Reinhard Weck hatte 1906 innerhalb von 2 Tagen seine Frau und 4 Kinder verloren ! Am 19.Mai starb seine erste Frau im Alter von 36 Jahren. Am 21. Mai 1906 ertranken seine 4 Töchter zusammen mit noch 2 anderen Kindern in der hochwasserführenden Bühlot. Zurück blieb nur noch der einjährige Sohn Hermann.
Noch heute ist auf dem Friedhof in der Liehenbach im Bühlertal eine Ruhestätte zu sehen, deren Grabstein mit wenigen Worten von einer Tragödie berichtet, die sich 1906 in Bühlertal ereignet hat und bei der sechs Mädchen im Alter von fünf bis elf Jahren in der Bühlot ertrunken sind.
Das Unglück hat damals ein solches Aufsehen erregt, dass selbst das grossherzogliche Paar den beiden Familien, die zwei bzw. vier Kinder durch den Ertrinkungstod verloren haben, Beileid und Blumengrüsse überbringen liess.
Es war der 21. Mai 1906. Aus dem ganzen badischen Land wird Hochwasser gemeldet. Oos, Murg, Bühlot, Laufbach und Acher sind über ihre Ufer getreten. Das Vorland von Greffern ist überschwemmt. Auf weite Strecken sind in der Ebene Wiesen und Felder in Seen verwandelt und aus Schwarzach wird berichtet: "Wir sitzen hier mittem im Hochwasser. Dem Mühlbach entlang ist das Wasser in viele Häuser eingedrungen."
Immer wieder melden die Zeitungen Todesfälle durch erttrinken. Vor allem sind es Kinder, nach denene der nasse Tod greift. Aber es bleiben doch Einzelfälle. Im Bühlertal liegt Frau Hiazinda Weck, geborene Dieterle, auf dem Totenbett. 36 1/2 Jahre alt und am 19. Mai gestorben, Ehefrau des Blechnermeisters Weck, Mutter von fünf Kindern, von denen der jüngste, ein Bub, knapp 13 Monate alt ist.
Über den Unglückstag berichtet der Aachener und Bühler Bote: "Ein furchtbares Unglück hat heute abend zwei Familien getroffen und die ganze Gemeinde in unsagbaren Schrecken versetzt. Um fünf Uhr bemerkte man, dass das mit eng umflochtenem Draht versehene Geländer der Ufermauer der Bühlot neben dem Hause des Blechnermeisters Weck in dieselbe gestürzt sei.
Unglück ahnend suchte man nach den Kindern. Als man sie nicht fand, befürchtete man das schlimmste, und man hat sich in der Ahnung leider nicht getäuscht. Nach eifrigem Suchen fand man bald das neunjährige Töchterlein Paula des Malermeister Trenkle bei Altschweier in der Bühlot.
Ungefähr um sieben Uhr meldete man von Weitenung, dass ein grösseres Mädchen gefunden sei. Die anderen Mädchen sind noch vermisst und es fehlt bis jetzt jede Spur von ihnen. Sicher ist anzunehmen, dass sechs Mädchen den Tod in den Wellen der Bühlot gefunden haben. Vier Kinder des Blechnermeisters Weck von 11, 8, 7 und 5 Jahren und zwei Kinder des Malermeisters Trenkle von 9 und 5 Jahren.
Zwischen vier und fünf Uhr sah man die Kinder wie oft am Geländer stehen. Offenbar haben sie sich stark angelehnt. Vielleicht aus dasselbe gedrückt, so dass es sich durch das Gewicht der sechs Kinder umbog und die Kinder in die reissenden Wellen der Bühlot stürzten, wobei der Eisenstab, der das Gitter festhielt, sogar aus dem mit Zement gefüllten Loche des Steines gerissen wurde.
Die Bestürzung der unglücklichen Familien lässt sich kaum beschreiben. Beiden Familien bleibt je nur noch ein Kind am Leben. Doppelt schwer ist der Schlag für Blechnermeister Weck, da die sechsunddreissigjährige Mutter der vier verunglückten Kinder auf der Totenbahre liegt und morgen, Mittwoch, beerdigt werden soll."
Besonders den älteren Kindern sei der Tod der Mutter sehr nahe gegangen, so wird weiter berichtet. Am Mittag des Unglückstages seien sie noch miteinander im Pfarrhaus gewesen, um neue Rosenkränze zu holen.
Noch fehlten zwei Kinder. Aber dann folgt die Nachschrift, die von dem Verbleib der anderen Kinder berichtet und auch in ihr scheinen noch einmal jene Ängste, jene sich widersprechende Nachrichten, jenes bange Warten aufzuerstehen, dass damals die Stunden zur Qual werden liessen.
"Zwei weitere Kinder wurden gestern abend nach 8 Uhr bei der Mattenmühle unterhalb Altschweier gefunden", heisst es in einem Bericht.
"Heute früh vor sieben wurde zwei weitere Kind in Bühl aus dem Wasser gezogen. Fünf Leichen sind gefunden. Die des sechsten fehlt noch."
Erst am Abend des 25. Mai, also vier Tage nach dem Unglück, war in der Nähe von Vimbuch das älteste der Verunglückten, die elf Jahre alte Maria Weck gefunden worden. Aber immer noch fehlte die siebenjährige Emilie.
Foto: Hermann Weck, das einzig überlebende Kind aus der ersten Ehe von Blechnermeister Reinhard Weck. Er wurde 1945 in Berlin von den Russen verschleppt.
Am 25.10.1906 heiratete Reinhard Weck Sophie Ziegler: >>>
Seite 2: >>>
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