rote Fahne mit der Aufschrift "Durlachs
Democratinnen den Turnern 1849 -
Siegen oder Tod".
13./14.05.1849 Bruchsal
Nach der Flucht des Großherzogs werden die politischen Gefangenen, darunter Gustav Struve, der wegen Überfüllung im
"Weiberzuchthaus" untergebracht war, aus dem Zuchthaus befreit.
14.05.1849 Neckargemünd
Volksversammlung auf dem Dilsberg, die der über 100 Mitglieder zählende Volksverein organisiert.
15.05.1849 Haslach im Kinzigtal
Volksversammlung vor dem "Fürstenberger Hof". Vom Balkon des Hotels
rufen der evangelische Dekan Adolf Gerwig und Genovefa Eisenmann, die
"kleine, lebhafte" Frau des Schneiders Wendelin Eisenmann, zur
Revolution auf.
15.05.1849 Ladenburg
Der geplante Neckarübergang der letzten dem Großherzog treu gebliebenen
Truppen unter Oberst Hinkeldey, die über den Neckar nach Norden
entkommen wollen, scheitert an der Bürgerwehr, die sich ihnen entgegen
stellt.
17.05.1849 Haßmersheim
Die Bürgerwehr verfolgt die dem Großherzog treu gebliebenen badischen
Dragoner. Bei dem Versuch, die Offiziere, die sich nach Württemberg
abgesetzt haben, zu stellen, kommt ihr die Heilbronner Bürgerwehr zuvor
und gibt den Offizieren freies
Geleit.
20.05.1849 Waldkirch
Volksversammlung
27./28.05.1859
Auf der Pfingstversammlung sprechen sich 20.000 Bürger für die
Verteidigung der Reichsverfassung aus und fordern die württembergische
Regierung auf, sich der badischen Revolution anzuschließen.
02.06.1849 Bretten
Eine Schar von Brettenern zieht zur Landesgrenze, hebt den badischen
Grenzstock - das Symbol der verhassten Kleinstaaterei - aus und trägt
ihn im Triumphzug zum Marktplatz.
05.06.1849 Heilbronn
Die Turnerwehr unter Kommandeur August Bruckmann, Sohn des
Silberfabrikanten, rückt zur Unterstützung der Revolution nach Baden an
die Neckarfront aus.
06.06.1849 Stuttgart
Nach Auflösung der Frankfurter Nationalversammlung findet sich das
"Rumpfparlament" mit den verbliebenen 104 Abgeordneten, davon 21 aus
Württemberg, zu seiner ersten Sitzung im Halbmondsaal der Ständekammer
zusammen. Am 18. Juni wird es von württembergischem Militär
auseinandergejagt.
13.06.1849 Gengenbach
Nach dem Soldatenaufstand in der Festung Rastatt am 11./12. Mai
schicken Frauen gesammelte Kleidungsstücke, Verbandsmaterial und
Nahrungsmittel in die republikanische "Freiheitsfestung".
21.06.1849 Waghäusel
Bei der Schlacht nahe der Zuckerfabrik erfährt die badisch-pfälzische
Revolutionsarmee durch die preußischen Truppen eine empfindliche
Niederlage und zieht sich an die Murglinie zurück.
22./23.06.1849 Sinsheim
Als Freischärler die Todesstrafe für den später berühmt gewordenen
Physiker Robert Mayer fordern, lässt ihn Franz Sigel frei mit der
Bemerkung: "... alle Reaktionäre könne er doch nicht erschießen lassen."
24.06.1849 Freudenstadt
250 Freudenstädter ziehen zum großen Feld bei Grünmettstetten, wo die
Freischärler vom oberen Neckartal zu denen vom Schwarzwald stoßen
sollten und von dort aus weiter nach Stuttgart, um das Ministerium
Römer zu stürzen.
24.06.1849 Ubstadt
Während des Gefechts mit den Preußen verschanzen sich einige badische
Revolutionäre, die von der Revolutionsarmee Mieroslawkis abgeschnitten
sind, in Ubstadt. Zwei der im Turm der Pfarrkirche verschanzte
Freischärler werden von preußischen Soldaten vom Kirchturm geworfen.
Dem einen werden dabei, weil er sich festhalten will, beide Hände
abgehauen. Noch im Fallen wird er von preußischen Kugeln durchsiebt. Er
ist nicht der einzige, der von den Preußen erschossen wird.
29.06.1849 Gaggenau
Niederlage der badischen Revolutionsarmee. Der Dichter Gottfried Kinkel wird verwundet und gerät in preußische Gefangenschaft.
29.06.1849 Gernsbach
Gefecht an der Murg zwischen der badischen Revolutionsarmee und den Bundestruppen, die schließlich die Stadt einnehmen.
29.06.1849 Malsch
Kronprinz Wilhelm, der von den Revolutionären als "Kartätschenprinz"
bezeichnete Oberbefehlshaber der preußischen Truppen, schlägt sein
Hauptquartier im Haus des Apothekers und inzwischen geflohenen
Vorsitzenden des Volksvereins Kohlreuter auf.
23.07.1849 Rastatt
Kapitulation der Festung Rastatt nach über dreiwöchiger Belagerung
durch preußische Truppen. 5.500 Freiheitskämpfer, die sich dort
verschanzt hatten, werden in den Kasematten gefangengesetzt, 19 fallen
den Standgerichten zum Opfer, unter ihnen Ernst Elsenhans, der
Herausgeber und Redakteur des "Festungsboten". Am 28. Juli gelingt es
Carl Schurz als einem der wenigen, aus der von den Preußen
abgeriegelten Festung durch einen Abwasserkanal zu entkommen.
09.08.1849 Rümmingen
Der aus Rümmingen stammende "rote Republikaner" Friedrich Neff wird
"wegen Anstiftung zum und Teilnahme am hochverräterischen Aufruhr im
Großherzogtum Baden" von einem Freiburger Standgericht zum Tod durch
Erschießen verurteilt.
26./27.08.1849 Nürtingen
Infolge der Sympathiekundgebung für den aus der Untersuchungshaft auf
der Festung Hohenasperg entlassenen Ratsschreiber Winterle kommt es zum
Einsatz von Militär, Auflösung der Bürgerwehr und zahlreichen
Verhaftungen.
14.09.1849 Pforzheim
Andreas Counis wird wegen "Meuterei, Hoch- und Landesverrat" von einem
Standgericht zum Tode verurteilt und am nächsten Tag hingerichtet.