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13.06.2006
Das Ende des Musikvideos?
Viele der bekanntesten Regisseure, die dem Medium in den letzten Jahren
noch mal neue Impulse gegeben haben – Spike Lee, Michel Gondry,
Jonathan Glazer – sind mittlerweile in die Kinobranche gewechselt.
Konnten diese noch mit Millionensummen ihre Ideen umsetzen, sieht das
heute ganz anders aus – anstatt 50.000 Euro für einen Clip Ende der
neunziger Jahre investieren die Plattenfirmen heute kaum noch die
Hälfte.
Ein Grund dafür ist, dass die seit Jahren andauernde Krise im
Musikgeschäft dazu führt, das die Etats für die Videoproduktionen
kürzt. Auf der anderen Seite haben "Musikvideos für das knapp
kalkulierende Musikfernsehen an Attraktivität verloren", schätzt Daniel
Lieberberg von Universal Music Germany. Werbung wird heute bevorzugt
zwischen Sendungen wie "Pimp My Ride" oder die "Shibuya Karaoke Show"
geschaltet.
Überhaupt besteht das Programm von Viva und Co nur noch zu rund 30
Prozent aus Musikvideos. Da überlegt man sich natürlich zweimal, wie
viel man in ein Video investieren möchte – Platz dafür gibt es fast nur
noch in den Chartsendungen.
Zudem setzen die Sender vermehrt auf "Oldie-Clips" wie "Die besten
Videos der Achtziger" oder die "Trash Top 100". In der verbleibenden
Zeit laufen etablierte Hits. Spartensendungen wie "Fast Forward" wurden
schon vor Jahren abgesetzt: alles spricht dafür, dass das Medium
untergeht, besser gesagt: übergeht.
Das Internet schickt sich an, die Monopolstellung für die Ausstrahlung
von Musikvideos zu übernehmen. Möglich wird das durch schnelle
Verbindungen und Flatrates. So kann man sich auf den Homepages vieler
Plattenfirmen die Videos ihrer Künstler ansehen, doch es gibt auch
andere Möglichkeiten: auf YouTube.com beispielsweise hat sich seit der
Gründung im Herbst 2005 das wohl größte Archiv an Musikvideos weltweit
angesammelt – Schätzungen gehen von Hunderttausenden Clips auf, und
jeden Tag kommen Hunderte dazu.
Wie bei Google gibt man einfach den Namen des Künstlers ein, schon kann
man sich das Video am Bildschirm anschauen – egal ob es nun ein neuer
oder ein alter Song oder ein Konzertmitschnitt per Videohandy ist. Zwar
ist die Urheberrechtsfrage nicht ganz geklärt, aber es erscheint
unwahrscheinlich, dass es YouTube.com ergehen wird wie der Tauschbörse
Napster: man kann sich die Videos aufgrund der Größe nicht runterladen.
Außerdem betrachtet die Musikindustrie die Clips als Werbefilme, mit
dem man neue Kunden für eine CD begeistern kann und reagiert auch
bereits auf die jüngsten Entwicklungen: etwa mit Internetportalen, wo
man sich – allerdings gegen Bezahlung – Clips in guter Qualität
herunterladen kann. Danach kann man sie sich auch auf ein mobiles Gerät
wie den Video iPod oder das Handy – Stichwort Videotones – laden.
Weiterhin setzt die Industrie auf das so genannte "virale Marketing".
Das bedeutet, dass sich Internet-User unterhaltsame Videos per Mail
zuschicken und diese sich so immer weiter ausbreiten.
Diese müssen ja nicht immer professionell produziert sein: wie man auf
"virale" Weise zu Bekanntheit gelangen kann, ohne ein großes Budget zu
haben, das zeigten letztes Jahr die Jungs von "Grup Tekkan" und ihr
Internet-Hit "Sonnenlicht". (ak)
Quelle: faz.net
www.youtube.com www.videos.antville.org Text: Video killed the Radio Star
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