Die älteste Barockresidenz am Oberrhein wurde als erste deutsche Schlossanlage nach dem grossartigen Vorbild von Versailles in einer Zeit der Kriege in Europa errichtet.
1698 liess der gefeierte "Türkenlouis" in Rastatt den Grundstein zum
Bau eines Jagdschlosses legen, das ab 1700 zur repräsentativen Residenz
umgebaut wurde.
Als einziges erhaltenes Beispiel eines Schlosses des frühen 18.
Jahrhunderts mit einer vollständigen doppelten Raumfolge in den beiden
Staatsappartements stellt die Residenz Rastatt ein herausragendes
Denkmal barocker Baukunst und absolutistischer Herrschaftsansprüche dar.
Der Ahnensaal, als Mittelpunkt der gesamten Schlossanlage, war im 18.
Jahrhundert Schauplatz glanzvoller Feste und beeindruckt heute noch
durch die kostbare und prachtvolle originale Ausstattung. In den
Appartements des Markgrafen und der Markgräfin sind die farbenfrohen
Fresken der Künstler aus Bologna mit mythologischen Szenen ungewöhnlich
gut erhalten.
Service Center Schloss Rastatt und Schloss Favorite
Markgraf Ludwig Wilhelm
Markgräfin Sybilla Augusta
Das Programm des Service Centers bietet dem Besucher immer wieder
Gelegenheit, Einblicke in die wechselvolle und zum Teil tragische
Schiksal der Markgrafen von Baden-Baden zu gewinnen. Spannende
Ausführungen zum höfischen Leben, zum Alltag der Adligen Gesellschaft,
zu den Repräsentationsriten am Hof, sowie Anekdotisches und Mystisches
bilden die Hauptthemen dieser Veranstaltungen.
Zeitleiste
1655 wird Ludwig Wilhelm von Baden-Baden geboren
1677 übernimmt er die Regierung der Markgrafschaft
1688 - 1698 führt Frankreich Krieg gegen das Deutsche Reich wegen Erbanspruchs Ludwigs XIV. auf die Pfalz
1689
verwüsten französische Truppen die Pfalz und die oberrheinischen
Lande. Auch die Residenzen der badischen Markgrafschaften in Durlach
und Baden-Baden werden zerstört. vernichtet Markgraf Ludwig Wilhelm als
kaiserlicher Heerführer in Ungarn bei Nissa ein türkisches Heer
1690 heiratet Ludwig Wilhelm die fünfzehnjährige Prinzessin Sibylla Augusta Franziska von Sachsen-Lauenburg
1691 gelingt dem "Türkenlouis" der entscheidende Sieg gegen die Osmanen in der Schlacht bei Slankamen
1693 wird Markgraf Ludwig Wihelm zur Verteidigung des Reichs im Westen berufen
1697 Friedensschluss von Ryswijk
1697/98 beruft Ludwig Wilhelm den Architekten Domenico Egidio Rossi zur Errichtung eines Jagdschlosses in Rastatt
1699/1700 entschließt sich der Markgraf, an Stelle des Jagdschlosses
ein wesentlich größeres Schloss als Mittelpunkt einer neuen,
befestigten Residenz zu errichten
1701 - 1714 Spanischer Erbfolgekrieg
1702 ist das Dach über dem Hauptbau des Schlosses, dem "Corps de Logis" fertiggestellt
1703 stirbt der mit der Ausmalung der Decken beauftragte italienische
Freskant Paolo Manni. Giovanni Battista Artario, Schöpfer der
bedeutenden Stuckaturen im Erdgeschoss, arbeitet im Treppenhaus und in
der Beletage
1704 werden in Italien die Deckenmaler Giuseppe Roli, Giuseppe Antonio
Caccioli und Pietro Antonio Farina angeworben. Sie schaffen das
Deckengemälde im Ahnensaal und im Quartier der Regentin
1705 bezieht die markgräfliche Familie den nördlichen Ehrenhofflügel
1707 stirbt der Markgraf. Das Schloss und seine dekorative Ausstattung sind im wesentlichen vollendet
1710 lässt sich die Regentin im Bereich des nördlichen Gartenflügels ein Wohnquartier nach ihren Bedürfnissen einrichten
1712 werden Ziegelgewölbe zur Sanierung von schweren Bauschäden in der
Sala Terrena eingezogen, später stuckiert man hier im Rokoko-Stil
1714 endet der Spanische Erbfolgekrieg. Der Friede wird im
Schreibkabinett Ludwig Wilhelms von Prinz Eugen und Marschall Villars
unterzeichnet
1719 - 1723 wird eine "Heilige Stiege" und die Schlosskirche im Anschluss an die Privaträume des "Sibyllenbaus" erbaut
1727 tritt Erbprinz Ludwig Georg die Regierung an
1733 stirbt Markgräfin Sibylla Augusta in ihrem Witwensitz Schloss Ettlingen
1747 - 1752 findet die zweite große Ausstattungsphase des Schlosses statt: die Stuckdecken werden im Rokokostil modernisiert
1771 stirbt mit Markgraf August Georg der letzte männliche Angehörige
seines Hauses. Nach dem Aussterben der Linie Baden-Baden fällt die
Markgrafschaft an Baden-Durlach.
1964 beginnt die gründliche Sanierung des Schlosses
1974 wird das "Freiheitsmuseum" im linken Erdgeschossflügel eingerichtet
1984 wird das "Wehrgeschichtliche Museum" vom Südflügel in die rechte
Erdgeschosshälfte erweitert. Der Ahnensaal wird für Veranstaltungen
geöffnet
1988 wird der Schlossgarten neu gestaltet
1989 eröffnet man das restaurierte Hauptgeschoss für Besucherinnen und Besucher
1996 wird die Staatliche Bauverwaltung Baden-Württembergs für die Restaurierung des Rastatter Schlosses ausgezeichnet