Vor 125 Jahren richtete die bayrische Post im Direktorenzimmer der BASF in Ludwigshafen den ersten Fernsprecher des Königreichs ein. Wohl wegen der ortsansässigen Industrie wurde die Chemiestadt am Rhein noch vor der Landeshauptstadt München mit dem neuen Kommunikationsmittel ausgestattet.
Bis zu diesem Zeitpunkt kommunizierte das junge Unternehmen über den Telegraphen mit der Außenwelt. Doch die Reichweite des Telefons war in den Anfangstagen gering: Zuerst konnten neben der BASF nur die weiteren sieben Teilnehmer im Ortsnetz Ludwigshafen miteinander telefonieren, wenig später wuchs die Zahl auf insgesamt 49 an.
Um 1900 gab es schon 150 Telefone im BASF-internen Netz, die Verbindung der Nebenstellen zu den Amtsleitungen war jedoch bis dahin von der Post untersagt. Deshalb mussten die Mitarbeiter einen Umweg in Kauf nehmen: Sie ließen schriftliche Nachrichten von den bis 1916 ausschließlich männlichen Telefonisten über das Telefon weitergeben.
Frauen standen zu der Zeit im Verdacht, es mit dem Fernsprechgeheimnis nicht so genau zu nehmen. Erst als die Telefonisten im Laufe des Ersten Weltkriegs in die Armee eingezogen wurden, übernahm das "Fräulein vom Amt" die Vermittlungsarbeit. Nachdem die Post die Beschränkungen der Nebenstellen aufgehoben hatte, wuchs das BASF-Netz rasant an: 1903 wurde in der Telefonzentrale ein Umschaltschrank für 300 Teilnehmer eingerichtet.
Neues Kommunikationsmittel kämpfte mit Kinderkrankheiten
Von den wichtigsten Stellen des inzwischen recht ausgedehnten Werks war es nun möglich, ins öffentliche Netz zu telefonieren. Dabei kämpften die Pioniere mit den Kinderkrankheiten des neuen Kommunikationsmittels: Die blanken Drähte wurden überirdisch zu den einzelnen Stationen geführt, was zu Störungen durch Witterungseinfluss führte.
Die Lösung brachten rot isolierte Leitungen, die bald das Dach der Telefonzentrale wie ein Netz umgaben. Erst 1939 waren alle Freileitungen durch weniger störanfällige Erdkabel ersetzt. Auch die Einführung des automatischen Wählverkehrs sollte Jahre in Anspruch nehmen. Die neue Technik wurde ab 1913 im Werk Oppau und ab 1921 im Werk Ludwigshafen stufenweise ausgebaut, doch es dauerte bis 1936, bis alle Anschlüsse umgestellt waren.
Damit waren die Telefonistinnen aber nicht arbeitslos, denn ankommende Gespräche aus dem öffentlichen Festnetz stellte die Zentrale weiter von Hand durch. Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs legten auch das BASF-Telefonnetz weitgehend lahm. Weil nach Kriegsende so gut wie keine Neugeräte erhältlich waren, konnte vieles nur notdürftig repariert werden. Das Explosionsunglück von 1948 fügte der "Hebwählerzentrale Süd" weiteren Schaden zu.
In den 80er Jahren hielt der Computer Einzug
1961 ging eine modernere Telefonanlage in Betrieb. Anstelle der Vorkriegstechnik trat nun eine erheblich schnellere Edelmetall-Motor-Drehwähler-Zentrale. Anfang der 80er Jahre hielt der Computer Einzug in die Telefonanlagen der BASF: Prozessoren schalteten nun die Verbindungen, nur noch der Sprechweg blieb analog.
1991 wurden die Telefonanlagen komplett auf ein digitales System umgestellt. Heute sind am Verbundstandort Ludwigshafen rund 30.000 Telefone im Betrieb, rund 10.000 davon weiterhin als analoge Endgeräte. Täglich gehen aus der BASF durchschnittlich 35.000 Verbindungen ins externe Telefonnetz. Die Gesamtdauer der Gespräche beträgt dabei 90.000 Minuten.
Mit der Entwicklung der IP-Telefonie steht die nächste große Veränderung vor der Tür. Das Telefon wird immer mehr mit dem Computer verschmelzen: Weil die Gesprächssignale als Datenpakete direkt von Apparat zu Apparat geschickt werden, ist der Anschluss nicht mehr an einen Arbeitsplatz gebunden. Egal ob in Antwerpen, Tarragona oder Ludwigshafen: Der BASF-Mitarbeiter ist dann überall unter der gleichen Nummer zu erreichen.
www.basf.de
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