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03.07.2006
Karlsruher Singschule



Was bewirkt das Singen? Die Stimme ist ein von Geburt an mit uns verbundenes Instrument. Singen fordert und fördert den ganzen Menschen. Die Gesichter singender Kinder geben klare Auskunft. Aber das persönliche Instrument "Stimme" bedarf der Pflege und des Schutzes sowie der Anleitung zum sinnvollen Gebrauch, um eine sinnvolle Entwicklung zu fördern. Die Lust am gemeinsamen Singen lenkt Energie und Emotionen in die Stimme, die dadurch lebendiger und ausdrucksfähiger wird. Sänger haben ein besseres Körpergefühl, und das wachsende Atemvolumen kräftigt sie. Sänger sind aber nicht nur emotional und körperlich aktiv, sondern ebenso rational. Singen macht klüger: Konzentrations- und Leistungsfähigkeit steigen.


Warum ein Knaben- und ein Mädchenchor?
Karlsruher Singschule? Reicht das bestehende Angebot nicht aus? Knabenchor - ist das nicht unzeitgemäß? Die Bayern verweisen auf die Domspatzen und die Windsbacher, die Sachsen sind stolz auf ihre Thomaner und Crucianer. Historische und musikalische Schwergewichte. Baden hat, wiewohl sonst in ständiger Konkurrenz zum wenig geliebten Vernunft-Ehepartner Württemberg, bislang keine nennenswerten Ambitionen für ein Pendant zu den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben entwickelt. Dabei ist festzustellen, dass die Stuttgarter Chorarbeit das Gemeindegeschehen belebt und Chor-Familien kirchlichen Kreisen nähergebracht hat.

Vielleicht sind Knabenchöre nur eine historische Größe? Zeugen besserer Zeiten, die vom Ausssterben bedroht sind? Freilich waren Knabenchöre bis zu Bachs Zeiten eine musikalische Notwendigkeit - das Paulusgebot ("mulier taceat in ecclesia") erforderte zur Darstellung gemischtstimmiger Chorwerke die Knabenstimme. Diese Hürde ist nun schon lang gefallen - warum gab es aber auch noch in der Nachkriegszeit Gründungen von Knabenchören (Tölzer Knabenchor, Knabenchöre in Calw, Luzern, Graz usw.)?

Das Klanggepräge der Knabenstimme - wenn auch in zahllosen Facetten - mit ihrem kristallinen und auffällig hellen Klang ist unvergleichlich und anders nicht darstellbar. Das niedrige Durchschnittsalter der Knaben (im Zeitalter der Akzeleration) liefert dazu den manchmal erwünschten "Niedlichkeitseffekt", der allerdings musikalisch nicht relevant ist. Dem gegenüber ist aber festzustellen, dass in Knabenchor-Hochburgen kein Männerstimmenmangel herrscht. Das liegt an der starken Sozialisation durch langjähriges Singen in einer festen Formation.

Die enorme Überlegenheit gleichaltriger Mädchen in gemischten Kinderchören führt erfahrungsgemäß zum Aufgeben der Schwächeren, denen die Rolle des starken Beschützers und Gewinners von der Gesellschaft zugedacht ist. So geben die Knaben in einem vermeintlich unmännlichen Umfeld schnell auf und wenden sich Betätigungen zu, die lieber ihre "typischen" Stärken betonen. Der Abbau dieser Unterlegenheit in einer Vertrauen schaffenden Gruppierung ("unter sich") führt zu Erfolg, Sozialisation und Identifikation, somit zur Stärkung der Persönlichkeit und der musischen Aufgeschlossenheit. In einem so stabilisierten Umfeld wächst auch der Glaube an eine neu zu erringende Qualitäts-Männerstimme in gewohnter Gemeinschaft - die Mehrzahl der Stimmwechsler macht weiter. In diesem Kontext spürt man wieder "Power", "Potenzial" - eine scheinbare Ungerechtigkeit der Natur ist wieder aufgehoben.

Langfristig ist zu empfehlen, Kinder im Vorschulalter in ihrer Singbegeisterung abzuholen. Koedukation ist nicht in allen Fällen sinnvoll: siehe Sport. "Starke Männer" im Blick auf das Singen motiviert wiederum weibliche Singwillige - die duale Singerziehung belebt demnach die gesamte Singeszene.

Der Verfasser dieses Aufsatzes, der als Mitarbeiter beim Tölzer Knabenchor und als Verantwortlicher für den Aufbau der Aurelius Sängerknaben Calw auf vielerlei Erfahrungen zurückgreifen kann, sieht eine besonders reizvolle Chance in der Vision, einen kulturell ambitionierten Ballungsraum wie den Großraum Karlsruhe für eine fundierte Singkonzeption zu erschließen. Eine Karlsruher Singschule mit Mädchenchor und Knabenchor kann als Maßstab setzende Einrichtung Modellcharakter annehmen, da die bislang noch führende Chorakademie am Konzerthaus Dortmund doch noch einige Hemmnisse zur gleichberechtigten Erfassung von Singbegabungen überwinden muss.

Dass das angesprochene "Karlsruher Modell" große Vorteile gegenüber dem ländlichen Bereich Calw mit den Aurelius Sängerknaben (mit 50 000 Einwohnern Einzugsbereich) und dem Luzerner Umland mit seiner Luzerner Kantorei aufweist, liegt auf der Hand. Ein enormer Vorzug Karlsruhes ist die Nähe von Schulbehörden (Regierungspräsidium), musikalischen Bildungseinrichtungen und einem in vielerlei Hinsicht förderlichen Umfeld. Die beiden Karlsruher Hauptkirchen können hier glanzvolle Akzente "Soli Deo Gloria" ganz im Sinne Martin Luthers setzen. Die Chorarbeit will in den Gemeinden neue Akzente setzen und somit den Bezug der Chormitglieder mit ihren Familien zu ihnen stärken bzw. neu herstellen. Somit baut das Singen, die Chorarbeit mit an der Gemeinde der Zukunft.

Hans-Jörg Kalmbach

Wer leitet die Singschule?


Hierfür konnte Herr Hans-Jörg Kalmbach, einer der kompetentesten Menschen in diesem Bereich, gewonnen werden. Seine Erfolge mit der Gründung der Aurelius-Sängerknaben, seine Mitarbeit bei den Tölzer Knaben und zuletzt sein Mitwirken bei Chorakademie Dortmund zeigen ihn als erfahrenen und erfolgreichen Kinderchorleiter.

Hans-Jörg Kalmbach beschäftigte sich schon als Jugendlicher mit Chor und Stimme, obwohl sein Schwerpunkt zunächst das Klavier war. Nach dem Schulmusikstudium in Karlsruhe baute er erst die Musikschule Calw, dann die Aurelius Sängerknaben Calw auf, die sich in knapp zwei Jahrzehnten internationales Ansehen erwerben konnten. Währenddessen wuchs sein Interesse, gewonnene Erfahrungen weiter zu vermitteln
und in Kursen und Seminaren zugänglich zu machen.

Er gewann stets neue Eindrücke durch die aktive Mitarbeit beim Tölzer Knabenchor, Landesjugendchor Baden-Württemberg, Opernprojekten auf dem Lande und zuletzt bei der "Chorakademie" in Dortmund.
Sein Bestreben ist es, in einer Singoffensive die Erkenntnisse zur flächendeckenden Verbreitung einer konsequenten Singerziehung bekannt zu machen.

Wo und wann findet die Singschule statt?


Die Singschule ist in verschiedene Gruppen aufgeteilt, die zu den folgenden Zeiten proben:

Mädchen (Vorschule, 1. Klasse) dienstags von 15.10 - 15.55 Uhr (Christoph Obert)
Mädchen (2. und 3. Klasse) dienstags von 16.00 - 17.00 Uhr (Christoph Obert)
Mädchen (1. und 2. Klasse) mittwochs von 14.30 - 15.30 Uhr (Hans-Jörg Kalmbach)
Mädchen (ab 4. Klasse) donnerstags von 18.00 -19.00 Uhr (Christoph Obert)
Jungen (Vorschule, 1. und 2. Klasse) mittwochs von 15.30 - 16.30 Uhr (Hans-Jörg Kalmbach)
Jungen (ab 3. Klasse) mittwochs von 16.30 - 17.45 Uhr (Hans-Jörg Kalmbach)

Die Proben finden statt im
Albert-Schweitzer-Saal, Reinhold-Frank-Str. 48 a (am Mühlburger-Tor), 76133 Karlsruhe.


Kantorat der Evangelischen Stadtkirche
Christian Markus Raiser
Kreuzstraße 13
76133 Karlsruhe

Telefon 0721/920 49 17
Telefax 0721/920 49 15

christian.raiser@inka.de

Kantorat der Christuskirche
Carsten Wiebusch
Riefstahlstraße 2
76133 Karlsruhe

Telefon 0721/830 83 85
Telefax 0721/830 83 86

musikanderchristuskirche@web.de


www.karlsruher-singschule.de


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