Es ist ein offenes Geheimnis des freien Marktes, dass das gekauft wird,
was auch gefällt. Und das ist keine reine Frage der Qualität, sondern
eine des Preis-Leistungs-Verhältnisses. Der Kunde ist nun einmal König.
Und wenn der Kunde etwas als gut goutiert, dann ist er bereit, auch mal
etwas tiefer in die Tasche zu greifen.
So mausert sich der Kampf um das Nachfolgeformat für die DVD immer mehr
zum marktwirtschaftlichen Overflow. Denn der Kampf um den potentiellen
Nachfolger der DVD wird sich nicht ausschließlich auf Basis der Zahl
der unterstützenden Firmen entscheiden, sondern ebenso an der
Ladentheke. Highend-Firmen wie Sony gaben nun erstmals bekannt, mit
welchen Preisen man für Kinofilme im so genannten „Blu-Ray-Format"
rechnen muss.
Und die Entwickler der DVD-Nachfolger machen Druck. Dass die beiden
Anwärter auf die DVD-Nachfolge höhere Qualitäten und mehr Möglichkeiten
bieten als die bisher üblichen Silberscheiben, steht außer Frage: Das
Blu-Ray-Format hat in Bezug auf die Speicherkapazität leicht die Nase
vorn - bei einem Durchmesser von 12 cm fasst eine Scheibe mit einer
Lage bis zu 27 GB (25,1 GiB) und mit zwei Lagen bis zu 54 GB (50 GiB)
an Daten.
Die Spezifikationen für die Blu-ray Disc (engl. für Blaustrahl-Scheibe)
wurden am 19. Februar 2002 durch die neun Unternehmen der Blu-ray
Group, Matsushita, Pioneer, Philips, Sony, Thomson, LG Electronics,
Hitachi, Sharp und Samsung, beschlossen; Dieser Gruppierung schlossen
sich Ende Januar 2004 noch Dell und Hewlett-Packard sowie Mitte März
2005 Apple an. Nun gab Sony, Haupt-Akteur hinter dem Blu-Ray-Standard,
erstmals Zahlen bekannt, wie viel Kinofilme im blauen Format kosten
werden.
Die Preise beziehen sich auf 18 Filme aus dem Repertoire von Sony und
MGM. Für Titel aus dem „Back-Katalog" mit Filmen aus den letzten Jahren
werden die Studios im Großhandel Preise um die 18 Dollar verlangen,
während neue Titel für etwa 23,50 Dollar im Handel käuflich zu erwerben
sind. Das entspricht – je nach Titel – einem Preisaufschlag von 15 bis
20 Prozent gegenüber der DVD-Version.
Kein Wunder also, dass Branchenbeobachter den Aufschlag als eher
bescheiden und somit als aktiven und aggressiven Versuch von Sony
werten, das neue Format über einen vergleichsweise niedrigen
Einführungspreis auf den Markt zu bringen. Unter Druck gerät damit das
Lager des HD-DVD-Standards, für das das Unternehmen Toshiba steht.
Bisher galt HD-DVD als die adäquateste DVD-Alternative mit
Qualitätszuwächsen gegenüber der DVD, die preiswerter auf den Markt
gebracht werden sollte als Blu-Ray. Erste Player kündigt Toshiba für
den März an, und die sollen deutlich billiger werden als beispielsweise
die Blu-Ray-Player, die Samsung derzeit in Entwicklung hat.
Doch einer führenden Marktpositionierung Toshibas und der anderer
Konkurrenten steht nun Sony mit dem knappen Preisaufschlag für Filme im
Blu Ray-Format im Wege. Erste Player und Filme hierfür sollen noch im
Frühjahr in den Verkauf gehen. (hb)