30.12.2005
Das Geheimnis der gestohlenen Beatles-Bänder - BASF Ludwigshafen
Die BASF trug ein Indiz zur Aufklärung eines der größten Verbrechen der
Musikgeschichte bei - dem mehr als 30 Jahre zurückliegenden Diebstahl
von über 500 Tonbändern mit wertvollen Originalaufnahmen der Beatles.
Frage: Was haben die Beatles, die Londoner Kriminalpolizei Scotland
Yard und die BASF miteinander zu tun? Antwort: Die BASF trug ein Indiz
zur Aufklärung eines der größten Verbrechen der Musikgeschichte bei -
dem mehr als 30 Jahre zurückliegenden Diebstahl von über 500 Tonbändern
mit wertvollen Originalaufnahmen der Beatles.
Twickenham bei London 1969. John Lennon, Paul McCartney, George
Harrison und Ringo Starr treffen sich für Aufnahmen zum geplanten
Beatles-Album "Get back". Viele Stunden Material entstehen. Aufgenommen
werden die so genannten "Get-Back-Sessions" auf Vier-Zoll-Spulen mit
Tonbändern der damaligen Magnetbandsparte der BASF mit einer
Aufnahmekapazität von jeweils 15 Minuten.
Doch während der Aufnahmen
kommt es zum Streit: Harrison verlässt wütend das Studio und erklärt
seinen Austritt aus der Band. Zwar kehrt er zwei Wochen später reumütig
zurück, trotzdem wird das geplante Album abgeblasen. Ein paar der
produzierten Lieder gehen ein in das letzte Album der Beatles, "Let it
be", das 1970 erscheint. "Get Back" wird der letzte Song dieser Platte.
Dann kommt es endgültig zum Bruch: Die Beatles trennen sich.
Razzien zeitgleich in London und Amsterdam
Und kurz darauf verschwinden auch die Aufnahmen: Die vielen hundert
Tonbänder aus den "Get-Back-Sessions" werden aus den Londoner Abbey
Road Studios gestohlen. Zahlreiche Aufnahmen mit noch nicht
veröffentlichtem Material scheinen unwiederbringlich verloren. In den
folgenden Jahren werden immer wieder illegale Raubkopien dieser Songs
für viel Geld auf dem Schwarzmarkt angeboten.
Mehr als 30 Jahre später: Am 10. Januar 2003 stürmt die britische und
niederländische Polizei im Rahmen einer internationalen Aktion gegen
Musikpiraterie zeitgleich Räume in London und in der Nähe von
Amsterdam. Fünf Personen werden festgenommen. Sie hatten versucht, für
rund 400.000 Euro Bänder mit Beatles-Aufnahmen auf dem Schwarzmarkt zu
verkaufen. Die Ermittler stellen 507 Tonbandspulen sicher. Doch sind
das die Original-Bänder von damals - oder nur Raubkopien?
Scotland Yard bat die BASF um Hilfe
Ermittler Richard Gordon von der Londoner Kriminalpolizei Scotland Yard
nimmt sich dieser Frage an. Er macht die Tontechniker der Beatles
ausfindig. Anhand von Notizen und Anmerkungen können sie die Hüllen und
Spulen als echt identifizieren. Aber was ist mit den Tonbändern selbst?
Ende August 2005 wendet Gordon sich deshalb an die BASF, in deren
Magnetbandsparte die Bänder seinerzeit hergestellt wurden. Dr. Susan
Becker vom Unternehmensarchiv der BASF macht Tonbandexperten aus dieser
Zeit ausfindig. Anhand der auf den Bändern vermerkten Chargennummern
und der Art der Beschriftung können sie bestätigen: Die Tonbänder
stammen wirklich aus den sechziger Jahren - es sind anscheinend die
lange verschollenen echten Masterbänder der Beatles! Ein wichtiges
Indiz für die Überführung der mutmaßlichen Täter. Momentan wird der
Fall in London vor Gericht verhandelt.
Näheres zu dem Raub und zu den Polizeirazzien (nur in englischer Sprache verfügbar) >>>