Während seines Aufenthalts in Karlsruhe vom Herbst 1854 bis Frühjahr 1855 Anselm Feuerbach (1829-1880) den Auftrag, für die Gemächer der Prinzregenten, des späteren Grossherzogs Friedrich I., im Schloss zwei Zyklen von je vier Supraporten zu malen; für den Empfangssalon waren die allegorischen Darstellungen der "Vier Kreise", d.h. der damaligen Regierungsbezirke, des Landes Baden bestimmt.
Der "Mittelrheinkreis" zeigt einen Putto an einer Staffelei; hinter der Mauer links erscheint der Turm des Karlsruher Schlosses. Feuerbach hatte sich mehr und grössere Aufträge erhofft, denn, wenn er auch in Speyer geboren war, so hatte er den Grossteil seiner Jugend in Freiburg verbracht, und war Landeskind. Immerhin gewährte ihm Friedrich I. ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in Italien.
Leben
Anselm Feuerbach (* 12. September 1829 in Speyer; † 4. Januar 1880 in Venedig).
Anselm Feuerbach war ein Enkel von Paul Johann Anselm Ritter von
Feuerbach und der Sohn von Joseph Anselm Feuerbach. Er begab sich, als
sich während seiner Gymnasialstudien in Freiburg im Breisgau sein
künstlerisches Talent offenbarte, 1845 für zwei Jahre nach Düsseldorf,
wo er sich anfangs an Wilhelm von Schadow, dann an Rethel anschloss,
dessen großartige Auffassung seinem Wesen mehr entgegenkam. Nach kurzem
Aufenthalt in der Heimat 1848 ging Feuerbach nach München, wo ihn Karl
Rahl eine Zeitlang fesselte.
Doch war sein Streben bereits damals auf eine größere Ausbildung im
Kolorismus gerichtet, und er begab sich daher 1850 nach Antwerpen, wo
er bei Gustaaf Wappers lernte und 1851 nach Paris, wo er noch die
modernen Meister studierte und in Thomas Coutures Atelier eintrat, dem
er nach seinem Geständnis eine große Förderung seiner malerischen
Technik verdankte. Zwei seiner ersten Gemälde: Hafis in der Schenke und
der Tod Pietro Aretinos, zeigen den Einfluss Coutures, weisen aber auch
bereits auf das Vorbild der Venezianer hin, denen er sich später noch
enger anschloß.
1854 nach Karlsruhe zurückgekehrt, erhielt er 1855 die Mittel zu einer
Studienreise nach Italien, die ihn zunächst nach Venedig, wo er Tizians
Himmelfahrt kopierte, und von da nach Florenz und Rom führte, wo sich
im Studium von Michelangelo und Raffael allmählich seine eigentümliche
Richtung ausbildete. Er strebte danach, die Größe und Erhabenheit des
historisch-monumentalen Stils mit dem Reichtum des venezianischen
Kolorits zu verbinden, geriet aber bei diesem Streben insofern auf
einen Abweg, als er die Leuchtkraft der Lokalfarben durch graue
Zwischentöne abdämpfen zu müssen glaubte, wodurch er den Erfolg seiner
bedeutendsten und genialsten Kompositionen beeinträchtigte. Fast alle
seine Schöpfungen waren daher bis zu seinem Tod heftigen Angriffen
ausgesetzt, und es scheint, dass seine bitteren Lebenserfahrungen sein
ohnehin zu Melancholie geneigtes Gemüt derartig niederdrückten, dass er
vor der Zeit aufgerieben wurde.
Die glücklichste Zeit seines Lebens war die Periode seines römischen
Aufenthalts von 1857 bis 1872, während welcher er im Grafen von Schack
einen hochherzigen Beschützer fand, der den größten Teil seiner Werke
ankaufte. In dieser Zeit entstanden: Dante und die edlen Frauen in
Ravenna (1858), Francesca da Rimini und Paolo Malatesta, Laura und
Petrarca, Hafis am Brunnen, die Pieta (1863) und die Kinderbilder:
Idyll aus Tivoli, belauschtes Kinderkonzert und Mutterglück. War in
diesen Gemälden neben der klassischen Formengebung noch ein
romantischer Zug zu finden, so wandte sich Feuerbach von da ab fast
ausschließlich der Darstellung antiker Gegenstände im Gewand des
modernen, aber durch eine völlig plastische Formenbehandlung gedämpften
und gebundenen Kolorismus zu. Diesem Ideal ist er am nächsten in der
Iphigenia (1871, Galerie zu Stuttgart (?)), welche man als die
vollendetste Verschmelzung des klassischen und des romantischen Stils
bezeichnen darf, und in dem Gastmahl des Plato (1873, Berliner
Nationalgalerie (?)) gekommen. Minder gelungen, namentlich weil die
Komposition nicht einheitlich genug und der Ausdruck der Figuren zu
übertrieben ist, sind die Amazonenschlacht, das Urteil des Paris und
mehrere Bilder aus der Sage der Medea.
1873 wurde Feuerbach als Professor an die Akademie nach Wien berufen
und erhielt dort den Auftrag, einen Saal im Gebäude der Akademie mit
Plafondmalereien zu dekorieren. Es gelang ihm nur, das Hauptbild, den
Sturz der Titanen, zu vollenden. Seine geniale Natur war für eine
Lehrtätigkeit nicht geschaffen, und er schied bereits 1876 aus seiner
Stellung aus. In den letzten Jahren seines Lebens führte er ein Gemälde
für den Justizpalast in Nürnberg, Huldigung Ludwigs des Bayern, neben
dem Titanensturz aus. Die scharfe Beurteilung des letzteren auf der
Münchener Ausstellung von 1879 scheint seinen Tod beschleunigt zu haben.
Er starb am 4. Januar 1880 in Venedig. Sein Grab befindet sich in Nürnberg auf dem Sankt-Johannis Friedhof (Grab 715).