07.07.2005
Hördt in der Pfalz - 1225. Geburtstag - 2005
Das Dorf Hördt wird erstmals genannt in der Zeit zwischen 780-802 in
einer Urkunde des Klosters Fulda als Baugolfus Abt von Fulda war.
Acbuto de Alsatia (Agboto de Alsatia) schenkt zu Ehren des heiligen
Märtyrers Bonifatius eine Kirche, sowie Ländereien in unserer Gegend
und 63 Unfreie (Leibeigene) davon 12 zwischen Hördt und Ottersheim. Geschichtliches
Klosterdorf Hördt
(von Max Frey sen.)
In
dieser Urkunde, die in lateinischer Sprache und in angelsächsischen
Zügen geschrieben ist, wird das Dorf als Terherdi bezeichnet. Richtig
zu lesen aber wäre: „inter Herdi et Hudamaresheim“, also zwischen Hördt
und Ottersheim.
Deutung des Ortsnamens: Feuerstelle, Herd, Haus, Wohnung.
Auf eine frühe Besiedlung weisen zahlreiche Funde hin. Im
Schwalbenflug, im Klostergarten, in der Kühwoog und in anderen
Gemarkungsteilen sind zahlreiche Steinbeile und Gefäße bzw. Gefäßteile
gefunden worden aus der jüngeren Steinzeit, etwa 5000 v.Chr. Aber auch
Tierknochen von Großtieren, wahrscheinlich Elephas (Elefant) wurden
ausgebaggert. Zeitstellung: Diluvium 20-80.000 v.Chr.
1937 wurde bei Erdarbeiten ein spätbronzezeitliches Urnen-Gräberfeld festgestellt, etwa 1000 v.Chr.
Aus der Römerzeit sind 2 Göttersteine vorhanden. Während der eine die
Göttin Juno darstelle, zeigt der andere den Gott Merkur; Zeitstellung:
2./3. Jahrhundert n.Chr.
Auch ein römischer Brückenstein mit Inschrift aus dem 2. Jh. n.Chr. wurde 1898 bei Hördt aufgefunden.
Weiter ist noch ein Kurzschwert anzuführen, wie es oft in fränkischen Gräbern gefunden wurde 6./7. Jahrhundert merowingisch.
Über die Entstehung des Dorfes Herdi gibt es keinen genauen Nachweis.
Wahrscheinlich ist jedoch, dass Herdi zwischen 600 und 800 entstand
(Aussage von Prof. E. Christmann).
Möglich, dass es später zur Burg Spiegelberg gehörte, welche erstmals unter dem Datum 29.04.1200 genannt wird.
Seinen besonderen Aufschwung erlebte Herthi (Hördt) an seinem so
denkwürdigen Tag, dem 9. Februar 1103, als ein Edelmann mit Namen
Herimannus vor Kaiser Heinrich dem IV. sowie Johannes I. Bischof von
Speyer und zahlreichen adligen Zeugen in Speyer auf seinem Gut in
Herthi ein Kloster errichtet, zu seinem und der Seinigen Seelenheil.
Das Kloster wurde wie der Dom zu Speyer der Muttergottes geweiht. Er
beschenkte es mit vielen Gütern in der näheren und weiteren Umgebung.
Die Dorfkirche St. Georgi ließ er bereits vor 1103 errichten.
Von da ab lehnt sich die Entwicklung des Dorfes eng an die des Klosters
an. Die Einwohner sind jedoch in mancherlei Hinsicht der Propstei und
diese wiederum dem Dorf verpflichtet. Insbesondere sind dies gemeinsame
Gerechtigkeiten wie Viehweiden, Holzrechte, Fischereirechte u.a.
Im Jahre 1540 entsteht die Gerichtsordnung des Dorfes. Sie regelt
Zuständigkeiten und Gebühren des Gerichts als dessen Vorsteher, der
Schultheiß fungiert. Hier ist auch die "Gebühr" für die Beurkundung
eines Güterverkaufs geregelt. Sie betrug „acht Maß Wein und zwey
Brodt“. Festgelegt war auch, dass die Wirte den roten Wein einen
Pfennig billiger als den weißen verkaufen sollten.
Im gleichen Jahr (1540) ist auch die Hördter Dorfordnung entstanden.
Hier sind vor allem die Holzrechte und die Strafen bei Verstoß gegen
dieselben angeführt. Regelungen werden weiter festgelegt für Bäcker,
Wirte, Metzger, Ölmüller und Strafen für unberechtigte Weide.
Das Kloster Hördt wurde von Augustiner Chorherren besiedelt, die meist
dem Adel angehörten und war für 550 Jahre der religiöse und geistige
Mittelpunkt dieser Gegend gewesen und wohl das reichste Ritterkloster
der damaligen Kurpfalz. Propstey und Ritterakademie Herdt in höchster
Blüte bis 1525.
Der gute Ruf, der von Hördt ausging wird durch die Tatsache
gekennzeichnet, dass die Hl. Hildegard von Bingen es mehrmals besuchte
(1171). Der gute Ruf aber bewahrte das Edelleut-Kloster nicht vor einem
schweren Schicksal, von dem so viele Klöster getroffen wurden.
Es war durch die wirtschaftlichen Verhältnisse jener Zeit tatsächlich
viel Unzufriedenheit unter dem Volk. Das Besitztum lag größtenteils in
den Händen der Fürsten und Klöster. Die damaligen Bauern und Handwerker
standen in Abhängigkeit von ihnen und hatten namentlich viele und
schwere Frohndienste zu leisten.
Die Steuern und Umlagen waren fast unerschwinglich. Das Kloster wurde
ausgeraubt und angezündet, die Mönche misshandelt und der damalige
Propst Florenz Schlieder (Schliederer) von Lachen ist sogar an den ihm
zugefügten Misshandlungen gestorben.
Bei dem Aufstand, der in der Osterzeit 1525 ausbrach, wurde das Kloster
zuerst durch die Nußdorfer und dann durch die Bruhrheiner schwer in
Mitleidenschaft gezogen. Wie sich die Hördter Untertanen und die der
Umgebung in dieser Situation verhielten, darüber gibt es keine
Aufzeichnungen. In der Hinrichtungsakte von Pfeddersheim befanden sich
keine Hördter Namen. Aber auch der Bauernaufstand fand ein blutiges und
trauriges Ende. Über 100 000 Menschen fanden hierbei den Tod und über
1000 Klöster wurden in Deutschland vernichtet oder schwer geschädigt.
Und was war das Los der Bauern? Es war schlechter als wie zuvor
geworden. Niemand dachte nach dem Aufstand an eine Besserung der
Verhältnisse.
Die nun nachfolgenden Epochen der Reformation und des 30jährigen
Krieges ließen die Propstey nie mehr zu ihrer einstigen Blüte gelangen.
Zwar hatte Propst Petrus Krane von 1637 an versucht, das Hördter
Augustinerkloster wieder für seinen Orden in Besitz zu nehmen und ihm
seinen einstigen Ruf zurückzugeben. Jedoch die Kriegsunruhen und die
Rechtlosigkeit der damaligen Zeit trugen dazu bei, dass auch Propst
Petrus Krane als eigentlich letzter Propst des Hördter Klosters mit
Gewalt auf Anweisung des Fürstbischofs und französischer Soldaten
vertrieben wurde.
Kloster Hert wurde Eigentum der Kurpfalz und alle Einnahmen flossen dahin.
In den Zeiten der Reformation und des 30jährigen Krieges und danach,
von 1556 bis 1660 musste auch das Kloster Herdt mit seinen Untertanen
neunmal die Religion wechseln (lutherisch, calvinisch, katholisch).
Die langsame und endgültige Auflösung lies sich nicht mehr aufhalten.
Die französische Revolution brachte der alten Klosterstiftung die
völlige Auflösung. Die großen Besitzungen des Klosters wurden als
Eigentum der französischen Nation erklärt und versteigert. Der mehrere
Hundert Hektar zählende Wald ging 1816 in das Eigentum des bayerischen
Staates über. Der Großsteil der Klostergüter ging nicht an Hördter
Bürger, sondern an Auswärtige.
Der Rhein war vor seiner Begradigung um 1825 immer eine große
Überschwemmungsgefahr für die Felder der Rheinniederung und alle
Anzeichen sprechen dafür, dass die Hördter Rheinniederung wieder
Überschwemmungsgebiet werden soll.
Während der Ort 1802 noch 740 Einwohner hatte, sind es im Jahre 1836
bereits 1440. Die erste Zigarrenfabrik eröffnete 1863 ihren Betrieb.
Bei der Bevölkerung bahnt sich, beginnend um 1935 eine Umschichtung in
den Erwerbstätigkeiten an. Viele vorherige „Zigarrmacher“, aber auch
Landwirte mit kleinerem Besitz, wandern ins Baugewerbe ab. In der
Landwirtschaft sind die Betriebe immer weniger geworden. Den heute noch
vorhandenen hauptberuflichen Landwirten dient in erster Linie Tabak,
Spargel und Zuckerrübenanbau als Einnahmequelle, während der Anbau von
Getreide kaum noch als Einnahmequelle gerechnet werden kann, obwohl der
Getreideanbau die größte Anbaufläche darstellt. Handel sowie mehrere
leistungsfähige Handwerksbetriebe ergänzen die Wirtschaftskraft des
Dorfes.
Fast alle anderen Erwerbstätigen sind als Pendler auswärts beschäftigt.
Im Jahr 1965 wurde das neu errichtete Schulhaus mit Turnhalle bezogen.
Das gesamte Ortsgebiet ist mit Kanalisation versehen. Der Friedhof hat
eine den heutigen Erfordernissen entsprechende Friedhofshalle und
vorbildliche Grünanlagen erhalten. Die Kirchengemeinde führte einen
zweckdienlichen Umbau des Gotteshauses durch. In den letzten Jahren
konnten in den Wohngebieten „Ziegeleck“ und „Hausberg-Spitzäcker“
Baugrundstücke an Bauwillige vergeben werden.
Im Jahr 1980 beging die Ortsgemeinde Hördt die 1200-Jahr-Feier mit
einer Festwoche und seitdem alle fünf Jahre das „Klosterfest“. Die
Turnhalle steht nach dem Bühnenneubau für alle kulturellen
Veranstaltungen zur Verfügung. Im Untergeschoss wurde ein Feuerwehrhaus
ausgebaut. Die Anforderungen im dörflichen Bereich führen zu weiteren
Vorhaben. So wird von der Gemeinde weiteres Bauland erschlossen;
derzeit entsteht das neue Wohnbaugebiet „Nord-West“.
Die Gemarkung ist 1846 ha groß, Staatswald 670 ha, Gemeindewald 197 ha
919 ha landwirtschaftliche Fläche einschließlich Wege und Gewässer
sowie ca. 60 ha bebaute Fläche und eine derzeitige Einwohnerzahl von
2434. Hördt liegt 100-110-121 m über dem Meeresspiegel.
Über die Dorfgrenze hinaus und interessant ist das als die „Hördter
Rheinaue“ bekannte, zweitgrößte Naturschutzgebiet der Pfalz mit 835 ha.
Ein einzigartiges Reservoir seltener und schätzenswerter Tier- und
Pflanzenarten. Mehr als zwei Drittel der Gemarkung sind Natur- und
Landschaftsschutzgebiet.
Nur noch Straßennamen künden den Bewohnern des Klosterdorfes von der
einstigen Geschichte wie Kloster-, Garten-, Propstei-, Augustiner- und
Spiegelbergstraße sowie Propst-Krane-Platz und Herrimannusweg! Ferner
ein Standbild des hl. Johannes Nepomuk und ein Stück Klostermauer mit
einer Länge von 14,60 m, einer Höhe von 2,50 m und einer Tiefe von 60
cm.
Die St. Georgskirche mit der Grundschule befinden sich auf dem Jergenberg, wo einst das Nonnenkloster stand.
Als kirchliches Hochfest wird alljährlich das seit 234 Jahren
bestehende Fest „Kreuzerhöhung“ gefeiert mit der Kreuzreliquie, welche
im Jahre 1768 als Geschenk aus Rom der Kirche von Hördt übertragen
wurde.
Kirchweih wird in Hördt am letzten Sonntag im August gefeiert.
Die Kulturgemeinde Hördt vereinigt insgesamt 26 Vereine sowie als weitere Mitglieder die Orts- und Kirchengemeinde Hördt.
Die große Vergangenheit des Klosterdorfes Hördt spiegelt sich bis heute in seinem Ortswappen wieder.