Heinrich Hübsch (1795-1863)
Der Schüler Weinbrenners und Nachfolger im Amt des Baudirektors wandte
sich vom klassizistischen Stils seines Lehrers ab und verwendete wieder
den Bogen als Element der Fassadengestaltung.
Heinrich Hübsch besuchte die Bauschule in Karlsruhe und unternahm
dann eine Studienreise nach Rom, Griechenland und Konstantinopel und
1822 wieder nach Rom. Seine Ansicht, daß eine monumentale Architektur
neu zu schaffen sei, welche wesentlich auf dem Rundbogenstil beruhen
sowie Zweck und Konstruktion in Form und Verzierung sichtbar darlegen
müsse, legte er in einer Schrift "Über griechische Architektur"
(Heidelberg 1822) nieder, und ein Heft "Ornamente" (Frankfurt 1823)
diente demselben Zweck.
Im Jahr 1824 wurde er Lehrer der Architektur am Städelschen Institut zu
Frankfurt a. M. Hier arbeitete er seinen "Entwurf zu einem Theater mit
eiserner Dachrüstung" (Heidelberg 1825), die "Pläne für die Kirche zu
Barmen" (1825-29) und das "Waisenhaus zu Frankfurt a. M." (1826-29)
aus. Im Jahr 1827 als Architekt und Bauinspektor nach Karlsruhe
berufen, entfaltete er hier eine umfangreiche Bautätigkeit und starb
als Oberbaudirektor am 3. April 1863.
In Karlsruhe errichtete er das Gebäude des Finanzministeriums, das
polytechnische Institut, die Kunsthalle, das Gebäude im botanischen
Garten. Hieran reihen sich die Zollhäuser und der Freihasen in
Mannheim, die katholischen Kirchen zu Bulach, Stahringen, Rottweil,
Waitzen, die evangelischen Kirchen zu Freiburg, Mülhausen, Epfenbach,
Bauschlott u. a. Nach Hübsch' Entwürfen sind auch die Trinkhalle und
das Theater zu Baden-Baden ausgeführt worden. Seine letzten größeren
Arbeiten waren die Wiederherstellung der Hauptfassade des Kaiserdoms zu
Speier und die Pfarrkirche zu Ludwigshafen.
Seine Prinzipien entwickelte er besonders in der Schrift "In welchem
Stil sollen wir bauen..." (Karlsruhe 1828) und ausführlicher in der
späteren: "Die Architektur und ihr Verhältnis zur heutigen Malerei und
Skulptur" (Stuttgart 1847). Er stellt als Muster hier den
altchristlichen Baustil hin und will die einfachen, aber klar gedachten
Baudenkmäler jener Zeit mehr berücksichtigt wissen als die späteren
romanischen und byzantinischen. Über einige der von ihm ausgeführten
Bauten berichtete er in der Schrift "Bauwerke" (Karlsruhe 1838; neue
Folge 1852-59, 3 Hefte).
Einen Beitrag zur Geschichte der Baukunst gab er in dem Werk "Die
altchristlichen Kirchen nach den Baudenkmalen und ältern
Beschreibungen" (Karlsruhe 1859-63, 10 Hefte).