Was bewirkt das Singen? Die Stimme ist ein von Geburt an mit uns
verbundenes Instrument. Singen fordert und fördert den ganzen Menschen.
Die Gesichter singender Kinder geben klare Auskunft. Aber das
persönliche Instrument "Stimme" bedarf der Pflege und des Schutzes
sowie der Anleitung zum sinnvollen Gebrauch, um eine sinnvolle
Entwicklung zu fördern. Die Lust am gemeinsamen Singen lenkt Energie
und Emotionen in die Stimme, die dadurch lebendiger und
ausdrucksfähiger wird. Sänger haben ein besseres Körpergefühl, und das
wachsende Atemvolumen kräftigt sie. Sänger sind aber nicht nur
emotional und körperlich aktiv, sondern ebenso rational. Singen macht
klüger: Konzentrations- und Leistungsfähigkeit steigen.
Warum ein Knaben- und ein Mädchenchor?
Karlsruher Singschule? Reicht das bestehende Angebot nicht aus?
Knabenchor - ist das nicht unzeitgemäß? Die Bayern verweisen auf die
Domspatzen und die Windsbacher, die Sachsen sind stolz auf ihre
Thomaner und Crucianer. Historische und musikalische Schwergewichte.
Baden hat, wiewohl sonst in ständiger Konkurrenz zum wenig geliebten
Vernunft-Ehepartner Württemberg, bislang keine nennenswerten Ambitionen
für ein Pendant zu den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben entwickelt. Dabei
ist festzustellen, dass die Stuttgarter Chorarbeit das
Gemeindegeschehen belebt und Chor-Familien kirchlichen Kreisen
nähergebracht hat.
Vielleicht sind Knabenchöre nur eine historische Größe? Zeugen besserer
Zeiten, die vom Ausssterben bedroht sind? Freilich waren Knabenchöre
bis zu Bachs Zeiten eine musikalische Notwendigkeit - das Paulusgebot
("mulier taceat in ecclesia") erforderte zur Darstellung
gemischtstimmiger Chorwerke die Knabenstimme. Diese Hürde ist nun schon
lang gefallen - warum gab es aber auch noch in der Nachkriegszeit
Gründungen von Knabenchören (Tölzer Knabenchor, Knabenchöre in Calw,
Luzern, Graz usw.)?
Das Klanggepräge der Knabenstimme - wenn auch in zahllosen Facetten -
mit ihrem kristallinen und auffällig hellen Klang ist unvergleichlich
und anders nicht darstellbar. Das niedrige Durchschnittsalter der
Knaben (im Zeitalter der Akzeleration) liefert dazu den manchmal
erwünschten "Niedlichkeitseffekt", der allerdings musikalisch nicht
relevant ist. Dem gegenüber ist aber festzustellen, dass in
Knabenchor-Hochburgen kein Männerstimmenmangel herrscht. Das liegt an
der starken Sozialisation durch langjähriges Singen in einer festen
Formation.
Die enorme Überlegenheit gleichaltriger Mädchen in gemischten
Kinderchören führt erfahrungsgemäß zum Aufgeben der Schwächeren, denen
die Rolle des starken Beschützers und Gewinners von der Gesellschaft
zugedacht ist. So geben die Knaben in einem vermeintlich unmännlichen
Umfeld schnell auf und wenden sich Betätigungen zu, die lieber ihre
"typischen" Stärken betonen. Der Abbau dieser Unterlegenheit in einer
Vertrauen schaffenden Gruppierung ("unter sich") führt zu Erfolg,
Sozialisation und Identifikation, somit zur Stärkung der Persönlichkeit
und der musischen Aufgeschlossenheit. In einem so stabilisierten Umfeld
wächst auch der Glaube an eine neu zu erringende Qualitäts-Männerstimme
in gewohnter Gemeinschaft - die Mehrzahl der Stimmwechsler macht
weiter. In diesem Kontext spürt man wieder "Power", "Potenzial" - eine
scheinbare Ungerechtigkeit der Natur ist wieder aufgehoben.
Langfristig ist zu empfehlen, Kinder im Vorschulalter in ihrer
Singbegeisterung abzuholen. Koedukation ist nicht in allen Fällen
sinnvoll: siehe Sport. "Starke Männer" im Blick auf das Singen
motiviert wiederum weibliche Singwillige - die duale Singerziehung
belebt demnach die gesamte Singeszene.
Der Verfasser dieses Aufsatzes, der als Mitarbeiter beim Tölzer
Knabenchor und als Verantwortlicher für den Aufbau der Aurelius
Sängerknaben Calw auf vielerlei Erfahrungen zurückgreifen kann, sieht
eine besonders reizvolle Chance in der Vision, einen kulturell
ambitionierten Ballungsraum wie den Großraum Karlsruhe für eine
fundierte Singkonzeption zu erschließen. Eine Karlsruher Singschule mit
Mädchenchor und Knabenchor kann als Maßstab setzende Einrichtung
Modellcharakter annehmen, da die bislang noch führende Chorakademie am
Konzerthaus Dortmund doch noch einige Hemmnisse zur gleichberechtigten
Erfassung von Singbegabungen überwinden muss.
Dass das angesprochene "Karlsruher Modell" große Vorteile gegenüber dem
ländlichen Bereich Calw mit den Aurelius Sängerknaben (mit 50 000
Einwohnern Einzugsbereich) und dem Luzerner Umland mit seiner Luzerner
Kantorei aufweist, liegt auf der Hand. Ein enormer Vorzug Karlsruhes
ist die Nähe von Schulbehörden (Regierungspräsidium), musikalischen
Bildungseinrichtungen und einem in vielerlei Hinsicht förderlichen
Umfeld. Die beiden Karlsruher Hauptkirchen können hier glanzvolle
Akzente "Soli Deo Gloria" ganz im Sinne Martin Luthers setzen. Die
Chorarbeit will in den Gemeinden neue Akzente setzen und somit den
Bezug der Chormitglieder mit ihren Familien zu ihnen stärken bzw. neu
herstellen. Somit baut das Singen, die Chorarbeit mit an der Gemeinde
der Zukunft.
Hans-Jörg Kalmbach
Wer leitet die Singschule?
Hierfür konnte Herr Hans-Jörg Kalmbach, einer der kompetentesten
Menschen in diesem Bereich, gewonnen werden. Seine Erfolge mit der
Gründung der Aurelius-Sängerknaben, seine Mitarbeit bei den Tölzer
Knaben und zuletzt sein Mitwirken bei Chorakademie Dortmund zeigen ihn
als erfahrenen und erfolgreichen Kinderchorleiter.
Hans-Jörg Kalmbach beschäftigte sich schon als Jugendlicher mit Chor
und Stimme, obwohl sein Schwerpunkt zunächst das Klavier war. Nach dem
Schulmusikstudium in Karlsruhe baute er erst die Musikschule Calw, dann
die Aurelius Sängerknaben Calw auf, die sich in knapp zwei Jahrzehnten
internationales Ansehen erwerben konnten. Währenddessen wuchs sein
Interesse, gewonnene Erfahrungen weiter zu vermitteln
und in Kursen und Seminaren zugänglich zu machen.
Er gewann stets neue Eindrücke durch die aktive Mitarbeit beim Tölzer
Knabenchor, Landesjugendchor Baden-Württemberg, Opernprojekten auf dem
Lande und zuletzt bei der "Chorakademie" in Dortmund.
Sein Bestreben ist es, in einer Singoffensive die Erkenntnisse zur
flächendeckenden Verbreitung einer konsequenten Singerziehung bekannt
zu machen.
Wo und wann findet die Singschule statt?
Die Singschule ist in verschiedene Gruppen aufgeteilt, die zu den folgenden Zeiten proben:
Mädchen (Vorschule, 1. Klasse) dienstags von 15.10 - 15.55 Uhr (Christoph Obert)
Mädchen (2. und 3. Klasse) dienstags von 16.00 - 17.00 Uhr (Christoph Obert)
Mädchen (1. und 2. Klasse) mittwochs von 14.30 - 15.30 Uhr (Hans-Jörg Kalmbach)
Mädchen (ab 4. Klasse) donnerstags von 18.00 -19.00 Uhr (Christoph Obert)
Jungen (Vorschule, 1. und 2. Klasse) mittwochs von 15.30 - 16.30 Uhr (Hans-Jörg Kalmbach)
Jungen (ab 3. Klasse) mittwochs von 16.30 - 17.45 Uhr (Hans-Jörg Kalmbach)
Die Proben finden statt im
Albert-Schweitzer-Saal, Reinhold-Frank-Str. 48 a (am Mühlburger-Tor), 76133 Karlsruhe.
Kantorat der Evangelischen Stadtkirche
Christian Markus Raiser
Kreuzstraße 13
76133 Karlsruhe
Telefon 0721/920 49 17
Telefax 0721/920 49 15
christian.raiser@inka.de
Kantorat der Christuskirche
Carsten Wiebusch
Riefstahlstraße 2
76133 Karlsruhe