15.03.2005
Friedrich Kallmorgen - Rheinüberschwemmung
Friedrich Kallmorgen - Rheinüberschwemmung bei Karlsruhe im Jahre 1887
Öl auf Leinwand, 1888, 178*300cm, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Einer der bekanntesten Akademieschüler, der über einen längeren
Zeitraum mit Karlsruhe verbunden blieb, war der gebürtige Hamburger
Friedrich Kallmorgen (1856-1924). Nach dem Studium bei den genannten
Lehrern und Arbeitsreisen vor allem nach Holland, lebte er 1881-1902 in
Karlsruhe.
Da er sehr bald Erfolg und Ansehen auch über Baden hinaus errang, wurde
ihm 1891 der Professorentitel verliehen, aber eine Asntellung als
Lehrer der Akademie bekam er nicht, sodass er 1902 einen Ruf nach
Berlin annahm, wo er eine breite Wirkung entfaltete.
Der silbergraue Gesamtton des Bildes, in dem nur einzelne Grün- und
Brauntöne eingebettet sind, ist auch nicht nur der aktuellen Wetterlage
zu verdanken, sondern entspricht einer der deutschen Malerei der Zeit
auch sonst vorkommenden Tendenz, die Lokalfarben zugunsten einer grauen
Tonigkeit zu dämpfen. Damit zog man bewusst eine Gegenposition zum
hellfarbigen französischen Impressionismus.
Meinungsverschiedenheiten über eine Berliner Kunstausstellung führten
zu einer Spaltung des Kunstvereines und zur Gründung des "Karlsruher
Künstlerbundes".
Dessen erster Vorsitzender wurde Kallmorgen, der sich von Keller
persönlich verfolgt und von der Akademie ferngehalten fühlte. Es
gehörten aber auch Akademieprofessoren dazu, sogar Schönleber trat bei,
der ja immer noch die Seele der deutschen Landschaftsmalerei an der
Kunstakademie war und grossherzogliche Förderung genoss.
Es gab gleichzeitig auch noch eine andere Form der Sezession, der
Auszug aufs Land, und die Bildung von Künstlerkolonien. Die von Dachau
und Worpswede sind am bekanntesten geworden, aber auch vor den Toren
Karlsruhes, in Grötzingern, am Eingang zum Pfinztal, bildete sich eine
solche Malerkolonie.
Kallmorgen war schon 1888 nach Grötzingen gezogen, andere folgten nach,
darunter 1890 ein weiterer Schüler von Schönleber und Baisch,
vielleicht der begabteste von allen, der Maler und Grafiker und Gustav
Kampmann (1859-1917).