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15.05.2006
Das Erdbeben von 1356 - Basel



Das 14.Jh brachte der Stadt Basel einige der schrecklichsten Ereignisse ihrer Geschichte. Nach der Verfolgung der Juden und der Heimsuchung durch die Pest kam 1356 eine Katastrophe über die rund 7000 Einwohner zählende Stadt, die ihr Gesicht für immer verändern sollte - das grosse Erdbeben von Basel.

Ohne Vorwarnung
Unvermittelt erschütterte am 18.Oktober 1356 gegen 18.00 Uhr ein erster Erdstoss die Stadt, stark genug im die Bevölkerung Basels in Aufregung zu versetzen. Kleinere Stösse folgten und die Bewohner flohen gemäss dem zeitgenössischen Chronisten Heinrich von Deissenhofen auf die Felder ausserhalb der Stadtmauer. Die so plötzlich verlassenen privaten und gewerblichen Feuerstellen wurden zum Ursprung für einen weiteren Faktor der Katastrophe.

Ritter Werner von Bärenfels sei der Bruder des amtierenden Bürgermeisters Konrad gewesen. Er soll vom Fischmarkt her flüchtend unter dem Türlein zu St. Peter von einem fallenden Mauerstück erschlagen worden sein. Unter den Umgekommenen sind ferner namentlich überliefert Johannes Christiani der Domherr und Peter Münch von Münchsberg, Pfarrer zu St.Martin. Leute niederen Standes sind nicht namentlich überliefert, was interessant anmutet.

Weniger Tote als bei der Pest
Es gibt keine verlässlichen Angaben zur Zahl der Opfer. Die Rede ist von um die 300 (Basler Zusätze zur Sächsischen Weltchronik) bis hinauf zu um die 1000 (gemäss dem Chronisten Heinrich Taube von Selbach). Vorhandene Jahrzeitenbücher von Basler Kirchen nennen keine Seelemessen wie sie eigentlich bei vielen Todesopfern zwingend vorhanden sein müssten. Die Bücher liefern kein Indiz für eine gestiegene Todesrate nach dem Datum des Erdbebens.

Der Historiker Werner Meyer geht heute von einer Anzahl von maximal um die 100 Toten aus, also ganz erheblich weniger als bei der Pestepidemie 1349. Die Flucht der Bevölkerung nach den ersten Erdstössen hat wohl die Opferzahl bei den späteren Erdstössen und dem Brand niedrig gehalten. Die Erdstösse dieses bis heute grössten Bebens in Mitteleuropa wiederholten sich noch bis etwa 24.00 Uhr. Auch das Münster blieb nicht verschont, sein Chor stürzte ein.



Ebenso nahmen andere Kirchen und die Klöster Basels Schaden, wobei aber totale Zerstörung selten war. Nicht nur der Brand verheerte sie, auch der durch Trümmer gestaute Birsig brachte Überschwemmungen die etwa das Kloster Maria Magdalena an der Steinen zusätzlich schwer schädigten. Acht Tage dauerte es, bis das Feuer verlöschte. Während des weiteren Jahres erschütterten immer wieder leichtere Beben die Region. Am 28. Dezember habe eines diverse überlebende Bauten zerstört.

Noch am Bodensee zu spüren
Heinrich von Deissenhofen weilte am 18. Oktober in Konstanz am Bodensee, wo er das Beben deutlich spürte. Ihm verdankt die Nachwelt Informationen zum zeitlichen Ablauf der Katastrophe. Am Nachmittag spürte er zwischen Mittagessen und Vesper den ersten Erdstoss, diesem folgten bis zur Vesper zwei schwächere. Dann erfolgten während des Vesperläutens vier stärkere Stösse. Bis Mitternacht sollte die Erde noch sechsmal beben, wobei der erste Stoss der heftigste war.

Am folgenden Tag spürte der Chronist direkt nach der Mittagszeit und zur Vesperzeit zwei Nachbeben. Von den Schäden in Basel berichtet ein um 1388 niedergeschriebener Abschnitt der "Kleineren Basler Annalen". Die Rede ist von den Häusern die unter der Wucht der Erdstösse zerstört wurden. Die vielfach vorgekargten oberen Geschosse der Häuserreihen seien in den schalen Gassen gegeneinander gestürzt, die Erdgeschosse wären dabei aber stehen geblieben.

Im Roten Buch wird hervorgehoben dass vor allem Steinhäuser zerstört wurden, was ein Indiz für die Vorteile der flexibleren Fachwerkhäuser bei dieser Katastrophe sein könnte. Gegen den folgenden Brand waren letztere aber nicht gefeit. Die Basler konnten nach dem Beben nicht in die Stadt zurück. Vor Basels Mauern lagen Felder und Obstgärten mit kleinen Oekonomiebauten die manchen Geflohenen Obdach boten. Auf dem Petersplatz entstand eine Hüttensiedlung, viele hausten im Zelten.

Von Umgang mit der Katastrophe erzählt auch die um 1425 entstandene Berner Chronik des Conrad Justinger. Dort wird berichtet, dass Strassburg, Colmar, Mülhausen, Schlettstadt, Neuenburg, Rheinfelden und Freiburg im Breisgau Hilfe geschickte hätten. Mannschaften aus diesen Städten sollen den Baslern geholfen haben ihre Gassen zu räumen. Allerdings gibt es für diese Hilfe keine zeitgenössischen Belege, was sie jedoch nicht ausschliesst.

Im Mai 1357 sollte ein weiteres starkes Beben Basel heimsuchen. Man geht heute davon aus, dass das Beben von 1356 eine maximale Stärke zwischen 9 und 10 auf der MSK-Skala hatte, was einem Wert von 6,5 auf der Richterskala gleichkäme. Der Ursprung des Bebens ist vermutlich in einer seismisch aktiven Bruchzone zu suchen. Man vermutete dass sich diese auf ca acht Kilometern vom Blauen entlang dem Birstal via Reinach von Süden her der Stadt Basel nähert.

Überlebt in den Trümmern
Viele Burgen in der Region nahmen erheblich Schaden. Der Historiker Werner Meyer zählt 48 Burgen die der Katastrophe nachweislich zum Opfer fielen. Einige Adelssitze konnten nie mehr bewohnt werden. Der Fels auf dem ob Aesch die Burg Bärenfels (damals noch "Dry Esche" genannt) stand, splitterte senkrecht wobei ein Teil der Burg in die Tiefe stürzte. Dabei sollen eine Frau Fricker, ihr neugeborenes Kind und eine Magd auf wundersame Weise überlebt haben.

Bischof Johannes Senn eilte am Tag nach dem Beben von Delsberg kommend zu seiner notleidenden Stadt. Der Weg führte ihn auf die zerstörten Burg Pfeffingen wo er nach der jüngsten Tochter Anna der Gräfin von Thierstein habe suchen lassen. Er habe das Mädchen selbst getauft, weshalb es ihm besonders am Herzen lag. Das Kleinkind sei weinend in seiner Wiege gefunden worden, die von zwei grossen Trümmerstücken gleichsam eingeklemmt und beschützt worden sei.

Im Jahr nach dem Erdbeben hielt man im neu angelegten Roten Buch des Basler Rates die Katastrophe fest:
"Man soll wissen, dass diese Stadt von dem Erdbeben zerstört und zerbrochen ward und blieb keine Kirche, Turm noch steinen Haus, weder in der Stadt noch in den Vorstädten, ganz... Auch fiel der Burggraben an vielen Stellen ein. Und fieng das Erdbeben an... an Sankt Lukas Tag des Evangelisten ... Und währte das Jahr hindurch, und kam bisweilen gross und bisweilen klein, und desselben Dienstags, als es anfieng, da ging Feuer in der Nacht, und währte das wohl acht Tage, dass ihm zu widerstehen vor dem Erdbeben niemand sich getraute noch mochte, und es verbrannte die Stadt innert der Ringmauer beinahe völlig."


www.loerrach.de
www.basel.de



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