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27.02.2005
Das Kloster in Maulbronn - Von der Weltabgeschiedenheit zum Weltkulturerbe



"Im Nordwesten des Landes liegt zwischen waldigen Hügeln das große Zisterzienserkloster Maulbronn. Weitläufig, fest und wohl erhalten stehen die schönen alten Bauten“, schrieb Hermann Hesse.

Der berühmte Calwer Schriftsteller (1877-1962) gehörte zu der Reihe herausragender Persönlichkeiten, die aus der Maulbronner Klosterschule hervorgingen – neben Johannes Kepler und Friedrich Hölderlin. Die ehemalige Zisterzienserabtei, die 1993 von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt wurde, ist eines der am vollständigsten erhaltenen Kloster nördlich der Alpen.

Im Jahr 1147 waren die Mönche in das wegen seiner Weltabgeschiedenheit für den Orden prädestinierte Salzachtal gekommen. Die Sage will, Walter von Lomersheim habe vor 850 Jahren einem Maultier einen Geldsack aufgebürdet und beschlossen, dort wo es anhalte und die Last abwerfe, ein Kloster zu erbauen.

Das beladene Tier soll an der Quelle im späteren Klostergarten, dem „Maulbronnen“, getrunken und sich seiner Last entledigt haben.

Der Zisterzienserorden war 1098 in Citeaux südlich von Dijon gegründet worden. Seine rasche Verbreitung und Vorrangstellung im 12. Jahrhundert verdankte er Bernhard von Clairvaux (1090-1153).

Das Leben der Zisterziensermönche war bestimmt von dem Prinzip „ora et labora“ (bete und arbeite), von Gottesdiensten und körperlicher Arbeit. Müßiggang galt als „Feind der Seele“. Die Zisterzienser erwirtschafteten ihren Lebensunterhalt durch Feld- und Handarbeit.

Im Kloster lebten die Mönche, die zuvor höhere Adelige oder Ritter waren, sowie die sich aus den unteren Ständen rekrutierenden Laienbrüder streng voneinander getrennt. Selbst in der Klosterkirche gab es eine Trennwand. Die Klosteranlage, wie sie sich heute dem Besucher präsentiert, ist durch die gestalterischen Eingriffe im 19. Jahrhundert geprägt. Betritt man den Klosterhof, so sieht man links und rechts die Wirtschaftsgebäude, ehemalige Lagerhäuser und Stallungen, eine Mühle mit Pfisterei, eine Schmiede, Wagnerei und Küferei.

In der schlichten Architektur der 1178 eingeweihten Klosterkirche schlägt sich das Armutsideal der Mönche nieder. Romanisch - frühgotische Formen zeigt die Vorhalle, das Langhaus mit seinen dekorativen Rippengewölben und dem Maßwerkfenster im Chor zeigt spätgotische Stilelemente auf. Besonders sehenswert sind das prächtig geschnitzte Chorgestühl und das Kruzifix aus Sandstein.

Der Wandel der Stile spiegelt sich auch am Kreuzgang wider – mit der berühmten Brunnenkapelle: Hier an dem dreischaligen Brunnen, der zum Wahrzeichen Maulbronns geworden ist, gegenüber dem Refektorium, dem Speiseraum der Mönche, mussten die Mönche sich vor dem Essen waschen.

Weltliche hatte in der Kirche, zumindest in den Anfangszeiten, keinen Zutritt. Die Reformation führte zu Beginn des 16. Jahrhunderts die entscheidende Wende in der Geschichte Maulbronns herbei:

Das Kloster wurde 1536 aufgehoben, die Mönche zogen sich ins Elsass zurück, und die Zisterzienserabtei wurde danach in eine evangelische Klosterschule umgewandelt. Mit seiner Klosterordnung von 1556 legte Herzog Christoph von Württemberg den Grundstein zu einem vorbildlichen Schulwesen.

Noch zu Zeiten Hermann Hesses herrschten im theologischen Seminar in Maulbronn strenge Vorschriften – was Hesse schließlich in die Flucht trieb.

(Stefan Kunzmann)


Öffnungszeiten:
März-Okt. 9-17.30, Nov.- Feb. Di-So 9.30-17 Uhr, Montag Ruhetag

Tel: 07043-926610

Verkehrsmittel: mit der Stadtbahn S4 nach Bretten, von dort mit der Buslinie 700 nach Maulbronn





www.bawue.de/~wmwerner/welterbe/maulbr.html


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