Nach einem langen gedanklichen Prozess, der von vielen Organisten, Sachverständigen und Architekten begleitet wurde, haben die Gemeinden beschlossen, einen ungewöhnlichen Weg zu beschreiten: die Orgel soll so vollständig erneuert werden, dass zwar nahezu alle bestehenden Register und Pfeifen wiederverwendet werden, die gesamte Technik der Orgel jedoch neu konzipiert wird.
Eine Reihe von Klangfarben, die der Orgel mehr Grundtönigkeit verleihen und für die Darstellung der Musik aus Spätbarock und Romantik unerlässlich sind, wird ergänzt. Die Klais-Orgel soll mit den bestehenden Registern in ihrer bestechenden Klarheit wiederzuerkennen sein, aber bereichert durch bisher in der Christuskirche „unerhörte“, faszinierende Klänge. Und das alles hinter einem Orgelprospekt, der den ruhigen und würdigen Raumeindruck der Christuskirche wiederherstellt.
In verschiedener Hinsicht ist das Orgelbauvorhaben in der Christuskirche Karlsruhe von herausragender Bedeutung:
- Ziel der Erneuerung und Ergänzung ist eine Sinfonische Großorgel von höchster Qualität in einem architektonisch einmaligen Raum der Jahrhundertwende mit akustisch idealen Bedingungen, also eine Ensemble von weit überregionaler Bedeutung.
- Die künstlerische Konzeption der Orgel stellt einen vollkommen neuartigen Umgang mit dem Orgelbau der Wirtschaftswunderzeit dar. Viele Orgeln der 50er und 60er Jahre mit ihrer sehr charakteristischen Klanglichkeit werden heute entweder vollständig ersetzt oder aber klanglich nach den heutigen Vorstellungen „zurechtgebogen“. Durch die geplante Ergänzung fehlender Klangfarben in der Christuskirche ist es möglich, die Farben der bisherigen Orgel unverändert zu erhalten.
- nicht zuletzt stellt das Vorhaben in der Christuskirche das größte Orgelbauprojekt der badischen Landeskirche seit vielen Jahrzehnten dar – und wird es vermutlich auch lange Zeit bleiben.
Carsten Wiebusch, Kantor