03.06.2008
Brunnen auf dem Stephanplatz - Kalrsruhe
Der Stephanplatz wurde nach Heinrich von Stephan (1831-1897) benannt, der Gründer des Weltpostvereins war.
Beleidigt waren die Marktfrauen, als ein neuer Zierbrunnen 1905 eingeweiht wurde und ein nacktes Mädchen mit zwei Krügen inmitten einer Rotunde mit Männerköpfen stand.
Der Brunnen wurde von Hermann Billing entworfen. In einem kreisrunden Brunnen schüttet eine überlebensgrosse Brunnenjungfrau völlig unbekleidet aus zwei Krügen 1 1/2 Liter Wasser pro Sekunde in das Wasserbecken. Die splitternackte Figur wurde schon in der Gemeinderatssitzung zum Diskussionsthema, wobei Oberbürgermeister Schnetzlers Zustimmung zur Ausführung des Brunnens nicht ausreichte. Doch eine Abstimmung ergab die endgültige Befürwortung.
Nicht ohne Bedenken wurde der fertiggestellte Brunnen an einem frühen Sommermorgen, ohne Einweihnungsfeierlichkeiten seiner wasserspendenden Bestimmung übergeben. Als die Marktfrauen das Werk sahen, hatte man sozusagen den "Salat". Der Brunnen wurde zum "casus belli", weil sich die Marktfrauen in ihrer Ehre durch das nackte Mädchen verletzt fühlten. Doch der Dolchstoss in die Milz des damaligen Sittlichkeitsempfindens kam erst bei genauerer Betrachtung der Herren am oberen Ende der Säulen.
Es waren Nachbildungen von 14 stadtbekkannten Herren, die das Wasser aus speienden Mündern in Richtung des Brunnenmädchens vermehrten. Die Köpfe stellten (von vorne gesehen) folgende Persönlichkeiten dar: links neben der Figur sieht man Hermann Binz, der die Figur, sich selbst und die anderen Köpfe schuf. Rechts hinter der Figur zeigt sich Hermann Billing, der Vater des Brunnens, dann folgen in der Runde Otto Eichrodt, Reinhard Baumeister, Hermann Baumeister, Ludwig Dill, Hans Thoma, Wilhelm Trübner, Otto Büttner, Viktor Roman, Karl Ruf und Friedrich Fehz, durch den die Runde geschlossen wurde.
Beschwerden und Eingaben der Marktfrauen und des Frauenvereins an die Stadtverwaltung konntenn nicht verhindern, dass der reizvolle Zierbrunnen heute noch steht.