15.03.2006
Friedrich Pecht - Goethe am Hofe des Markgrafen
Friedrich Pecht - Goethe am Hofe des Markgrafen Friedrich von Baden,
1775, Öl auf Leinwand, 1860, 163*215 cm Oberrheinisches Dichtermuseum,
Karlsruhe
Friedrich Pecht (1814-1903) hatte anlässlich der Gründung der
Kunstschule öffentlich gegen die Wahl Schirmers protestiert und statt
dessen badische Künstler, darunter sich selbst, für den Posten des
Direktors ins Gespräch gebracht. Pecht liess sich nach langen
Wanderjahren in München nieder, aber von dort aus mischte er sich auf
mannigfacher Weise in die Kunstszene seines Heimatlandes ein. Nachdem
an der Kunstschule in Karlsruhe keine Chance mehr für ihn bestand,
suchte den Kontakt mit dem Grossherzoglichen Hause, und damit hatte er
mehr Erfolg.
Bei einem Besuch in Karlsruhe 1847 schlug er dem Grossherzog ein Bild
vor, welches den Aufenthalt des jungen Goethe in Karlsruhe im Mai 1775
zum Gegenstand haben sollte. Goethe hatte in "Dichtung und Wahrheit"
geschildert, wie er auf der Reise in die Schweiz der badischen Residenz
einen kurzen Besuch abstattete.
Demnach trug er am markgräflichen Hofe Szenen aus dem Urfaust vor,
wobei auch Klopstock anwesend war. Pecht brauchte einige Jahre für die
Fertigstellung des Bildes, betrieb ausgiebige Portrait- und
Kostümstudien, um seinem Gemälde die notwenidge Glaubwürdigkeit zu
verleihen.
Als das Bild 1860 fertig war, wurde es zu einem ansehnlichen Erfolg.
Pecht stellte es in mehreren grossen Städten aus und erntete viel
Beifall, bevor er es der grossherzoglichen Familie sozusagen vor die
Füsse legte. Auch bei Hofe war man zufrieden und erteilte gleich einen
Anschlussauftrag, nämlich ein Pendant mit dem Thema "Schiller in
Mannheim".
Besonders gefesselt vom Vortrage Goethes scheint Klopstock gewesen zu
sein. Später stellte sich heraus, dass Klopstock Karlsruhe schon
verlassen hatte, bevor Goethe dort eintraf: Dem Verfasser von "Dichtung
und Wahrheit" war ein Gedächtnisfehler unterlaufen, für den man den
Historienmaler selbstverständlich nicht verantwortlich machen kann.
Pecht erhielt später auch den Auftrag, das Konzilgebäude in Konstanz mit historischen Fresken auszumalen (1869-1878).