Das 14.Jh brachte der Stadt Basel einige der schrecklichsten Ereignisse
ihrer Geschichte. Nach der Verfolgung der Juden und der Heimsuchung
durch die Pest kam 1356 eine Katastrophe über die rund 7000 Einwohner
zählende Stadt, die ihr Gesicht für immer verändern sollte - das grosse
Erdbeben von Basel.
Ohne Vorwarnung
Unvermittelt erschütterte am 18.Oktober 1356 gegen 18.00 Uhr ein erster
Erdstoss die Stadt, stark genug im die Bevölkerung Basels in Aufregung
zu versetzen. Kleinere Stösse folgten und die Bewohner flohen gemäss
dem zeitgenössischen Chronisten Heinrich von Deissenhofen auf die
Felder ausserhalb der Stadtmauer. Die so plötzlich verlassenen privaten
und gewerblichen Feuerstellen wurden zum Ursprung für einen weiteren
Faktor der Katastrophe.
Ritter Werner von Bärenfels sei
der Bruder des amtierenden Bürgermeisters Konrad gewesen. Er soll vom
Fischmarkt her flüchtend unter dem Türlein zu St. Peter von einem
fallenden Mauerstück erschlagen worden sein. Unter den Umgekommenen
sind ferner namentlich überliefert Johannes Christiani der Domherr und
Peter Münch von Münchsberg, Pfarrer zu St.Martin. Leute niederen
Standes sind nicht namentlich überliefert, was interessant anmutet.
Weniger Tote als bei der Pest
Es gibt keine verlässlichen Angaben zur Zahl der Opfer. Die Rede ist
von um die 300 (Basler Zusätze zur Sächsischen Weltchronik) bis hinauf
zu um die 1000 (gemäss dem Chronisten Heinrich Taube von Selbach).
Vorhandene Jahrzeitenbücher von Basler Kirchen nennen keine Seelemessen
wie sie eigentlich bei vielen Todesopfern zwingend vorhanden sein
müssten. Die Bücher liefern kein Indiz für eine gestiegene Todesrate
nach dem Datum des Erdbebens.
Der Historiker Werner Meyer geht heute von einer Anzahl von maximal um
die 100 Toten aus, also ganz erheblich weniger als bei der Pestepidemie
1349. Die Flucht der Bevölkerung nach den ersten Erdstössen hat wohl
die Opferzahl bei den späteren Erdstössen und dem Brand niedrig
gehalten. Die Erdstösse dieses bis heute grössten Bebens in
Mitteleuropa wiederholten sich noch bis etwa 24.00 Uhr. Auch das
Münster blieb nicht verschont, sein Chor stürzte ein.
Ebenso nahmen andere Kirchen und die Klöster Basels Schaden, wobei aber
totale Zerstörung selten war. Nicht nur der Brand verheerte sie, auch
der durch Trümmer gestaute Birsig brachte Überschwemmungen die etwa das
Kloster Maria Magdalena an der Steinen zusätzlich schwer schädigten.
Acht Tage dauerte es, bis das Feuer verlöschte. Während des weiteren
Jahres erschütterten immer wieder leichtere Beben die Region. Am 28.
Dezember habe eines diverse überlebende Bauten zerstört.
Noch am Bodensee zu spüren
Heinrich von Deissenhofen weilte am 18. Oktober in Konstanz am
Bodensee, wo er das Beben deutlich spürte. Ihm verdankt die Nachwelt
Informationen zum zeitlichen Ablauf der Katastrophe. Am Nachmittag
spürte er zwischen Mittagessen und Vesper den ersten Erdstoss, diesem
folgten bis zur Vesper zwei schwächere. Dann erfolgten während des
Vesperläutens vier stärkere Stösse. Bis Mitternacht sollte die Erde
noch sechsmal beben, wobei der erste Stoss der heftigste war.
Am folgenden Tag spürte der Chronist direkt nach der Mittagszeit und
zur Vesperzeit zwei Nachbeben. Von den Schäden in Basel berichtet ein
um 1388 niedergeschriebener Abschnitt der "Kleineren Basler Annalen".
Die Rede ist von den Häusern die unter der Wucht der Erdstösse zerstört
wurden. Die vielfach vorgekargten oberen Geschosse der Häuserreihen
seien in den schalen Gassen gegeneinander gestürzt, die Erdgeschosse
wären dabei aber stehen geblieben.
Im Roten Buch wird hervorgehoben dass vor allem Steinhäuser zerstört
wurden, was ein Indiz für die Vorteile der flexibleren Fachwerkhäuser
bei dieser Katastrophe sein könnte. Gegen den folgenden Brand waren
letztere aber nicht gefeit. Die Basler konnten nach dem Beben nicht in
die Stadt zurück. Vor Basels Mauern lagen Felder und Obstgärten mit
kleinen Oekonomiebauten die manchen Geflohenen Obdach boten. Auf dem
Petersplatz entstand eine Hüttensiedlung, viele hausten im Zelten.
Von Umgang mit der Katastrophe erzählt auch die um 1425 entstandene Berner Chronik
des Conrad Justinger. Dort wird berichtet, dass Strassburg, Colmar,
Mülhausen, Schlettstadt, Neuenburg, Rheinfelden und Freiburg im
Breisgau Hilfe geschickte hätten. Mannschaften aus diesen Städten
sollen den Baslern geholfen haben ihre Gassen zu räumen. Allerdings
gibt es für diese Hilfe keine zeitgenössischen Belege, was sie jedoch
nicht ausschliesst.
Im Mai 1357 sollte ein weiteres starkes Beben Basel heimsuchen. Man
geht heute davon aus, dass das Beben von 1356 eine maximale Stärke
zwischen 9 und 10 auf der MSK-Skala hatte, was einem Wert von 6,5 auf
der Richterskala gleichkäme. Der Ursprung des Bebens ist vermutlich in
einer seismisch aktiven Bruchzone zu suchen. Man vermutete dass sich
diese auf ca acht Kilometern vom Blauen entlang dem Birstal via Reinach
von Süden her der Stadt Basel nähert.
Überlebt in den Trümmern
Viele Burgen in der Region nahmen erheblich Schaden. Der Historiker
Werner Meyer zählt 48 Burgen die der Katastrophe nachweislich zum Opfer
fielen. Einige Adelssitze konnten nie mehr bewohnt werden. Der Fels auf
dem ob Aesch die Burg Bärenfels (damals noch "Dry Esche" genannt)
stand, splitterte senkrecht wobei ein Teil der Burg in die Tiefe
stürzte. Dabei sollen eine Frau Fricker, ihr neugeborenes Kind und eine
Magd auf wundersame Weise überlebt haben.
Bischof Johannes Senn eilte am Tag nach dem Beben von Delsberg kommend
zu seiner notleidenden Stadt. Der Weg führte ihn auf die zerstörten
Burg Pfeffingen wo er nach der jüngsten Tochter Anna der Gräfin von
Thierstein habe suchen lassen. Er habe das Mädchen selbst getauft,
weshalb es ihm besonders am Herzen lag. Das Kleinkind sei weinend in
seiner Wiege gefunden worden, die von zwei grossen Trümmerstücken
gleichsam eingeklemmt und beschützt worden sei.
Im Jahr nach dem Erdbeben hielt man im neu angelegten Roten Buch des Basler Rates die Katastrophe fest:
"Man soll wissen, dass diese Stadt von dem Erdbeben zerstört und
zerbrochen ward und blieb keine Kirche, Turm noch steinen Haus, weder
in der Stadt noch in den Vorstädten, ganz... Auch fiel der Burggraben
an vielen Stellen ein. Und fieng das Erdbeben an... an Sankt Lukas Tag
des Evangelisten ... Und währte das Jahr hindurch, und kam bisweilen
gross und bisweilen klein, und desselben Dienstags, als es anfieng, da
ging Feuer in der Nacht, und währte das wohl acht Tage, dass ihm zu
widerstehen vor dem Erdbeben niemand sich getraute noch mochte, und es
verbrannte die Stadt innert der Ringmauer beinahe völlig."