02.08.2005
Blogs – eine neue Form des Schreibens? - Hintergründe und Motive
Blogging ist eine Form des Schreibens. Stars der Blogger-Szene wie
Jonathan Schwartz (Sun Microsystems, http://blogs.sun.com/jonathan)
machten die Erfahrung, dass das Publikum begierig auf neue Beiträge
wartet. Ausdruck davon ist unter anderem, dass sich Schwartz genötigt
sah, seinen Lesern darzulegen, warum er einen Monat lang keine neuen
Beiträge in seinen Blog einstellte.
Mit seinem Blog kann der Autor einen Anreiz schaffen, dass sich sein
Zielpublikum kontinuierlich mit seinen Ideen, Standpunkten und News
beschäftigt.
Im Gegensatz zu einem Internet-Auftritt sind Blogs dynamisch, also
einer kontinuierlichen Änderung unterworfen. Bei einem erneuten Besuch
findet der Internet-Nutzer in der Regel auch neue Beiträge.
Finden diese seinen Gefallen, dann wird er den Blog häufiger besuchen
und sich so intensiver mit dem Autor auseinandersetzen. Mit zu den
besonderen Reizen des Bloggings gehört, dass die „Leser“ die einzelnen
Beiträge kommentieren können.
Die Kommunikation zwischen Autor und Leser bleibt damit keine
Einbahnstraße, sondern kann sich vielmehr zu einem Pingpong wandeln.
Die historischen Vorgänger des Blogging sind Journale, Tagebücher und
Chroniken. Diese Dokumente berichten in chronologischer Form und aus
einem sehr persönlichen Blickwinkel mit einem klaren Ausrichtung auf
ein bestimmtes Publikum
Welche Motive hinter dem Blogging stehen war Gegenstand einer Studie
von Nardi et al.
(http://www.ics.uci.edu/~jpd/classes/ics234cw04/nardi.pdf).
Die Autoren entdeckten bei ihrer Untersuchung eine Vielzahl
verschiedener Motive des Bloggings: So u.a. die Dokumentation des
Lebens des Autors, die Äußerung von Kommentaren und Meinungen, der
Ausdruck (tiefer) persönlicher Gefühle, die Ausarbeitung von Ideen
durch deren Niederschrift sowie das Formen sowie die Aufrechterhaltung
einer Gemeinschaft durch ein Forum. In aller Regel spielen nach Nardi
et al. für das Betreiben eines Blogs mehrere Motive zusammen.
Welche Vielfalt an Motiven hinter dem Blogging stehen, machen einige Aussagen der von Nardi et al. interviewten Blogger deutlich:
Ein Professor der Stanforder Universität sieht das Blogging als bessere
Alternative zum Versand von Massen-Emails. Seine Äußerung macht
deutlich, dass für ihn die Natur des Blogs als Massenmedium von
besonderer Bedeutung ist. Mit seinem Blog richtet er sich an ein
breites Publikum, das sich nicht auf die begrenzte Anzahl von
Adressaten eine E-Mail beschränkt:
„[I started blogging] to communicate with friends and family, as well
as [for] professional connections. It’s easier than sending lots of
email—"I’ll just put it on my blog." It’s a way to take care of mass
email, rant, speculate…“
Andere Blogger möchten mit dem Blogging ihre Existenz verifizieren
(dieses Motiv findet seinen Ausdruck in der in der Blogosphäre
zirkulierenden Phrase des „blogito ergo sum“).
Im Gegensatz zu einem Internet-Auftritt bieten Blogs nach Ansicht einer
Reihe von Befragten ihren Autoren die Möglichkeit, sich authentischer
und in einer weniger formalen Weise darzustellen.
Die Persönlichkeit des Autors kommt nach Aussagen eines Interviewten in
Blogs stärker zum Ausdruck. Der persönliche Bezug zwischen dem Autor
und seinem Publikum wird so gestärkt.
Viele Blogger sind fasziniert von der Idee, dass sie mit ihrem Blog ein
breites Publikum erreichen können. Ein Blogger äußerte in der
Untersuchung, dass er mit seinem Blog ein potenziell unendlich großes
Publikum adressieren könnte.