Wo die Gemarkung von Ottersdorf, Plittersdorf und Wintersdorf in den Rheinauen zusammenstossen, stand einst kein mächtiger Grenzstein.
Vielmehr lag dort ein tiefes Wasserloch, das im Volksmund den Name
Marienloch trug. Wenn ein Kind fragte, warum das Loch diesen Namen
"Mariannenloch" trug, erzählte man ihm:
In der Gegend stand bis zum Jahre 1583 das Dorf Dunhausen. Der Rhein
verlegte damals noch bei jedem Hochwasser seinen Lauf. Eines Tages
bedrohte er auch das Dorf Dunhausen. Die Leute konnten gerade noch
rechtzeitig ihre Häuser abbrechen und in den Nachbarorten - die meisten
in Wintersdorf - wieder aufbauen.
Bevor man auch die Kapelle des Dorfes abbrechen konnte, hatte der Rhein
diese bereits erfasst und mit sich fortgerissen. Nur die einzige Glocke
der Kapelle mit dem Namen Marianne schwamm nicht fort, sondern blieb in
einem tiefen Wasserloch liegen, das seither den Namen Mariannenloch
trug. Bei ganz niedrigem Wasserstand war die Glocke manchmal zu sehen.
Als sich einmal zwei mutige Männer daran machten, die Glocke zu bergen,
konnten sie diese zwar bis zur Wasseroberfläche heben. Aber dann
erscholl plötzlich eine silberne Stimme und sprach: "Marianne heiss
ich, und wo ich bin, da bleib ich!" Im gleichen Augenblick versank die
Glocke in die Tiefe und war seither nicht mehr zu sehen.